Elektronik-Lieferketten

Das sind die Trends für 2022

14. Februar 2022, 11:19 Uhr | Karin Zühlke
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Auch im neuen Jahr 2022 bleiben die Herausforderungen in der Lieferkette vielfältig. Sascha Bütterling, Senior Director SaaS für die DACH-Region von Supplyframe, kennt die fünf wichtigsten Trends und gibt Tipps für eine bessere Planung.

1. Robuste Lieferketten haben höchste Priorität

Unternehmen haben spätestens seit Beginn der Pandemie und anderen einschneidenden Ereignissen wie etwa der Blockade des Suezkanals erkannt, wie anfällig Lieferketten sind. Lockdowns etwa haben zu Lieferengpässen von Komponenten geführt. Das hat nicht nur die Warenverfügbarkeit beeinflusst, sondern auch Produkteinführungen verzögert. In der Konsequenz wollen sich Unternehmen nun ihre Lieferanten und die gesamte Lieferkette genauer ansehen. Ihr Ziel ist dabei vor allem: mehr Flexibilität, Widerstandsfähigkeit und vor allem Transparenz. Ein To Do für alle – egal ob Hersteller, Zulieferer oder Händler – wird es sein, potenzielle Probleme in der Lieferkette zu erkennen und zu vermeiden, bevor sie auftreten. Das erfordert vor allem agile Lieferketten mit vielfältigen Beschaffungs- und Transportoptionen, die bei Notfällen weiterlaufen. Das lässt sich am besten mithilfe von Echtzeit-Informationen und deren Analyse bewältigen. So können Kosten, Volatilität und potenzielle Ausfallzeiten reduziert, Risiken minimiert und Produkteinführungen auf Kurs gehalten werden.

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»Die Engpässe bei den Komponenten und der Halbleitermangel, der besonders die Automobilindustrie getroffen hat, werden weiterhin bestehen bleiben«, sagt Sascha Bütterling, Supplyframe.
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2. Engpässe in der Lieferkette bleiben bestehen

Die Engpässe bei den Komponenten und der Halbleitermangel, der besonders die Automobilindustrie getroffen hat, werden weiterhin bestehen bleiben. Eine wesentliche Entspannung ist laut dem Commodity Intelligence Report von Supplyframe nicht vor 2023 in Sicht. Vor allem Komponenten wie Dioden und DRAM sowie Rohstoffe wie Harze werden erst in der ersten Hälfte des Jahres 2023 wieder regelmäßig verfügbar sein. Die Komponentenhersteller haben zwar die Produktion hochgefahren, um die Auswirkungen der Krise abzumildern, doch der Auftragsbestand in der Lieferkette ist so hoch, dass die Hersteller mit der Produktion nicht mehr hinterherkommen. Außerdem erschweren Arbeitskräfte- und der Rohstoffmangel zusätzlich die Bedingungen.

Damit diese wichtigen Komponenten in der gesamten globalen Elektronik-Wertschöpfungskette beschafft werden können, müssen alle Mitglieder der Lieferkette die richtigen Marktinformationen zur Verfügung haben. Diese sollten aber nicht nur genau anzeigen, welche Komponenten verfügbar sind und welche Kategorien am unbeständigsten sind. Sie sollten auch aufkommende Trends zeigen, die die gesamte Beschaffungsstrategie beeinflussen könnten.

3. Just in Time für zu Hause

Zu diesen Einflussfaktoren gehört auch das Kaufverhalten, das sich seit Beginn der Pandemie drastisch verändert hat: Verbraucher waren aufgrund der Lockdowns dazu gezwungen, Produkte des täglichen Bedarfs online zu besorgen. Dieser Trend wird laut einer Studie von UPS weiterhin bestehen bleiben – das gilt auch für Elektronikprodukte. Doch haben sich Konsumenten an die Knappheit und Nichtverfügbarkeit bestimmter Güter gewöhnt, weshalb sich auch hier eine neue Kaufgewohnheit abzeichnet: Es kommt nicht mehr darauf an, wo das Produkt gekauft wird, sondern wann es benötigt wird. Das bedeutet, dass Verbraucher anfangen, wie Hersteller zu denken, und kaufen das Produkt dort, wo es am schnellsten verfügbar ist. Dies wird eine größere Motivation für Unternehmen sein, Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Daher wird es nicht nur wichtig sein zu wissen, welche Trends es gerade auf dem Verbrauchermarkt gibt, sondern auch, welche neuen Produkte geplant sind, um schnell auf den Bedarf reagieren zu können.

4. Künstliche Intelligenz
weiterhin auf dem Vormarsch

Künstliche Intelligenz und die Konnektivität in allen möglichen Bereichen werden auch in 2022 nicht mehr wegzudenken sein. Der Austausch von Daten ist und bleibt ein wichtiger Motor für die Wirtschaft. Auch für die Transparenz und Effizienz der Lieferkette kann KI einen entscheidenden Vorteil schaffen. Die B2B-Elektronikbranche wird daher eine der ersten Branchen sein, die sich dies zunutze macht.

Insgesamt wird die IoT-Branche weiterwachsen und eine Fülle neuer Daten erzeugen – vor allem, weil die Unternehmen weiterhin stark in die digitale Transformation investieren. KI und Cognitive Computing werden dabei helfen, Lieferkettenprozesse besser einzuschätzen, und automatisierte Lösungen schaffen.

5. Gutes Personal
ist schwer zu finden

Die digitale Transformation hat in fast allen Branchen höchste Priorität, und Firmen investieren Rekordsummen in ihre Technologien zur Optimierung von Lieferketten. Dies hat dazu geführt, dass der Markt für geschulte IT-Fachkräfte für die Lieferkette genauso umkämpft ist wie der für Halbleiter. Unternehmen, die digitales Know-how für ihre Beschaffungs- und Verkaufsprozesse benötigen, werden nicht immer fündig werden.

Daher wird ein entschlossener Umgang mit qualifizierten Bewerbern umso wichtiger werden. Unternehmen, die rechtzeitig Experten mit digitalem Know-how einstellen, werden einen entscheidenden Vorsprung haben. Denn die Implementierung von erstklassigen KI- und Marktintelligenz-Lösungen hängt auch von qualifiziertem Fachpersonal ab.

Ausblick

2021 war ein herausforderndes Jahr und in 2022 kommen einige weitere Herausforderungen auf Unternehmen zu: Die Lieferketten werden weiterhin anfällig für Engpässe, Verzögerungen und einer steigenden Nachfrage konfrontiert werden. Daher wird es für Unternehmen umso wichtiger werden, ihre Lieferkette so effizient und technisch fortschrittlich wie möglich zu gestalten. So können Unternehmen auch die nächste Krise ohne Probleme meistern.


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