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Komponenten-Distribution 2021

Alternativloser Aufschwung

26. Januar 2021, 09:46 Uhr   |  von Georg Steinberger, Vorstandsvorsitzender, FBDi e.V.

Alternativloser Aufschwung
© Avnet

Goerg Steinberger, FBDi: "Lassen Sie uns das Wachstum nachhaltig und alternativlos gestalten!"

Covid-19 hat dem europäischen Komponentenmarkt und der europäischen Distribution 2020 ein blaues Auge verpasst. Interessanterweise bleibt trotz aller Herausforderungen wie Lockdown und Brexit bei vielen Marktteilnehmern eine Grundzuversicht, die für 2021 hoffen lässt. Zu Recht!

War wohl nix mit dem 17. Mai 2020 als Start des Aufschwungs im europäischen Komponentenmarkt. (Anmerkung der Redaktion: „Der Aufschwung beginnt am 17. Mai“ lautete der Titel des Ausblicks für 2020 von Georg Steinberger, veröffentlicht in der Ausgabe 1–2/2020.) Statt einer Rallye – getrieben durch IoT, KI, Elektromobilität und Digitalisierung – erlebten und erleben wir in Europa eine ausgewachsene Pandemie, die sich negativ auf viele Branchen auswirkt, inklusive der High-Tech-Industrie. Die genannten Wachstumstreiber sind zwar noch vorhanden, aber das Wachstum nicht. Zumindest nicht in Europa und schon gar nicht in der Komponentendistribution.

Aber schön der Reihe nach: Laut diverser Marktforscher (WSTS, Gartner, IC Insights) wächst der weltweite Halbleitermarkt dieses Jahr trotz Corona um ca. 5 % auf rund 430 Milliarden US Dollar. Das größte Wachstum findet statt bei Speichern (DRAMs und NAND-Flash), mit Zuwächsen von weit über 20 %, und bei Prozessoren/ASSPs für Smartphones und Tablets (ebenso über 20 %). Für den Rest – immerhin 65 % des Marktes – bleibt damit bestenfalls eine schwarze Null.
Da Europa nicht gerade der Produktions-Hort für Speicher, Mobilfunk und Tablets ist, sondern eher für Automotive und Industrial, ist es kein Wunder, dass SIA und WSTS für 2020 ein Minus erwarten, um ca. 8 % auf knapp 36,5 Milliarden Dollar. Rechnet man noch hinzu, dass der Dollar gegenüber dem Euro eher schwächelte während des Jahres, so dürfte das reale Minus in Europa im Jahr 2020 eher im zweistelligen Bereich liegen.

Der Komponentendistribution (Halbleiter und IP&E) erging es nicht viel besser. Nach neun Monaten (Januar bis September 2020) stand ein Minus von gut 14 % zu Buche (lt. DMASS), das sich bis zum Jahresende wahrscheinlich nur unwesentlich geändert hat. Einige Spezialeffekte haben dafür gesorgt, dass die Distribution etwas mehr gelitten hat als der Rest des Marktes (eine Rücknahme von Kunden durch den einen oder anderen großen Hersteller direkt), aber prinzipiell ändert das nichts daran – die alte Leier –, dass Europa das Schlusslicht ist im Vergleich der großen Industrieregionen. Asien erholt sich schneller, die USA scheinen resistenter gegen den Abschwung zu sein und stehen laut WSTS 2020 sogar mit einem zweistelligen Plus ausgesprochen gut da.

Dies ist die traurige Realität 2020: Das Virus ist noch da, europaweit werden alle Varianten von Lockdown praktiziert mit der Priorität, die produzierende Wirtschaft nicht zu beeinträchtigen. Der grenzübergreifende Handel findet zwar noch statt, aber Bremsspuren im Export gibt es vor allem dort, wo reisendes Personal notwendig wäre, um Geschäfte möglich zu machen (Montagetätigkeiten, zum Beispiel im Maschinenbau und anderen Investitionsgüterbranchen). Und dann der Brexit …
Interessanterweise existierte zumindest bis einschließlich Oktober eine enorme Zuversicht in der produzierenden Wirtschaft. Der von IHS Markit europaweit (und länderweise) erhobene PMI (Production & Manufacturing Index) lag bei knapp 55 Punkten (also deutlich über der Wachstumsschwelle von 50), im eher skeptischen Deutschland sogar bei 58! Zum Vergleich: Im Oktober 2019 herrschten noch krasseste Rezessions-Szenarien mit PMIs um die 45 (in Deutschland 41,7). Im November, angesichts des harten Lockdowns in vielen Ländern, ging die Zuversicht jedoch wieder genauso drastisch verloren, die Zahlen näherten sich rasant der Situation von vor einem Jahr an.

Das Dumme ist nur: So schlecht schauen die Aussichten für den Markt derzeit gar nicht aus: Die US-Wahl ist vorüber, eine gewisse Normalität wird in die transatlantischen Beziehungen einkehren, und vielleicht verschwindet sogar das eine oder andere Zoll-Scharmützel zwischen den USA und der EU. Der am 1. Januar effektive Brexit wird Spuren in manchen Bilanzen hinterlassen, aber seien wir ehrlich – gerade für Deutschlands Wirtschaft liegen die Chancen entweder im eigenen Land oder im Osten (China).
 

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