Bagger unter Strom

E-Baustellen im Praxistest

12. Januar 2026, 11:30 Uhr | dpa, nwe
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Pilotprojekte zeigen: Vollelektrische Baustellen sind möglich und bieten einige Vorteile für Mensch und Umwelt – sind aber teuer und organisatorisch aufwendig.

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Der Netzbetreiber Netze BW hat in Baden-Württemberg zwei Pilotprojekte umgesetzt, bei denen Baustellen ausschließlich mit elektrischen Maschinen betrieben wurden – vom Lkw bis zur Rüttelplatte. Laut Projektleiterin Nadine Eisinger zeigte sich: Für nahezu jedes Gerät existiert eine elektrische Variante, allerdings ist die Auswahl noch begrenzt.

Ladeinfrastruktur bleibt ein Engpass

Eine der zentralen Herausforderungen ist die Ladeinfrastruktur. Auf einer Testbaustelle wurde ein Kettenbagger zunächst mit einem 11-kW-Anschluss geladen – zu langsam für den Betrieb im Alltag. Erst der Einsatz einer mobilen Schnellladestation verhinderte Produktivitätsverluste. Alternativ kamen auch mobile Akkus zum Einsatz. Allerdings mahnt die Bauindustrie lange Genehmigungszeiten für leistungsfähige Stromanschlüsse an: Zwischen Antrag und Freigabe können bis zu 18 Monate vergehen – deutlich länger als vertraglich geforderte Baustellenstarts.

Vorteile für Gesundheit, Kommunikation und Sicherheit

Für Bauarbeiter bieten elektrische Maschinen spürbare Vorteile: geringere Lärmbelastung und keine Abgase. Laut Netze BW lag der Geräuschpegel des E-Baggers rund 40 Prozent unter dem seines Diesel-Pendants, beim E-Lkw sogar um 99,9 Prozent. Der reduzierte Lärm erleichtert zudem die Kommunikation auf der Baustelle – ein Sicherheitsaspekt.

Hürden: Kosten und Verfügbarkeit

Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit. Ersatzgeräte sind schwer kurzfristig zu beschaffen, Leihgeräte rar. Die Kosten sind ebenfalls deutlich höher: Kleine Maschinen kosten 20 bis 30 Prozent mehr, große Maschinen sogar das Zwei- bis Dreifache. Hinzu kommen Unsicherheiten beim Umgang mit defekten Akkus und fehlende Standards, etwa bei Steckertypen.

Einsatz vor allem in Städten sinnvoll

Besonders in städtischen Gebieten sieht die Branche Potenzial – aufgrund besserer Infrastruktur und größerer Lärmempfindlichkeit. In Oslo ist der Einsatz elektrischer Maschinen auf öffentlichen Baustellen bereits verpflichtend. Für abgelegene Baustellen oder energieintensive Großprojekte wie Autobahnen gelten vollelektrische Lösungen jedoch als ungeeignet.


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