Schwerpunkte

Vom Sensor zur Cloud

»Starker Fokus auf Proof-of-Concepts«

01. Februar 2021, 10:11 Uhr   |  Karin Zühlke

»Starker Fokus auf Proof-of-Concepts«
© Avnet Silica

Marco Giegerich, Avnet Silica: »Wir sehen viele interessante Geschäftsmöglichkeiten in der Weiterverwendung von Daten und daraus resultierenden Services.«

Avnet Silica rückt vernetzte Systemlösungen noch in den Mittelpunkt. Die Säulen dafür sind neben der eigenen Expertise das Avnet Ecosystem, Proof-of-Concepts und ein umfassendes Partnernetzwerk. Details erläutert Marco Giegerich, Director Business Development von Avnet Silica.

Markt&Technik: Die technisch versierte Distribution hat über die letzten Jahre einen Paradigmenwechsel von der Produktdenke weg, hin zum Systemverständnis vollzogen. Worauf kommt es aus Ihrer Sicht in der Zusammenarbeit mit dem Kunden in Zukunft an?

Marco Giegerich: Es geht in der Tat längst nicht mehr nur um Hardware und spezielle Produkt-Features. Die Use Cases werden immer komplexer für unsere Kunden und es wird immer schwieriger für Hersteller, die gestiegenen Anforderungen zu adressieren. Mittlerweile sind etwa bei der Hälfte der neuen Designs eine sichere Anbindung an die Cloud und damit Cybersecurity zentrale Themen. Darüber hinaus werden viele Anwendungen durch KI erst ermöglicht.

Es geht also um neueste Technologie und es stehen höher integrierte Lösungen im Fokus. Im Mittelpunkt steht dabei die smarte Nutzung von Daten, damit auch die Cloud-Anbindung sowie Security und die intelligente Auswertung und Nutzung der gesammelten Daten. Zusätzlich erfolgt die Differenzierung durch Services. Das Stichwort lautet hier XaaS, also „Everything as a Service“; zum Beispiel Software as a Service, Platform as a Service.

Als Einstieg für neue Projekte sind daher funktionierende Proof-of-Concepts oder Proof-of-Values gefragt, die wir zum Teil auch gemeinsam mit Herstellern wie Renesas umsetzen. Im Vordergrund steht also nicht mehr – nur – die Frage nach dem passenden Halbleiter, sondern es geht darum, Mehrwert für die Kunden und deren Business zu kreieren.

Im Kern geht es also um den Wert, den wir mit unseren Kunden im Rahmen eines Proof-of-Values für deren Geschäftsmodell generieren können. Dazu gehören die Skalierbarkeit sowie das Erschließen von neuen Feldern. Mit dem Proof-of-Concept kann die Machbarkeit mit wenig Aufwand demonstriert und die Entwicklung wesentlich einfacher, schneller und mit sehr geringem Risiko umgesetzt werden.

Dreh- und Angelpunkt in der Kundenberatung ist also der Wandel vom produkt- zum service- bzw. datenbasierten Geschäftsmodell – zum Beispiel?

Wir sehen viele interessante Geschäftsmöglichkeiten in der Weiterverwendung von Daten und daraus resultierenden Services. Im Industriebereich kann z.B. ein Hersteller von Antrieben durch Überwachung des Gerätezustandes – Condition Monitoring – oder Predictive Maintenance ein Geschäftsmodell aufbauen, mit dem sich regelmäßig wiederkehrende Einnahmen erzielen lassen.

Ein weiteres Beispiel sind Lungendiagnosegeräte und andere medizinische Analyseausrüstung, die vernetzt werden können. Dabei werden Sensordaten in die Cloud übertragen und analysiert. Auch die sichere Nachrüstung von Geräten ist ein Thema für weitergehende Services. Auch hierfür haben wir die entsprechenden Lösungen.

Insgesamt sehen wir, dass die Anforderungen an die Konnektivität steigen. Neue Technologien wie LoRa, NB-IoT oder drahtgebunden Single Pair Ethernet und Time Sensitive Network kommen zum Zug. Ganz oben auf der Agenda steht Sicherheit getrieben durch den EU Cybersecurity Act. Es dauert im Schnitt ungefähr nur 5 Minuten von der Einbindung eines Geräts in die Cloud bis zur ersten Attacke.

Welche Anforderungen stellt der EU Cybersecurity Act an die Beratung durch den Distributor?

Man muss die Marktanforderungen kennen und was die Gesetzgebung vorsieht. Und hier kommen unsere eingangs erwähnten Proof-of-Concepts oder kurz PoCs ins Spiel, weil die End-to-End Security auf Hard- und Software-Basis bereits implementiert ist.
Wir haben außerdem für das Thema Security ein dediziertes Team zur Verfügung, sodass wir die verschiedenen Security Levels je nach Anforderungen abdecken können, und wir sind in den Normungsgremien mit dabei. Unsere Security-Lösungen umfassen Hardware und Software. Flankierend dazu bieten wir Services rund um Programmierung und Provisioning an. Wir verstehen Security nicht als Produkt, sondern als Prozess.

Der Kunde erhält also sämtliche Dienstleistungen und Services rund um das Design von vernetzten Applikationen aus einer Hand?

Ja, wir bilden die komplette Kette ab, d.h. von der Hardware über die Software bis hin zu Cloud- Lösungen und die Entwicklung von Apps. Darüber hinaus haben wir unser Netzwerk an externen Partnern stark erweitert und Avnet hat auf Konzernebene Zukäufe getätigt.

Ein Kernelement unserer Services ist die IoT Connect Plattform von Avnet. Das ist eine sichere Middleware, die auf Microsoft Azure basiert; sie fungiert als Plattform as a Service für Entwicklung und auch das Management von IoT-Lösungen. Es sind natürlich auch Lösungen anderer Cloud-Anbieter sowie die Anbindungen an kundeneigene Plattformen möglich. Eingeschlossen sind Datentransfer, Analysefunktion und Dashboard sowie die Entwicklung von Apps. Je nach vertikalem Marktsegment und Anwendungszweck bieten wir vorkonfigurierte Module dazu, die je nach Kundenwunsch nur noch angepasst werden müssen, also etwa für Industrie 4.0, für Building- und Home Automation oder Flottenmanagement.

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