Schwerpunkte

Digitalisierung bringt Transparenz

Aus dem Schatten treten

23. April 2021, 03:00 Uhr   |  Von Jens Gamperl, CEO von Sourceability

Aus dem Schatten treten
© Component Testing Image - Publitek

Wie engagierte interne Prüfungen Licht in den grauen Markt bringen und die dunklen Ecken des E-Commerce ausleuchten.

Um die Jahrhundertwende hat das Internet einen völlig neuen Begriff geschaffen, der geschäftliche Aktivitäten in den letzten 20Jahren stark vorangetrieben hat: E-Commerce. Obwohl die Abläufe noch zwei Jahrzehnte Zeit hatten, sich zu entwickeln, folgt E-Commerce einer rasanten Weiterentwicklung. In jüngster Zeit hat es eine neue Art von Kunden-Lieferanten-Beziehung in Schwung gebracht, bei der sich beide nie treffen und sogar der Markenwert zweitrangig wird.

Die Dotcom-Revolution schuf auch eine neue Art von Vermittler: die Aggregations-Site. Mittlerweile gibt es unzählige dieser virtuellen Unternehmen. Viele sehen das Produkt, das verkauft wird, wahrscheinlich nie wirklich und haben über den elektronischen Austausch hinaus keinerlei physische Interaktion mit der Lieferkette. Einige nutzen diese Anonymität aus – und es sind genau diese Schattenbereiche des Internets, die zum Synonym für den sogenannten grauen Markt geworden sind.

Es ist vielleicht ungerechtfertigt, dass der graue Markt nach wie vor mit Misstrauen betrachtet wird, aber es ist verständlich. Er hat den Ruf, völlig kostenorientiert zu sein, und zieht daher Akteure an, die sich gerne auf ein „Race to the bottom“ einlassen. Leider bedeuten niedrigere Kosten für den Kunden nur, dass hinter den Kulissen eine effizientere Einkaufsplattform existiert. Allzu oft senkt der Lieferant mehr als nur die Gemeinkosten, um seine Preise zu senken.

Zum Glück ist die Digitalisierung auch ein Lichtblick. Die durch sie gewonnene Transparenz ist fast allumfassend, sodass dunkle Ecken schwerer zu finden sind. Sie bringt den Käufer dorthin zurück, wo er hingehört: die Kontrolle über den gesamten Prozess zu wahren. Die Digitalisierung ermöglicht eine Rückverfolgbarkeit, die bisher im E-Commerce fehlte.

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© Sourceability

Jens Gamperl, Sourceability

Vertrauen in die Beschaffung von Bauelementen aufbauen

Der graue Markt ist nicht ruchloser als jeder andere Markt. Was die Sache erschwert, ist die vermeintliche mangelnde Verantwortlichkeit. Auch Vermittler haben einen „Hands-off“-Ansatz gewählt und greifen auf die lateinische Redewendung „Caveat Emptor“ (Möge der Käufer sich in Acht nehmen) zurück.

Selbst bekannte Online-Handelsplattformen beschränken ihr Risiko auf die Folgen der Lieferung minderwertiger Produkte. Lieferanten, die über einen Vermittler tätig sind, glauben, dass sie einen gewissen Schutz genießen. In Wirklichkeit ist es schwierig, genau zu verstehen, wo die Verantwortlichkeit beginnt und endet und wie die Rückverfolgbarkeit innerhalb dieser Lieferkette aufrechterhalten werden kann.
Dies kann für Unternehmen, die elektronische Bauelemente auf einem zunehmend offenen Markt beschaffen, Anlass zur Sorge sein. Sie sind zwar sehr daran interessiert, neue Quellen zu finden, haben aber möglicherweise Vorbehalte gegenüber den Lieferanten. In vielen Fällen sind sie mit dem Lieferanten nicht vertraut.

In dieser Situation ist es der Vermittler, der einspringen und die notwendigen Zusicherungen geben muss. Hier kann ein strukturiertes Programm zur internen Überprüfung helfen, das Vertrauen zwischen Kunde und Lieferant zu stärken.
Ein umfassendes Prüfverfahren, das sicherstellt, dass die Bauelemente weiterhin die höchsten Qualitätsstandards erfüllen, ist unbedingt erforderlich. Inspektionsteams müssen darin geschult sein, alles zu erkennen, was verdächtig erscheint – von geringfügigen Abweichungen in der Verpackung bis hin zu Größe, Form und Farbe des Lieferantenlogos. Alle Bauteile gelten als nicht konform, bis sie von einem Prüfer abgezeichnet wurden.

In der Praxis sollten drei Stufen interner Prüfungen angewendet werden.

Stufe 1

Der menschliche Kontakt ist für alle Distributoren nach wie vor ein äußerst wertvolles Gut, und dies wird bei der Prüfung auf Stufe1 deutlich. Hier kommen die Erfahrung und das Fachwissen des Prüfers durch visuelle Prüfung und Aufzeichnung aller Aspekte einer Sendung ins Spiel.

Dazu gehört die Überprüfung grundlegender Informationen wie der Name des Herstellers und die Bauteilnummer. Die Prüfung erstreckt sich auf den physischen Zustand der Verpackung, einschließlich des Siegels und gegebenenfalls der Verwendung von ESD-/Schutzverpackungen.

Als Nächstes folgen die regulatorischen Aspekte wie ROHS-Zertifikate und der Nachweis des Bleifrei-Status. Das Herkunftsland wird ebenfalls überprüft, zusammen mit dem Herstellungsdatum und den Chargen-Codes. Das Barcode-Etikett des Herstellers wird erfasst und alles wird dokumentiert, wodurch ein virtueller „Pass“ für die gelieferte Ware bereitsteht.

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