Verhaltene Erwartungen für 2024...

LiFePO4 boomt, Natrium-Ionen-Akku ein Zukunftsversprechen

26. November 2023, 14:30 Uhr | Engelbert Hopf
WEKA Fachmedien
© Componeers GmbH

Lieferzeiten auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit, aber deutlich höhere Preise, das ist die aktuelle Situation auf dem deutschsprachigen Batterie- und Akku-Markt. Auf diesem gewinnen Rundzellen im 21700er-Format zunehmend an Bedeutung, vor allem im Zusammenhang mit Lithium-Eisenphosphat.

Diesen Artikel anhören

Bei manchen Technologien oder Zellentypen sind inzwischen selbst Kontingente wieder ab Lager lieferbar«, beschreibt Marc Eichhorn, Technology Segment Specialist Energy Storage bei Avnet Abacus, die aktuelle Versorgungslage auf dem deutschsprachigen Batterie- und Akku-Markt. »Bei einzelnen Zelltypen ist die Verfügbarkeit aktuell sogar sehr gut, allerdings handelt es sich dabei um eine Momentaufnahme; die weitere Entwicklung ist aktuell schwer zu prognostizieren.«

Ähnlich sehen die Erfahrungen von Thilo Hack, Vorstand bei Ansmann, aus: »Die Konjunktur in China ist rückläufig, die Lieferzeiten für Zellen sind vor diesem Hintergrund wieder auf einem Stand, der mit 2019 vergleichbar ist. So ist es inzwischen auch wieder möglich, plötzlich entstehende höhere Bedarfe ohne großen Aufwand und langfristigen Forecast zu beschaffen.« Als deutlich höher als zu Vor-Corona-Zeiten würde er die Verfügbarkeit zwar nicht bezeichnen, »aber es gibt durchaus einige Zelltypen, für die das zutrifft«.

Verfügbarkeiten verbessern sich

Gegenüber der Situation im ersten Halbjahr dieses Jahres scheint sich damit die Verfügbarkeit am Markt noch einmal verbessert zu haben. In einer damaligen Marktbefragung (siehe Markt&Technik 15/2023) war von teilweise halbierten Lieferfristen im Vergleich zu 2022 die Rede. Die Besserung bestätigt auch Tino Gehrmann, Senior Technical Product Manager Power & Energy bei Hy-Line: »Die Verfügbarkeit ist inzwischen wieder durchaus vergleichbar mit der Vor-Corona-Zeit.« Ähnlich sieht das Josef Pfeil, Vertriebsleiter Dynamis Batterien: »Die meisten Zellen lassen sich heute auf ähnlich gutem Niveau beschaffen wie 2019, lediglich die Preise sind heute höher als 2019.«

Leuthner Benno
Benno Leuthner, CustomCells: »Natrium-Ionen-Batterien sind unter anderem für stationäre Anwendungen sehr interessant; ihr Markteintritt könnte in den nächsten zwei bis drei Jahren erfolgen.«
© CustomCells

»Fast alle Zellen unserer Hersteller sind mittlerweile wieder gut verfügbar«, versichert auch Sven Krüger, Geschäftsführer von Actron Power. »Natürlich können die Lieferzeiten dabei je nach Hersteller und Technologie geringfügig variieren.« Aus seiner Sicht ein Effekt der geringen Nachfrage nach Batterien auf dem chinesischen Inlandsmarkt: »Viele chinesische Zellenhersteller bieten inzwischen proaktiv ihre Produkte an.« Pauschal möchte Werner Suter, Managing Director der Tefag Elektronik, nicht von normalisierten Lieferzeiten sprechen: »Beliebte Zellentypen oder Nischen-Zellen sind nach wie vor schwierig zu bekommen.«

Preiskampf bei Elektrofahrzeugen

Dass sich etwas am Markt verändert hat, das zeigt aber speziell auch der chinesische Markt für E-Mobility-Batterien. »Der jüngste Preiskampf bei Elektrofahrzeugen war auch darauf zurückzuführen, dass ein Großteil der Speicher günstiger zugekauft werden konnte, wofür auch die schwache Konjunktur in China verantwortlich ist«, meint etwa Benno Leuthner, President Project Business bei Custom Cells. »Preisbestimmend waren in der Vergangenheit ja oft die knappen Ressourcen der Zellhersteller, das dreht sich momentan und ist über die Rabatte der Autohersteller bereits sichtbar.«

Schumann Volker
Volker Schumann, Toshiba Electronics: »Aufgrund der Marktschwankungen hatten viele Kunden 2022 Sicherheitslager angelegt, die dann vor allem in der ersten Hälfte 2023 wieder abgebaut wurden.«
© Toshiba Electronics

Auch wenn sich die Situation bei den Lieferzeiten inzwischen noch weiter verbessert hat, preislich tut sich offenbar nach wie vor wenig. Offenbar ist die Entwicklung des Batteriemarktes immer noch stark von der Entwicklung der Rohstoffmärkte geprägt. Die Preise etwa für Lithiumkarbonat sind nach Angaben von Volker Schumann, Vice President der Battery Division bei Toshiba Electronics, seit Ende 2022 wieder stark gefallen, »das hat die Kostensituation etwas entspannt, auch wenn der Lithiumpreis heute immer noch um den Faktor 3 höher ist als Anfang 2021 und die starke Inflation alle anderen Kostenfaktoren treibt«.

Die aktuelle Stimmung in der Batterie-Branche

Trotz der aus Sicht der Anwender eigentlich positiven Entwicklung der letzten Monate hat sich die Stimmung in der deutschsprachigen Batteriebranche seit Beginn des Jahres deutlich eingetrübt. Das zeigt auch das von dieser Zeitung seit über zehn Jahren ermittelte Stimmungsbarometer des deutschsprachigen Batterie- und Akkumarktes. Der Einbruch im ersten Halbjahr war massiv. Waren die Branchenexperten zu Beginn des Jahres noch positiv gestimmt, was sich in einem Index-Wert von 1,7 manifestierte, korrigierten sie diese Einschätzung nun im Rückblick – der Indexwert halbiert sich und liegt nun bei 0,75. Für das zweite Halbjahr liegt der Indexwert aktuell bei 1,25 (statt 2), und für das erste Halbjahr 2024 ist der Wert mit 1,63 nur geringfügig besser.

Verantwortlich für den Stimmungseinbruch im ersten Halbjahr 2023 dürfte unter anderem die Tatsache sein, dass die Kunden Lager aufgebaut hatten und angesichts der sich eintrübenden Konjunkturlage begannen, diese Lager abzubauen. Branchenkenner verweisen zudem darauf, dass etwa die Hersteller von Elektrorollern und E-Scootern »bestellt haben, als wenn es kein Morgen gäbe«; in den letzten Monaten häuften sich dann die Insolvenzen in diesem Bereich, und die Zahl der Neuaufträge ging deutlich zurück.

Krüger Sven
Sven Krüger, Actron Power: »Am überraschendsten war für uns in diesem Jahr, dass wir von unseren Kunden inzwischen immer mehr Anfragen zu den Themen Recycling und Nachhaltigkeit bekommen.«
© Componeers GmbH

Für eine gewisse Verunsicherung am Markt haben nach Einschätzung von Suter auch die neuen Batterieverordnungen der EU gesorgt. «In den Entwicklungsabteilungen sind da Fragen aufgetaucht», so der Schweizer Batterie-Manager. »Im Prinzip geht es dabei um den Fakt, dass in Zukunft jeder Akku auch vom Endkunden, also dem Anwender,gewechselt werden kann und nicht mehr unbedingt von der Serviceabteilung einer Firma.« Ähnlich sieht das Schumann: »Einige Punkte der EU-Verordnung müssen nun noch durch Sekundärrecht geklärt werden«, meint Schumann zu diesem Thema. »Trotzdem sind die Eckpfeiler für den europäischen Batteriemarkt nun klar und alle Akteure können sich entsprechend vorbereiten.«

In letzter Konsequenz würden die EU-Vorgaben ein neues Akku-Design erfordern, das auch eventuelle Unachtsamkeiten, etwa einen äußeren Kurzschluss, berücksichtigt. Apple, so Suter, hat sich bereits gegen diese Vorschrift gewehrt, »weil dies bei modernen Mobiles gar nicht möglich ist». Konkret müssten dafür in Zukunft etwa Lithium-Polymer-Pouchzellen in einem Kunststoffgehäuse untergebracht werden. »Vor diesem Hintergrund», so Suter, »sind Entwickler zurzeit sehr verunsichert, welche Vorstellungen sich nun letztendlich durchsetzen werden«.

Pfeil Josef
Josef Pfeil, Dynamis Batterien: »Die meisten Zellen, die wir benötigen, können wir heute auf ähnlich gutem Niveau wie 2019 beschaffen, nur ist der Preis leider höher als 2019.«
© Componeers GmbH

Völlig klar ist dagegen ein anderer Trend. Nachdem Rundzellen der Baugröße 21700 inzwischen seit mehr als zehn Jahren am Markt sein dürften, gewinnen sie nun wirklich an Marktbedeutung.

Einer der Gründe dafür: »Im Bereich der 18650-Zellen sind inzwischen keine Entwicklungsanstrengungen mehr hinsichtlich Kapazitätsverbesserungen und anderen technischen Spezifikationen festzustellen«, fasst Hack die Entwicklung der letzten Jahre zusammen. Die Tatsache, dass viele Hersteller nur noch in neue Zelllinien investiert haben, die mindestens 21700 und 18650 produzieren konnten, wenn sie nicht gleich ausschließlich auf 21700-Linien gingen, hat diesen Trend verstärkt.

Suter Werner
Werner Suter, Tefag Elektronik: »Ich stelle keine deutlich sinkenden Preise für Batterien aus China fest. Die Preise hängen immer noch stark von den Rohmaterialpreisen ab.«
© Componeers GmbH

Hack schätzt, dass der Anteil der 21700er-Zellen am Markt «ohne Automotive bei etwa 30Prozent liegen dürfte». Bis zur Mitte dieses Jahrzehnts erwartet er einen Marktanteil von etwa 50Prozent. Ganz genauso sieht Gehrmann die aktuellen und zukünftigen Marktanteile der 21700er-Zellen auf dem europäischen Markt. Haupteinsatzgebiete für diese Rundzellen sind E-Bikes, Elektroautos, elektrische Rollstühle, Golfwagen und Ähnliches. »Bei neuen Batteriedesigns mit höheren Kapazitätsanforderungen von über 100Wh«, so Eichhorn, »ist die 21700 definitiv technisch wie auch kommerziell attraktiv«. Suter ist da etwas zurückhaltender, er verortet den aktuellen Marktanteil bei rund 10Prozent.

Zunehmenden Bedeutung von Lithium-Eisenphosphat - und auch Natrium-Ionen-Batterien?

Wie stark der Anteil der 21700er-Zellen vom jeweiligen Anwendungsbereich abhängig ist, zeigt das Statement von Pfeil: «Für die Mehrzahl unserer Kunden spielt der Formfaktor 21700 nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle. Aktuell haben etwa 5 bis 7Prozent der von uns verbauten Rundzellen diesen Formfaktor.« Pfeil geht davon aus, das sich der Anteil der 21700er-Zellen langfristig in Anwendungsbereichen wie etwa der Medizintechnik auf 10 bis 15Prozent erhöhen wird. Einig sind sich alle Befragten darin, dass das Wachstum der 21700er-Zellen vor allem mit der zunehmenden Bedeutung von Lithium-Eisenphosphat zu tun hat.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

  1. LiFePO4 boomt, Natrium-Ionen-Akku ein Zukunftsversprechen
  2. »Hohe Nachfrage bei Lithium-Ionen-Antriebszellen für Automotive wird auch kommendes Jahr weiter bestehen.«


Lesen Sie mehr zum Thema


Das könnte Sie auch interessieren

Battery&Power World

Erfolgreiche Battery&Power World 2024

Pralles Programm, zufriedene Teilnehmer

Hack Thilo

Fokus auf Sicherheit und Lebensdauer

»Natrium-Ionen-Akkus als Serienprodukt nicht vor 2028«

Rehm Mathias

Materialtechnisch noch verbessern

Natrium-Ionen vs. Lithium-Eisenphosphat

WEKA Fachmedien

Power-Fragen und ihre Lösung

Battery&Power World 2024 am 27. und 28. Februar in München

Bei Zerstörungsprüfungen an Batterien möglich: Flamme, Brand oder gar Explosion.

Mit tertiärem Explosionsschutz

Risikoreiche Batterietests

Tesla

Eigene Ladegeräte für LiFePO4-Batterien

Interessante Alternative zu Lithium-Ionen-Akkus

Isermeyer Ralf

Chinesischer Batteriemarkt

»Kleinere Hersteller stehen vor dem Aus«

Natrium-Ionen-Batterie

Schwerpunkt E-Mobilität

China treibt Na-Ionen-Einsatz voran

Medizintechnik Sensoren Vitaldaten Messung Mouser ADI Maxim Integrated sensirion ams osram extech flir

Dekaden-Laufzeit dank Festkörperbatterie

Mini-Chip misst Augendruck unter der Haut

Zendure SolarFlow

Bereit für die kalte Jahreszeit

Selbstheizende Batterien für Balkonkraftwerk-Energiespeicher

CircularLab

Technische Universität Braunschweig

Pilotanlage für die zirkuläre Batterieproduktion eröffnet

Asahi Kasei Lithium-Ionen Batterieseparatoren

Asahi Kasei erweitert Produktion

Beschichtete Batterieseparatoren für über 1 Million Elektroautos

Batterien gibt es heute in unterschiedlichsten Formen und Größen

Europäisches Batterietrackingsystem 2023

Das sind die neuen Verpflichtungen für die Batterieindustrie

PEM RWTH Aachen Whitepaper

Whitepaper der RWTH Aachen

KI macht Batterieproduktion deutlich effizienter

Die Leistungsfähigkeit, die Zuverlässigkeit sowie die Kosten eines Elektrofahrzeugs hängen stark von der Fähigkeit ab, das Batteriepack effizient und schnell zusammenzubauen. Was bei der Montage zu beachten ist

Kritische Baugruppen im Elektrofahrzeug

Die Herstellung von Batteriepacks

Automobilhersteller und Batterieproduzenten arbeiten daran, die Batteriekosten weiter zu senken. Innovative Methoden zur Umsetzung kostensparender Qualitätsmerkmale – gepaart mit regenerativen Energien und Software-zentrierten Abläufen

In der Fertigung Energie sparen

Batteriezellen effizient testen

Am BMW-Standort Wackersdorf entsteht ein neues Batterietestzentrum.

Neues Batterietestzentrum

BMW investiert in Standort Wackersdorf

Empa Batterien

Neue Generation von Dünnschichtbatterien

Die Schweizer Akku-Revolution

Kompakte Prüfeinheit für Härtetests an Batterien.

Entwicklung einer kompakten Prüfeinheit

Härtetests an Batterien

Vielerlei Fallen lauern

Batterien aus China

Wie kommt die EU aus der Abhängigkeitsfalle?

e.battery Systems

Marktstart für Second-Life-Speicher

Nachhaltige Energiespeicher aus gebrauchten Li-Ion-Batterien

Prototyp einer Festkörperbatterie.

Unterschiedliche Technologien im Fokus

Toyota gibt neue Batteriestrategie bekannt

EU-Kommission, Batterie, Umwelt, nachhaltig

BASF/Nanotech Energy-Partnership

Li-Ion batteries with recycled content and low CO2 footprint

Empa Batterien

Die Akku-Revolutionäre

Schweizer Forscher denken Batterien neu

sodawhiskey/stock.adobe.com

Niederspannungsarchitekturen

Clarios erwirbt Batteriesparte von Paragon

EU-Kommission, Batterie, Umwelt, nachhaltig

Entsorgungswirtschaft

Recycling von Altbatterien – noch ein ganzes Stück Weg

Ein Querschnitt des Produktportfolios von Farasis Energy: Zellen, Module und Packs.

Farasis erstmals auf der IAA Mobility

Schnellladefähige Batterietechnik für hohe Reichweiten

Die Batterien bestehen zu 75 Prozent aus Nickel und zu 25 Prozent aus Mangan.

Auslieferung bereits 2024 geplant

Lion Group fertigt Batteriepacks mit SVolt-Zellen

EU-Kommission, Batterie, Umwelt, nachhaltig

Batterie-Recycling

Hohe Investitionen, die sich aber lohnen

Li-Cycle Recycling Batterien

Wiederverwertung von Batterien

Recyclingfabrik für bis zu 30.000 Tonnen Batterien startet

Das Thermomanagement, also Heizen und Kühlen, ist für das Elektroauto elementar. Mahle hat diesbezüglich eine große Systemkompetenz.

Mahle und ProLogium kooperieren

Thermomanagementsysteme für Festkörperbatterien

Forum Batterien

Forum Batterien+Akkus bei Markt&Technik

Der Wahnsinn ist vorbei, die Normalität hält Einzug

Leistungsfähige Bildverarbeitung optimiert die Batterieproduktion.

Optimierte Batterieproduktion

Leistungsstark mit Bildverarbeitungs- und Echtzeit-Steuerung

Partnerschaft von Stellantis und Samsung SDI bei der Batterieproduktion.

Stellantis und Samsung SDI

Pläne zum Bau einer zweiten Gigafabrik in den USA

Dreiphasige Energieerzeugung.

Batteriekonzept von Stellantis und Saft

Effizientes und günstigeres Energiespeichersystem

Jaguar Land Rover will nicht nur seine elektrifizierten Fahrzeuge im eigenen Land fertigen, sondern fordert auch eine Giga-Produktionsanlage für Batterien in Großbritannien.

Jaguar Land Rover

Große Akkufabrik in England geplant

Infradianba

Batteriewechselsysteme kommen

»Nur auf Ladesäulen zu setzen ist der falsche Weg«

Beim symbolischen Spatenstich zum Baubeginn einer Batteriemodul- und Packfabrik in Thailand.

Fertigstellung bereits Ende 2023

SVolt baut Batteriefabrik in Thailand