Elektroniknet Logo

Distributionsmarkt

Hoffnungsträger Osteuropa muss Federn lassen

Die europäischen Distributionsmärkte sind bis auf wenige Ausnahmen ungebremst auf Talfahrt. Sogar Osteuropa musste erstmals seit vielen Jahren im vierten Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 1,4 Prozent hinnehmen. Russland, in der ersten Jahreshälfte 2008 noch als »rising star« gehandelt, musste in den letzten Monaten zweistellige Umsatzrückgänge einstecken.

Der Einbruch der osteuropäischen Märkte dürfte die Distributoren hart treffen, vor allem diejenigen,die über viele Jahre hinweg auf Osteuropa gesetzt und die dort bereits zweistellige Prozentanteile am Gesamtumsatz generiert haben. Neben der negativen Marktentwicklung kommt in Osteuropa noch die wirtschaftliche Situation der einzelnen Länder hinzu. Vor allem die Länder, die noch keinen Euro eingeführt haben, können ihre Auslandsschulden nicht mehr bedienen. Ihre Liquidität ist extrem ausgetrocknet - ein zusätzlicher Beschleunigungsfaktor. »Mit Osteuropa wird man deswegen in den nächsten Quartalen sehr vorsichtig umgehen müssen«, warnt Karlheinz Weigl, »das Risiko steigt.«

Relevante Anbieter

Weber_Johann_Zollner_Elektronik.jpg
Johann Weber, Zollner Elektronik: »Die logistische Verknüpfung von Lieferanten und Kunden hat dafür gesorgt, dass der Rückgang des Marktes wesentlich schneller vonstatten ging als in vorangegangenen Krisen.«

»Der Handel mit elektronischen Bauelementen ist dort nahezu zum Erliegen gekommen«, bestätigt Dietmar Jäger. Vor allem die Förderung von Öl und Gas, der Aufbau der Infrastruktur, die den russischen Markt in den letzten Jahren vorangetrieben hat, verläuft derzeit stark verlangsamt. »Wir sehen, dass die Liquidität einiger Distributoren bereits heute stark beeinträchtigt ist, was auch die weitere Geschäftsentwicklung mit ihnen belasten dürfte.« Rund 20 Prozent hat der Rubel gegenüber dem Euro in den letzen vier Monaten eingebüßt. Deutschland ist für Russland mit einem Anteil von 70 Prozent größter Importeur von elektronischen Produkten. Aber auch die großen Distributionsmärkte Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich lassen Federn - einige wie UK allerdings schon seit Jahren. »DerMarkt in Großbritannien entwickelt sich seit Jahren rückläufig. Die Abschwächung des Pfund Sterling gegenüber dem Euro hat die Situation zusammen mit der Wirtschaftskrise aus unserer Sicht nun noch verschärft«, beobachtet Dietmar Jäger.

Italien, das sich in den letzten Jahren an England und Frankreich vorbei auf Platz 2 in Europa vorarbeiten konnte, verlor im vierten Quartal 2008 knapp 21 Prozent seines Umsatzvolumens. »Weil der Distributionsmarkt in Italien ganz anders strukturiert ist als im Rest Europas, wurde er deutlich härter getroffen. Die Distributoren in Italien bedienen einen großen Teil des OEM-Marktes und sind dadurch gegenüber Schwankungen weitaus empfindlicher. Zudem fehlt die breite Schicht mittelständischer Kunden, wie wir sie aus Deutschland kennen«, analysiert Andreas Mangler. »Betrachtet man ganz Europa, bin ich überzeugt, dass es Deutschland noch am besten geht«, meint Johann Weber. Die Einbrüche in anderen Ländern seien wesentlich kritischer und nachhaltiger.


  1. Hoffnungsträger Osteuropa muss Federn lassen
  2. Logistische Anbindungen lassen den Markt schneller reagieren