Über 1200 Teilnehmer, 57 Aussteller aus 23 Länder und ein umfangreiches Konferenzprogramm unter Beteiligung zahlreicher OEMs von BMW bis Volvo: Der zwölfte Automotive Ethernet Congress präsentierte sich wieder als großer Branchentreff.
Von einem „magischen Dreieck“ sprach Thomas Königseder (Technica Engineering) in seiner Keynote zum Auftakt des Kongresses Ende März in München. Gemeint ist damit eine Erfolgsformel, die drei unterschiedliche Kräfte in die richtige Balance bringt: wirtschaftliche Aspekte, technologische Entwicklungen und Standardisierungsbemühungen. Unter dem Druck des hohen Entwicklungstempos in China stünde die übrige Automobilindustrie nun vor der Herausforderung, dieses Dreieck neu zu justieren.
Nach Ansicht von Königseder sind dafür zwei Prinzipien ausschlaggebend: Die OEMs sollten sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, und die Automotive Community insgesamt sollte sich stärker fokussieren und nicht in endlosen Debatten über Standards und Technologien verlieren. Speziell für den Automotive-Ethernet-Bereich bedeute das konkret, dass etwa IEEE- oder Autosar-Standards konsequent und aktiv angewendet werden sollten. Auch der Einsatz von Open-Source-Lösungen sei hilfreich, sofern derartige Lösungen nicht nur konsumiert, sondern engagiert mitgestaltet würden.
An neuen Ideen und Lösungsansätzen mangelt es jedenfalls nicht, wie die anschließenden Vorträge zu E/E-Architekturen, Service-Oriented Architecture (SOA) und Security zeigten. Dies gilt insbesondere auch für das Thema optische Datenübertragung, die im Auto bislang noch wenig eingesetzt wird. Gleich 17 in diesem Bereich tätige Unternehmen präsentierten in gemeinsamen Kurzvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion den aktuellen Stand in Sachen Automotive Optical Ethernet Communication. Mit einer klaren Botschaft: Ob Transceiver, Stecker und Kabel, Testsysteme oder Bordnetzfertigung – die notwendige Technik ist erprobt und einsatzbereit. Auch wenn auf der OEM-Seite noch eine gewisse Zurückhaltung zu spüren ist, könnte China wieder einmal für einen beschleunigten Strategiewechsel sorgen. Denn dort ist nach Angabe des chinesischen Zulieferers Hinge der Bandbreitenhunger so groß, dass vermehrt optische Lösungen angefragt werden.
In weiteren Vorträgen ging es beim Automotive Ethernet Congress u.a. um die Themen TSN, Switch Software und Networked Audio. So ist laut Cirrus Logic selbst die in puncto Latenzzeit besonders anspruchsvolle Unterdrückung von Fahrgeräuschen per AVB-Audio möglich. Speziell für Anwendungen in Fahrzeugtüren ist zudem wichtig, dass sich Remote-Control-Protocol-Daten etwa zur Fensterheber-Steuerung und AVB-Audio-Signale über eine gemeinsame Verbindung übertragen lassen. Wie das geht, zeigten Microchip und Marelli nicht nur in einem Vortrag, sondern auch mit einem Demonstrationsmodell in der begleitenden Ausstellung.
Ergänzt wurde das anspruchsvolle Konferenzprogramm durch einen eigenen Trainings-Tag vor dem Kongress. Branchenexperten vermittelten dort wertvolles Praxiswissen zu TSN, SOME/IP und MACsec für eine erfolgreiche Umsetzung von Ethernet-Projekten. Der nächste Automotive Ethernet Congress ist für den 23. bis 25. Februar 2027 geplant.
Für 2026 bedanken wir uns herzlich bei unseren Ausstellern und Partnern.