Batterie&Akku-Forum der Markt&Technik

Branche stellt sich auf steigende Preise bei Lithium-Ionen-Akkus ein

8. Mai 2026, 08:07 Uhr | Engelbert Hopf
Lithiu-Ionen-Akku im Auto
© Fahroni/stock.adobe.com

Preistreiber im Lithium-Ionen-Markt sind nicht nur die allgemein gestiegenen Energie- und Transportkosten, sondern vor allem die geänderte Subventionspolitik der chinesischen Regierung. Wie deutsche Branchenexperten die neue Situation einschätzen.

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Wenn eines in den letzten Jahren in der Batterie- und Akku-Branche sicher war, dann die Tatsache, dass die Preise für Lithium-Produkte eigentlich immer sanken, wenn man nicht unbedingt ein Premium-Produkt eines japanischen oder koreanischen Herstellers benötigte. Das könnte sich in Zukunft ändern, und zwar nicht nur wegen der allgemeinen durch den Irankrieg verursachten Preissteigerungen im Logistik- und Supply-Chain-Bereich, sondern weil die chinesische Regierung offenbar begonnen hat, ihre Subventionspolitik zu verändern.

Seit dem 1. April hat die chinesische Regierung die Mehrwertsteuer-Exportrabatte (VAT Export Rebate) für Batterieprodukte von 9 auf 6 Prozent reduziert. Zum 1. Januar 2027 wird er vollständig aufgehoben. Die VAT Export Rebate waren ein Förderwerkzeug, um das Wachstum der heimischen Batteriebranche zu unterstützen und die globale Marktpräsenz chinesischer Batteriehersteller auszubauen. In der Folge führten in den letzten Jahren hohe Produktionskapazitäten und ein anhaltend starker Preisdruck jedoch zu strukturellen Herausforderungen: Überkapazitäten, zunehmender Wettbewerbsdruck und handelspolitische Spannungen mit internationalen Partnern.

Chinas Führung scheint deshalb umzusteuern: weniger Bedarf an volumenorientierter Exportsubvention, stattdessen die Förderung technologischen Fortschritts sowie eine nachhaltigere Industrieentwicklung. »Das bedeutet, alles, was China seit dem 1. April verlässt, ist teurer und treibt in Kombination mit den Kosten, die der Irankrieg in den Logistik- und Lieferketten verursacht, die Preise für uns weiter nach oben«, stellt Ralf Isermeyer, Gründer und CEO der VRI Batterie-Technik auf dem diesjährigen Batterie&Akku-Forum der Markt&Technik nüchtern fest.

Ralf Isermeyser von VRI Batterie-Technik

Ralf Isermeyer, VRI Batterie-Technik: »Durch die Reduzierung der VAT Export Rebate in China verteuern sich die Preise für alle Zellen, die China seit dem 1. April verlassen. In der Kombination mit den Kosten, die der Irankrieg in den Logistik- und Lieferketten verursacht, treibt das die Preise nach oben.«

© Componeers GmbH

Dass sich die Kunden wohl auf steigende Preise einstellen müssen, macht auch Josef Pfeil, Vertriebsleiter der Dynamis Batterien, deutlich: »Wir haben in den letzten 12 Monaten einen deutlichen Preisanstieg bei Rohstoffen wie Kupfer, Aluminium, Lithium und Kobalt, das müssen wir früher oder später weitergeben.« Es seien also nicht nur die petrochemischen Produkte, die die Batterien verteuern. Wie real dieses Szenario ist, macht der Hinweis von Slobodan Obradovic, Head of Sales Industrial Solutions bei Ansmann, deutlich, der auf dem Forum darauf hinwies, »dass wir erst vor wenigen Tagen Preiserhöhungen aus China zwischen 8 und 10 Prozent bekommen haben«.

Dass vor diesem Hintergrund wohl spätestens zum Jahresende oder Anfang 2027 mit mindestens 9 Prozent Preiserhöhung im Vergleich zum März dieses Jahres zu rechnen sei, steht für Erik Rothe, Vertriebsleiter bei GS Yuasa, außer Frage. Unklar ist für ihn aber, ob diese Maßnahme nur eine erste Indikation einer Veränderung in China ist, »oder ob sich die chinesische Förderpolitik prinzipiell verändern wird, denn das dürfte dann noch deutlich stärkere Auswirkungen haben«.

Ähnlich sieht das Volker Schumann, Vice President Battery Division bei Toshiba Electronics Europe: »Die Frage wird sein: Sind die chinesischen Hersteller weiter bereit, Teuerungseffekte komplett zu schlucken und aufzufangen?«. Betrachtet man die Anwendungsbereiche, dann dürfte die Produktion für den chinesischen E-Mobility-Bereich der dominierende Anteil sein. »Da der Absatz in diesem Bereich zuletzt deutlich rückläufig war, ist davon auszugehen, dass weiterhin deutlich Überkapazitäten bestehen und entsprechender Preisdruck ausgeübt wird.« In welche Richtung sich die Situation in China in den nächsten Monaten entwickeln wird, ist für Schumann deshalb noch nicht eindeutig.

Eindeutig ist hingegen, dass allen Wunder-Akkus und neuen Zellformaten zum Trotz, die Weiterentwicklung im Bereich 18650 und 21700 anhält, und zwar sowohl im klassischen Lithium-Ionen-Bereich als auch bei den Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen. Totgesagte leben länger. Des Rätsels Lösung: Tabless-Designs. Durch die Anbindung des gesamten horizontalen Kantenbereichs der Elektrode an die Kontaktierung des Batteriedeckels erlaubt dieses Verfahren die Herstellung zylindrischer Zellen mit höherem Energiegehalt.

Laut Isermeyer sind inzwischen 21700er-Zellen mit einer Speicherkapazität von 6500 mAh bei einigen Herstellern serienreif geworden. »Vor zwei Jahren war das noch nicht denkbar, da waren wir gerade mal bei 5300 mAh«, blickt Isermeyer zurück. In 18650-Zellen, schätzt Pfeil, »dürfte eine Steigerung der Speicherkapazität um 10 Prozent absolut realistisch sein«. Bislang kommen Zellen im Tabless-Design von LG und Samsung, auch der chinesische Hersteller EVE führt entsprechende Produkte im Programm.

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