Engelbert Hopf, Markt&Technik, sprach Ende März mit Karsten Bier, Recom Gruppe, Bernhard Erdl, Puls-Gruppe, Hermann Püthe, inpotron Schaltnetzteile, und Martin Tenhumberg, Traco Power, über aktuelle Entwicklungen und Trends in der Stromversorgungsbranche der DACH-Region.
Seit Oktober, November letzten Jahres hatten die Aufträge der Stromversorgungshersteller wieder spürbar angezogen. Das setzte sich auch zu Jahresbeginn 2026 fort, »wenn jetzt auch noch der März gut wird, können wir ein gutes Jahr erwarten«, so die Einschätzung der Diskussionsteilnehmer. Entsprechend positiv fielen ihre Wachstumserwartungen für 2026 aus. Doch der Beginn des inzwischen über zwei Monate andauernden Irankrieges könnte diese positiven Erwartungen für 2026 noch spürbar eintrüben.
Dass das Destocking der Kunden so lange angedauert hat, kann man wohl kaum der abgewählten Ampelregierung anlasten, doch die Zufriedenheit der Unternehmen mit dem, was sich seit dem Regierungsstart der schwarz roten Koalition vor einem Jahr an den Rahmenbedingungen am Standort Deutschland verändert hat, hält sich, um es milde auszudrücken, in Grenzen. Es wurde zu viel in zu kurzer Zeit erwartet, so das Fazit der Diskussionsteilnehmer. Bleibt zu hoffen, dass die Reformen nun in diesem Jahr umgesetzt werden, und vor allem der Bürokratismus zurechtgestutzt wird.
Trumps Importzölle scheint die Branche ganz gut überstanden zu haben, »Made in Germany« hat speziell auch im Stromversorgungsbereich in den USA immer noch einen guten Namen, speziell wenn es um anspruchsvolle Anwendungen geht. Auch mit dem »New Rising Star« der Elektronikbranche, der Wehrtechnik, setzt sich die Branche intensiv auseinander. Einige haben bisher schon sporadisch und projektbezogen in diesen Anwendungsbereich geliefert, jetzt will man dieses Geschäftsfeld weiter ausbauen, unter anderem auch mit europäischem Bezug.
Beim Thema Verfügbarkeit kritischer Bauteile herrschte zum Zeitpunkt des Forums noch relative Normalität, »wir bekommen derzeit noch alles, was wir benötigen« so die Kernaussage. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Lieferzeiten länger werden, bislang nur ein paar Wochen, aber der Trend scheint eindeutig zu sein. Und auch wenn die deutschen und europäischen Stromversorgungsspezialisten kaum vom Bauboom der KI-Server-Zentren profitieren, beschäftigt sie doch die Frage, ob der KI- Boom in Kombination mit weiteren Stresstests der Supply-Chain, etwa durch die Auswirkungen des Irankrieges zu einem Versorgungsproblem für sie werden könnte.
Es sei überraschend gewesen, wie schnell die amerikanischen Kunden das Thema Schutzzölle und die damit verbundenen Mehrkosten akzeptiert hätten, so die Diskussionsteilnehmer. Zwar sei das Handling für die Niederlassungen und Handelspartner in den USA ein bürokratisches Nightmare, aber »Non China« sei ein größeres Thema als die Zölle. Eine Einstellung die den europäischen Power-Spezialisten in den USA 2025 Umsatzzuwächse bescherte. Das irgendjemand aufgrund von Trumps Schutzzöllen beginnt in den USA eine Stromversorgungsfertigung aufzubauen, glaubt keiner der Diskutanten. Speziell im Bereich Drohnen und autonome Systeme, so die Erfahrung der Teilnehmer, lassen sich Stromversorgungsanfragen aus dem Militärbereich auch gut mit industriellen Stromversorgungslösungen bedienen, vielleicht mit verschärften Anforderungen im EMV-Bereich. KI nutzen die Diskussionsteilnehmer neben dem Wissensmanagement und für textbasierte Arbeiten auch im Bereich der Entwicklung, dort aber bislang vor allem für Recherchearbeiten, »ein Leiterplatten- Layout haben wir damit bislang noch nicht gemacht«. Allerdings haben sie auch schon die Schattenseite des KI-Booms kennengelernt: KI-basierte Cyber Attacken.