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Alexander Wallner, Plusserver

»Wir schließen eine Marktlücke in Deutschland«

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Alexander Wallner, Plusserver: »Wir können die Daten der Kunden in unseren Rechenzentren besser schützen, als diese selbst.«
© Plusserver

Cloud-nativ, DSGVO-konform, Rechenzentren in Deutschland – gegen die Angst um Shopfloor- und Maschinendaten ist ein Kraut gewachsen. Markt & Technik fragt den neuen CEO von Plusserver über die strategische Ausrichtung unter seiner Führung und die Positionierung gegenüber Hyperscalern.

Markt&Technik: Herr Wallner, wie war der Einstieg bei Plusserver?

Alexander Wallner: Spannend! Nach über 20 Jahren in einer US-geprägten Firma [NetApp, Anm. d. Red.] ist es jetzt für mich sehr spannend in eine deutsche Firma einzutauchen, das ist ein komplett anderes Arbeiten.

Zum anderen, und das reizt mich sehr, befindet sich Plusserver in einer wirklich knackigen Business-Transformation. Viele Dinge sind in Bewegung, müssen angepackt werden und brauchen im positivsten Sinne Veränderung – es ist ein spannender und wahnsinnig schneller Start.

Sie sprechen von Business-Transformation und Veränderung für Plusserver, was ist die größte Aufgabe derzeit?

Wir kommen ursprünglich aus dem Hosting, auch mit allen Zukäufen und Fusionen war Hosting immer der Kernfokus. Jetzt baue ich die Firma zu einer nativen Cloud-Company um. Als Hoster ist man Serviceprovider, als Cloud-Company stellen wir ein Produkt her. Das ist ein riesiger Unterschied; in der Entwicklung und im Engineering verändern sich dadurch die Prozesse komplett. Wir sind jetzt eine Technologieprodukt-Firma, das war Plusserver die letzten 22 Jahre nie, das ist der größte Brocken der Transformation.

Wie gehen Ihre Kunden mit dieser grundlegenden Umgestaltung um?

Wir haben ein gesundes, profitables Hosting-Geschäft. Die Kunst ist, die Kunden dort mitzunehmen, wo sie gerade stehen. Viele Kunden sind an uns herangetreten und haben gefragt, wie unsere Cloud-Richtung aussieht, wie wir uns dort hinbewegen. Wir haben aber auch Kunden, die sagen »Ihr seid ein super Hoster und bitte bleibt unser Web-Hoster«, die wollen wir genauso mitnehmen. Diese beiden Welten parallel zu treiben, ist sicherlich eine der wichtigsten Herausforderungen.

Bezüglich der Digitalen Transformation in der Industrie erschließt sich ein großer, neuer Markt. Digitale Transformation heißt für jeden Kunden etwas anderes. Für uns ist es wichtig, dass wir einen Technologie-Stack und eine technologische Plattform bauen, auf der Kunden im Jahr 2021 ihre digitale Transformation vorantreiben können. Mit der Elastizität, mit der Agilität und der Entwicklungsfähigkeit, die individuell gebraucht wird - das ist unser Maßstab.

Sie wollen das Partnernetzwerk ausbauen, mit Bechtle haben Sie direkt einen großen neuen Partner gewonnen – wie kam das?

Mit der Bechtle- und Bechtle-Cloud-Partnerschaft schließen wir eine Marktlücke in Deutschland: Cloud-nativ, DSGVO-konform, mit Rechenzentren in Deutschland. Wir haben ursprünglich gemeinsam eine konkrete Anfrage aus dem öffentlichen Bereich bearbeitet, wo Datenschutz nach DSGVO nicht nur ‚nice to have‘, sondern eine Grundanforderung ist. Wir haben schnell gesehen, wieviel Potenzial diese Zusammenarbeit bietet und gesagt: Das bleibt kein One-off, das wollen wir breit in den Markt tragen, dafür gibt es Bedarf. Bisher gab es keine deutsche Alternative, wie zum Beispiel in Frankreich mit OVH. Wir sind jetzt diese Alternative. Wir haben aus dem Hosting-Bereich eigene, wahnsinnig starke Rechenzentren-Architekturen und haben nun eine Cloud-native-Plattform obendrauf gesetzt.

Wie positionieren Sie plusserver gegenüber Hyperscalern?

Für uns gibt es drei wesentliche Punkte, die für Kunden – gerade im produzierenden Mittelstand – wichtig sind: Zum einen holen wir den Kunden in seiner Legacy ab. Wir holen ihn da ab, wo er heute steht. Ein bißchen schmunzelnd sage ich immer, dass die Hyperscaler jeden Kunden wie Spotify oder Uber behandeln; „Born in the Cloud, existent seit fünf Jahren und ohne Vergangenheit“. Das ist nicht so, da gibt es teilweise 50 Jahre Legacy, Mainframes im Keller mit AS400, alte SAP-Systeme – dort holen wir den Kunden ganzheitlich ab. Es ist halt nicht immer alles schon Cloud-ready. Die Kombination aus Hoster und Cloud-Unternehmen hilft uns, den Kunden auf diese Reise mitnehmen.

Der zweite Unterschied ist, dass wir uns intensiv um Multi-Cloud-Management kümmern, das können wir dem Kunden abnehmen. Die Hyperscaler sind dafür eine elementare Ressource. Es ist nur wichtig a) sensibel bezüglich Datenschutz zu sein und b) zu lernen, die Stärken der Hyperscaler zu spielen. Das Zusammenspiel mehrerer Anbieter muss sauber abgebildet werden; ein AWS oder Microsoft haben kein wirkliches Interesse an Multi-Cloud-Management, da fehlt die Neutralität. Und der dritte Punkt ist ganz simpel: Wir haben die Rechenzentren in Deutschland, wir sind ein deutsches Unternehmen und unsere Plus-Cloud hat eine deutsche IP. Die basiert auf OpenStack und VM Ware dahinter – das heißt, wir können ein rein deutsches Cloud-Architekturnetzwerk verbauen.

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