43% Umsatzplus

Deutsche Bauelemente-Distribution mit fulminantem Q2

11. August 2022, 12:00 Uhr | Karin Zühlke
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2022 lässt die deutsche Bauelementedistribution weiterhin von einem Rekordjahr träumen. Der Umsatz der im FBDi meldenden Distributoren stieg um 43% auf 1,12 Milliarden Euro.

Der Auftragseingang stieg um 21% auf 1,71 Milliarden Euro, annähernd so hoch wie in Q1. Die Book-to-Bill-Rate hat zwar das absolute Rekordniveau des letzten Jahres verlassen, verharrt mit 1,52 dennoch weiter über „Normal“. Das erste Halbjahr endete damit bei knapp 2,3 Milliarden Euro Umsatz und Neuafträgen von knapp 3,5 Milliarden Euro.

In den Produktsegmenten verlief die Entwicklung deutlich unterschiedlicher. Während die Halbleiter um 47% auf 756 Millionen Euro wuchsen, standen die Passiven mit 34,7% plus bei 135 Millionen Euro etwas zurück. Die Elektromechanik „normalisierte“ sich auf +28,4% und 139 Millionen Euro Umsatz. Andere Produkte wie Stromversorgungen, Sensoren, Displays und Baugruppen & Systeme bewegten sich zwischen +31% (Baugruppen) und +75% (Sensoren). Deutlicher als bei dem Umsätzen fielen die Unterschiede bei den Auftragseingängen aus: Halbleiter + 26%, Passive -2,3% und Elektromechanik +10,4%. Allerdings war hier die Vergleichsbasis von 2021 wesentlich höher als beim Umsatz.Nur leicht anders verteilte sich in Q2 auch der Umsatzkuchen: Halbleiter 68%, Passive und Elektromechanik je 12%, Stromversorgungen knapp 4% und 4% für die restlichen Produkte (Stromversorgungen, Sensoren, Displays und Baugruppen & Systeme).

FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger: „Was am zweiten Quartal am meisten überrascht, ist die Tatsache, dass der Auftragseingang bis jetzt weiterhin drastisch über einem gesunden Maß liegt. Traditionell beginnt der Markt ab einer Book-to-Bill-Rate von 1,2 von Knappheit zu sprechen, wir verharren seit Anfang 2021 bei über 1,5. Differenzierter betrachtet, sieht man jedoch schon Normalisierungstendenzen bei fast allen Produktbereichen außerhalb der Halbleiterbauelemente. Was das für das weitere Jahr bzw. für nächstes Jahr heißt, darüber kann man trefflich spekulieren – die Wetten über eine Abbremsung schon in diesem Jahr bzw. eine sich fortsetzende strukturelle Knappheit bei einzelnen Produktsegmenten bis ins nächste Jahr laufen bereits.“

Potentielle Störfaktoren in der weiteren Komponentenmarkt-Entwicklung sind offensichtlich und nur bedingt im Markt selbst zu suchen, meint Steinberger: „Die horrende Inflation, die Energiepreisentwicklung samt drohender Knappheit, der anhaltende Krieg in der Ukraine und die wachsenden Spannungen zwischen China und dem Westen demolieren die allgemeinen Wachstumsaussichten erheblich und werden ihre Spuren auch in unserem Markt hinterlassen, wenn sich die großen Wachstumsmöglichkeiten wie Digitalisierung, E-Mobility, 5G, Erneuerbare Energien und Investments in die gesamte öffentliche und private Infrastruktur aufgrund von fehlenden Finanzmitteln nicht oder nicht so schnell realisieren lassen.“

Dennoch steht die Erwartung, dass der europäische High-Tech-Markt langfristig glänzende Aussichten hat, weiterhin fest im Raum. Steinberger: „Weiter wachsender Bedarf und weitere Innovation sind ja nicht weg, wenn‘s mal wieder langsamer zugeht – Voraussetzungen wären jedoch, dass wir mehr zu den Lösungen als zu den Problemen beitragen, dass wir die nötigen Rohstoffe und technischen Fertigkeiten haben, und dass wir vor allem die nötigen gut ausgebildeten Mitarbeiter zur Verfügung haben. Der allenthalben sichtbare Nachwuchsmangel in allen technischen Berufen könnte sich zu größten Wachstumsbremse entwickeln.“


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