Recycling von EV-Autobatterien

»Sieben oder acht große Recycling-Anlagen wären notwendig«

9. Juni 2023, 15:00 Uhr | Engelbert Hopf
WEKA Fachmedien
© Componeers GmbH

Es wird wohl noch ein Jahrzehnt dauern, bis in Europa im großen Maßstab EV-Batterien ins Recycling gehen. Für Sebastian Oster, Senior Consultant E-Mobility bei P3 Automotive, genügend Zeit, bis dahin europaweit sechs oder sieben Recycling-Fabriken zu errichten, um Europa unabhängiger zu machen.

Diesen Artikel anhören

Markt&Technik: Der Bedarf an Lithium, Nickel und Kobalt, um nur die wichtigsten Rohmaterialien zu nennen, wird für die geplante EV-Batterie-Produktion in Europa enorm sein. Sie müssen großteils importiert werden. Wie hoch ist Europas Abhängigkeitsgrad?

Sebastian Oster: Er ist sehr hoch. Betrachtet man die Sache optimistisch, dann wäre Europa wohl in der Lage, dank entsprechender Minen in Finnland seinen Nickelbedarf für EV-Batterien etwa zu einem Fünftel selbst zu decken. Für Kobalt hingegen gibt es in Europa keine nennenswerten Mining-Kapazitäten. Beim Thema Lithium gäbe es etwa in Deutschland Möglichkeiten im Oberrheingraben, aber auch im Erzgebirge, vor allem aber in Serbien und in Finnland. Auch hier gilt: Wenn man es sehr optimistisch betrachtet, könnte Europa wahrscheinlich ein Siebtel bis ein Sechstel seines Lithium-Bedarfs aus eigenen Vorkommen decken, mit entsprechend hohen Aufwendungen zur Erschließung dieser Vorkommen. Es liegt darum auch an der EU, die notwendigen Verfahren zu vereinfachen, um entsprechende Vorkommen auch zeitnah nutzen zu können.

Können Sie einen Eindruck davon geben, um wie viel sich der Bedarf an Basismaterialien wie Lithium in Europa, sagen wir: bis 2030, vervielfachen wird?

Nur für den Batteriebereich würde ich bei Nickel einen Faktor von 6 bis 7 ansetzen. Im Fall von Lithium bewegen wir uns ebenfalls bei einem Faktor zwischen 6 und 7. Bei Kobalt würde ich aktuell von einer Vervielfachung um den Faktor 3 bis 4 ausgehen.
Normalerweise sinken mit steigendem Bedarf und Produktion die Preise. Das scheint hier nicht der Fall zu sein.

Das Problem hier lässt sich mit Disconnect beschreiben. Wenn in Europa Fabriken für EV-Batterien errichtet werden, dann lässt sich das in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren realisieren. Die Erhöhung der Förderung in bereits erschlossenen Minen ist in gewissem Maße möglich. Wenn wir über neue Minen sprechen, deren lokale Geologie noch nicht erschlossen ist, dann würde ich dafür einen Zeitraum von sieben bis zehn Jahren ansetzen. Momentan werden also die niedrig hängenden Früchte geerntet.

Steigt der Bedarf, heißt das also nicht unbedingt, dass die Produktion dafür im gleichen Maße steigen könnte. Insbesondere für Lithium ist das der Fall, da der Bedarf unfassbar konsolidiert ist, und schon jetzt weit mehr als 50 Prozent der globalen Förderung für Batterien verwendet wird. Es gibt andere Nutzen für das Metall im Bereich der pharmazeutischen Industrie und der Schmiermittelbranche, aber im Vergleich war das lange Zeit für Europa wirtschaftlich wenig relevant; das ändert sich nun Schritt für Schritt.

Wie sieht es im Fall von Nickel aus?

Nickel hingegen ist ein Industriemetall mit zahlreichen erschlossenen Minen, einem entwickelten Markt, und es ist trotz signifikantem Bedarf eher eine Frage der Rohstoffqualität und damit verbunden benötigter Prozessierung. Außerdem gibt es mit LFP-Kathoden verfügbare, kommerzialisierte Substitute für die Batterie. Um es noch einmal klar zu sagen: Lithium ist keine Commodity, da es keinen Standard für die Materialqualität gibt und es technisch qualifiziert werden muss, um seinen Weg in die Batterie zu finden. Daher ist es eher üblich, langfristige Verträge abzuschließen.

Rechnen Sie damit, dass Themen wie eine bestimmte Recycling-Quote in Europa gesetzlich geregelt werden könnten?

Der Staat hat hierzu in der Vergangenheit bereits ein Gesetz erlassen, das war 2006 das Batteriegesetz, das erst vor Kurzem novelliert wurde. Es sieht beispielsweise vor, dass bis 2030 ein Recyclinggrad von 16 Prozent bei Kobalt erreicht werden soll. Wenn Sie einwenden, das sei zu niedrig, wird man damit argumentieren, dass man es hier noch mit einer dynamisch wachsenden Industrie zu tun hat und die Quoten entsprechend der Entwicklung noch weiter angepasst werden müssen.

Es gibt verschiedene Methoden, Rohmaterialien aus Batterien zu recyclen. Welche wäre nach Ihrer Einschätzung die effektivste? Welche wäre die kostengünstigste?

Es gibt unterschiedliche Wege, die sich durch die gewählten Verfahren und Kosten unterscheiden. Im Wesentlichen unterscheiden Sie zwischen der Vorbehandlung und der Hydrometallurgie. Die meisten, nicht asiatischen Recycler kommen aus dem »Non-ferrous Metal Recycling« wie etwa Umicore oder Nickelhütte Aue. Dieser Prozess ist etabliert und basiert auf einem reduktiven Schmelzen innerhalb der Vorbehandlung. Dieser Prozess kann hauptsächlich verwendet werden, um Nickel und Cobalt zu recyclen; bei Lithium gibt es gewisse Probleme mit dem Recycling. Aufgrund des geringen Redox-Potenzials landet es in der Schlacke-Phase und muss aufwendig zurückgewonnen werden. Daher wird mehr und mehr mechanisch recycelt.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

  1. »Sieben oder acht große Recycling-Anlagen wären notwendig«
  2. Fördergelder für Recycling-Anlagen?


Lesen Sie mehr zum Thema


Das könnte Sie auch interessieren

EU-Kommission, Batterie, Umwelt, nachhaltig

Batterie-Recycling

Hohe Investitionen, die sich aber lohnen

Li-Cycle Recycling Batterien

Wiederverwertung von Batterien

Recyclingfabrik für bis zu 30.000 Tonnen Batterien startet

EA-Elektro Automatik

EA Elektro-Automatik

Schnell, effizient, leistungsstark

RareStock/Stock.Adobe.com

Kritik des Europäischen Rechnungshofs

Ist Europas Batterie-Strategie zum Scheitern verurteilt?

Ansmann

Eco-Produktdesigns für Batterieanwendung

Einfach anfangen!

Firmengebäude von GS Yuasa.

Honda und GS Yuasa

Joint Venture steht in den Startlöchern

Querschnitt einer Feststoffbatterie.

Feststoffbatterien sicher testen

Weisstechnik modifiziert Prüflösungen für neue Energieträger

EU-Kommission, Batterie, Umwelt, nachhaltig

Batteriezellen-Hersteller ACC

Werk in Nordfrankreich wird eröffnet

Ultra-Hochenergie-Packs von BorgWarner für E-Busse.

Auftrag von globalem Hersteller

BorgWarner liefert Ultra-Hochenergie-Batteriepacks für E-Busse

Stora Enso Lignin Batterien

Sustainability im Batteriemarkt

Lieferkette für holzbasierte Batterien soll nachhaltiger werden

60-Volt-Batteriemodul von ElringKlinger.

Großserienauftrag von BMW

ElringKlinger liefert Zellkontaktiersysteme für die »Neue Klasse«

Bild 1. Die Abbildung des Y-Lock V4 zeigt die innovativen Features »Koshiri-Schutz« der FPC-Kontakte (durch die beiden Stiffener A und B) sowie die Connector Position Assurance (CPA).

Board-to-Cable-Stecker von Yamaichi

Y-Lock für e-Mobility, Batterie- und Zellkontaktiersysteme

Natrium-Ionen-Batterien

China baut Fertigungskapazitäten aus

Natrium-Ionen-Batterie vor dem Durchbruch?

Der Fisker Ocean.

Partnerschaft mit Ample

Fisker Ocean mit Batteriewechselsystem ab 2024

Stabl Energy Energiespeicher

Smarte Energiespeicherlösung

E-Auto-Batterien bekommen ein zweites Leben

E-Fahrzeug der Hyundai Motor Group.

Hyundai Motor Group und SK On

Joint Venture zur Batterieproduktion in den USA

Die Siro-Batterie-Modul- und Packproduktion im türkischen Gemlik.

Farasis Energy und Togg

Joint Venture Siro startet Batterieproduktion in der Türkei

Gruppenbild

Volkswagen

Gigafabrik in Kanada soll größte Zellfabrik werden

Jackery Solargenerator

Mobile Stromversorgung

Leichter, umweltfreundlicher Kraftprotz im Trolleyformat

Branchenindex Batterien

Marktentwicklung bei Batterien und Akkus

Keine Rückkehr zum Vor-Covid-Preisniveau

Jürgen Lösel/Fraunhofer FEP

Effizientere Elektroden für Lithium-Ion

Ressourcenschonend und effizient

Pettinger_Prof.Karl-Heinz

Entwicklung mobiler Speichertechnologie

»Das Zauberwort lautet Qualitätsstabilisierung«!

Nischaporn/stock.adobe.com

Besser verfügbar, aber teuer

Lithium-Ionen-Zellen sind raus aus der Allokation

Das innovative Leichtbau-Batteriegehäuse.

EDAG und Mitsubishi Chemical

Leichtbau-Batteriegehäuse für E-Fahrzeuge

Graphenano

Graphenano und ICMol

Metallfreie Batteriezelle

Keine thermische Ausbreitung: Hochenergie-Pouch-Zellen von Farasis.

Elektromobilität

Sichere Hochenergie-Pouch-Zellen von Farasis

SLAC, Lithium, Batteries

Lithium-Ionen-Batterien

Mehr Salz als Flammschutz

Dr. Peter Podesser, CEO von SFC Energy

SFC Energy

16-Mio.-Euro-Großauftrag aus Indien

David Jerez Roman, Beckman Institute, UIUC

University of Illinois Urbana-Champaign

Leistungsstarke Mikrobatterien

„Die Lithium-Ionen-Energiespeichersysteme von INTILION haben eine Speicherkapazität von 70 kWh bis 100 MWh. Hier das Großspeichersystem scalecube“

Ersatzstromfähige Batteriespeicher

Keine Angst vor Brownouts oder Blackouts

PEM RWTH Aachen Leitfaden Batterie

Lithium-Ionen- und Festkörperbatterien

Lehrstuhl PEM veröffentlicht neue Produktionsleitfäden

Varta Batterien Forschung

Varta-Forschung

Mit KI Lebensdauer von Batteriespeichern erhöhen

Evonik SuperC Investition

Leistungsschub für die Elektromobilität

Evonik investiert in Batterieexperten SuperC

CSEM Battery Innovation Hub

Wettlauf um die Batterie der Zukunft

Schweiz bekommt neuen Battery Innovation Hub

Ein Werk zur Lithiumgewinnung in Argentinien zu sehen.

Die Top 9

Die Länder mit den größten Lithium-Vorkommen

Tesvolt Gigafactory Energiespeicher

Investition von rund 60 Millionen Euro

Tesvolt baut neue Gigafactory für Batteriespeicher in Wittenberg

Uni Bayreuth Batterie-Recycling

Reparieren statt Wegwerfen

Forscher ermöglichen die Refabrikation von Batteriesystemen

Klebestreifen

Lithium-Ionen-Batterien

Klebestreifen tragen zur Selbstentladung bei

Solid Power, Batteries, Solid-State, Lithium

BMW setzt auf Festkörperbatterien

BMW und Solid Power vertiefen Partnerschaft

Joint-Venture

GS YUASA/Honda

Joint-Venture für Li-Batterien

NIO Power Swap Station

Wechselstationen für Batterien

Kann das funktionieren?

Sodium Ion Batteries

Natrium-Ionen-Batterien

Effiziente Anoden aus Chinacridonen

Varta beabsichtigt, in die Produktion von Li-Ionen-Batterien von Elektrofahrzeugen einzusteigen.

Varta baut Vorstand um

Thomas Obendrauf wird Finanzvorstand

Die Brennstoffzellen vom Typ »EFOY Pro 12000 Duo«

SFC Energy und AXSOL

Brennstoffzellen für mobile Fahrzeughallen

WEKA Fachmedien

Battery&Power World 2023 in München

Batterie- und Stromversorgungs-Kontakte

Dekra Elektromobilität

Elektroauto und Pedelec im Winter

Kälte knabbert an der Reichweite

ADS-Tec Energy

Energieplattform mit Batteriespeicher

Ultra-Schnellladesystem mit bis zu 300 kW Ladeleistung

Universität Bayreuth, Sivaraj Pazhaniswamy, Seema Agarwal , Batteries, Lithium

Universität Bayreuth

7 µm dünner Festelektrolyt entwickelt

Britishvolt, Batteries, Lithium

Batteriefertigung in Europa

Britishvolt steht wohl zum Verkauf

CATL, Batteries, Battery, Lithium

Batterie-Gigafactory

CATL startet Zellproduktion in Thüringen