Das erste intelligente Stromnetz Norddeutschlands – Neudeutsch Smart Grid – ist in Betrieb. Die Insel Pellworm verfügt jetzt über eine vollständig regenerative Stromversorgung, die sich per IKT mit den Stromkunden und einer Speicherbatterie abgleicht.
Die Stromversorgung der 370 Haushalte übernimmt ein Hybridkraftwerk der E.ON Hanse AG, bestehend aus einer 300 kW Windenergieanlage und einer 771 kW PV-Anlage. Zwei regelbare Ortsnetztransformatoren (RONT) regeln die Spannung des Inselnetzes so, dass es immer konstant auf 400 V gehalten wird. Die RONT sind selbstregulierend und bedürfen keiner manuellen Steuerung. Zwei Batteriespeichersysteme sichern das Inselnetz gegen Flaute und Regenwetter: eine Redox-Flox-Batterie fungiert als Langzeitspeicher. Die 200 kW Leistung und 1.600 kWh Speicherkapazität erzielt sie elektrochemisch (Reduktion/ Ladung und Oxidation/Entladung). Für einen vollständigen Ladezyklus benötigt sie acht Stunden. Mit nur einer Stunde Ladezeit fungiert der Lithium-Ionen Speicher der Firma Saft Batterien als Kurzzeitspeicher. In einen Container sind viele Lithium-Ionen-Zellen zu einer großen Einheit zusammengefasst und bieten bei einer Ladeleistung von 0,56 MW und einer Entladeleistung von 1,1 MW eine Speicherkapazität von 560 kWh.
Die 1 MVA-Leistungselektronik der Firma Gustav Klein GmbH & Co. KG ist die Schnittstelle zwischen Batterie und Netz. Sie wandelt den Netz-Wechselstrom in Batterie-Gleichstrom um und bei der Batterieentladung Gleichstrom in Wechselstrom und generiert beim Entladen netzstabilisierende Blindleistung.
E.ON und die Schleswig-Holstein Netz AG haben die Datenanbindung der Kunden an die Wind- und Solaranlagen und den Bau des Stromspeichers realisiert. Ministerpräsident Torsten Albig würdigte bei der Einweihung das Projekt: »Schleswig-Holstein schaut heute nach Pellworm: Hier wird dezentrale Stromgewinnung mit innovativer Speichertechnik und gutem Netz-Management verknüpft. Der Strom wird selbst gewonnen, vor Ort in Hochleistungsbatterien gespeichert und dann verteilt. Die SmartRegion Pellworm verbindet außerdem auf innovative Weise die Bereiche Wirtschaft, Forschungsinstitute, die Hochschulen unseres Landes und die Politik«.
Dr. Leonhard Birnbaum, im Vorstand der E.ON SE unter anderem für Technologie & Innovation verantwortlich, betont: »Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland übersteigt das Angebot bei starkem Wind oder hoher Sonneneinstrahlung immer häufiger und in immer größerem Umfang den Strombedarf. Damit kommt das Stromnetz auch immer stärker an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Daher investiert E.ON schon heute in die Entwicklung intelligenter Netze und Techniken zur Speicherung großer Energiemengen. Wir müssen hier noch viele Erfahrungen sammeln und lernen. Die SmartRegion Pellworm zeigt sehr anschaulich, wie vielversprechende Lösungen für das Energieversorgungssystem der Zukunft aussehen können.«
Den Vorbildcharakter des Projektes unterstrich auch Matthias Boxberger, Vorstand der Schleswig-Holstein Netz AG: »Dieses Projekt bietet eine hervorragende Gelegenheit, Innovationskraft sowie Kompetenz bei Netz- und Speichertechnologie in Schleswig-Holstein deutlich voranzubringen. Wir wollen Stromerzeugung und -verbrauch so koppeln, dass das Energiesystem besser genutzt wird und dadurch leistungsfähig sowie bezahlbar bleibt. Je erfolgreicher dieses Projekt ist, desto mehr Energie kann vor Ort verwertet werden und desto weniger abhängig ist man von großräumigen Energietransporten. So gesehen untersuchen wir auf Pellworm die gesamte Bandbreite der energietechnischen Perspektiven für Schleswig-Holstein.