M2M im lizenzierten Spektrum

Der Kampf um die IoT-Vernetzung

3. Februar 2017, 7:08 Uhr | Heinz Arnold

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

NB-IoT: So ändert sich die Situation

»Dass einige mit den ISM-LPWAN-Anbietern zusammen gearbeitet haben, lag einfach daran, dass es ja damals keine andere Alternative gab«, so Dominikus Hierl. Nun habe sich die Situation aber grundlegend geändert. So beobachtet er jetzt, dass beispielsweise Vodafone sehr wohl auf NB-IoT setze. Besonders den Netzbetreibern, die auf Basis der Infrastruktur von Huawei arbeiten,  dürfte es relativ leicht fallen, NB-IoT-Netze zu realisieren: Dann wäre lediglich ein Software-Upgrade erforderlich, um NB-IoT einführen zu können. Davon etwa könne laut Hierl T-Mobile in den Niederlanden profitieren. Kommen Netzwerkelemente anderer Hersteller zum Einsatz, werde es etwas schwieriger, den Upgrade durchzuführen, dann müssten auch Hardware-Änderungen durchgeführt werden. »Das verzögert die Einführung vielleicht um ein halbes Jahr – entscheidend ist das nicht«, erklärt Hierl. Er ist überzeugt: »Bis Ende 2017 werden alle bedeutenden Netzbetreiber NB-IoT bereits realisiert haben.«

NB-IoT erreicht jetzt Empfindlichkeiten, die es zulassen, auch Geräte im Keller und unter der Erdoberfläche zu erreichen, was dem zellulären NB-IoT-Dienst erlauben würde, in Märkte vorzudringen, die den Telefonnetzbetreibern bisher eben aus technischen und nicht zuletzt auf preislichen Gründen eher verschlossen waren. Das ist dann genau der Markt, in den LoRa und Sigfox über die letzten Jahre erfolgreich vorgeprescht sind.

Jetzt wollen die Telekomfirmen nachziehen, laut Hierl durchaus mit Erfolg: »Dass die Verbindung über NB-IoT jetzt funktioniert, hat Quectel bereits mit Kunden im Live-Betrieb am Beispiel von Wasserzählern zusammen mit einem chinesischen Anwender demonstriert.« Die Energieaufnahme der Geräte habe sich jetzt deutlich reduziert und die Batterielebensdauer erreiche nun zehn Jahre.

Mindestens 15 Jahre Lebensdauer

Dass es relativ lange gedauert hat, den NB-IoT-Standard in der Release 13 der 3GGP zu verabschieden, hat aber auch sein Gutes: »Der Standard wird jetzt sehr stark in Richtung 5G gepflegt, es ist also eine Lebensdauer von über 15 Jahren zu erwarten, genau das fordern die Netzbetreiber«, sagt Hierl. »Über diesen Zeitraum werde 2G voraussichtlich abgeschaltet.« Dass 2G hierzulande sehr kurzfristig verschwindet, damit rechnet Hierl allerdings nicht. Denn auf 2G basierende Systeme sollen ja noch eine längere Zeit laufen, man denke nur an Toll Collect, über das sich alle so gefreut hatten, als es endlich funktionierte.

Andererseits ist die weltweit Reform des Spektrums in vollem Gang. Telestra in Australien hat 2G bereits abgeschaltet, AT&T will 2G demnächst und 3G bis 2020 abschalten. Dann steht nur noch LTE zur Verfügung. Verizon will in den USA ähnlich vorgehen und T-Mobile hat bereits reagiert und 3G auf LTE umgestellt (1700-MHz-Band).

Was ist von NB-IoT weiter zu erwarten? In der Release 14 wird es mit Sicherheit weiter interessante Möglichkeiten geben. Besonders erwähnt Hierl hier Location-Services über LTE. Auf dem GSM-Weltkongress in Barcelona erwartet er sich auf diesem Gebiet viel Neues: »Ich gehe davon aus, dass dort im NB-IoT-Umfeld sehr viel zu sehen sein wird!« Denn bis dahin werden laut Hierl viele Betreiber in der Lage sein, Pilotumgebungen vorzuführen: »Strom-, Gas- und Wasserzähler werden dabei im Zentrum stehen.«

Zudem ist Quectel dabei, ein Modem auf Basis eines Chipsets von Qualcom zu entwickeln, das sich für CAT M1 in Nordamerika, für NB-IoT und auch für 2G und GSM eignet.

Derzeit hat Quectel mit dem BC95 ein kleines NB-IoT-Modul mit den Abmessungen 19,9 mm x 23,2 mm x 2,2 mm im Programm, das sich mit einer Leistungsaufnahme von 15 µW begnügt. Weil es vollständig pin-kompatibel zum GSM/GPRS-Modul M95 ist, steht den Kunden nun ein einfacher Migrationspfad von GSM/GPRS zu NB-IoT zur Verfügung. Den zentralen Chip für das Modul liefert Hisilicon, eine hundertprozentige Tochter von Huawei. Das Modul ist im LCC-Gehäuse verfügbar und genügt damit den Anforderungen, die die Produktion in hohen Stückzahlen stellt.  Das Modul arbeitet an Spannungen zwischen 3,0 und 4 V, die Ausgangsleistung erreicht 23 dBm, die Empfindlichkeit -135 dBm.

Das zeigt: Quectel wird sich im LPWAN-Markt auf die NB-IoT-Technik im lizenzierten Frequenzspektrum konzentrieren, weil das Unternehmen eben überzeugt davon ist, dass sich NB-IoT auf breiter Front durchsetzen wird.

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