Risk Management bei Traco Power

»Alle Zutaten für einen Konjunktureinbruch sind vorhanden«

25. Juli 2022, 14:33 Uhr | Engelbert Hopf
Fischer_Sebastian
© Componeers GmbH

Veränderungen kündigen sich nicht mit großem Vorlauf an. Noch seien die Auftragsbücher voll, so Sebastian Fischer, Geschäftsführer der Traco Electronic, und die Book-to-Bill weiter über 1. Aber das könnte sich im 3. Quartal schnell ändern.

Diesen Artikel anhören

Markt&Technik: Steigende Lieferzeiten und Materialpreise haben das Jahr 2021 auch im Stromversorgungsbereich geprägt. Wie wirkte sich das auf Ihr Geschäft aus, und welche Auswirkungen hatte es für Ihre Kunden?

Sebastian Fischer: Ich würde sagen, die Trendwende von Rezession bis Anfang 2021 und die darauf folgende rasche Erholung waren schon speziell. Nach der Finanzkrise 2008/09 war das aber ähnlich. Glücklicherweise hatten wir Ende 2020 unser Lager, ohnehin eines der größten im Stromversorgungsbereich, noch einmal deutlich aufgestockt. Das hat uns 2021 dann sehr geholfen, und es ist uns dadurch gelungen, Marktanteile dazuzugewinnen. Aber auch wir waren gezwungen, teilweise zusätzliche Komponenten zu qualifizieren; das hat R&D-Kapazität gebunden. Aus meiner Sicht war 2021 sowohl für Kunden als auch für Lieferanten ein sehr zeitintensives Jahr; gemeinsam ist es uns aber fast immer gelungen, akzeptable Lieferpläne zu erarbeiten.

Am 24. Februar hat Russland die Ukraine angegriffen. Seit drei Monaten in Folge sinken die Aufträge der deutschen Wirtschaft. Mit welcher Entwicklung rechnen Sie für den weiteren Verlauf dieses Geschäftsjahres?

Sowohl bei uns als auch in der Industrie ist der Auftragsbestand aktuell und bis in die erste Jahreshälfte 2023 hinein noch hoch. So lagen auch im 2. Quartal dieses Jahres die Umsätze von Traco in Deutschland noch über denen des 1. Quartals. Unsere Book-to-Bill bewegt sich aktuell noch über 1. Mit der rapide gestiegenen Inflation, den nach wie vor andauernden Lieferkettenproblemen, dem Krieg in der Ukraine und den dadurch ausgelösten Sanktionsmaßnahmen des Westens, der Talfahrt des Euro gegenüber dem Dollar und der generellen Wachstumsschwäche in Europa sind aktuell sicher alle Zutaten für einen Konjunktureinbruch nicht nur in Deutschland vorhanden.

Mit dem Ausbruch des Krieges wurde die Abhängigkeit von verschiedenen Rohstofflieferungen aus Russland deutlich. Sehen Sie Auswirkungen auf die Elektronikbranche?

Ein Problem könnten die Rohmaterialien gerade für passive Bauelemente darstellen. Hier kommt doch ein großer Teil aus Russland, wie seit Kriegsbeginn deutlich wurde. Der entsprechende Index zeigt einen drastischen Preissprung. Das ist eigentlich ein klares Signal für Knappheit. Es wird sich noch zeigen, wie sich das in den nächsten Monaten auswirken wird.

Als sei der Krieg im Osten Europas noch nicht genug, verschärfen sich auch die Spannungen in Asien, siehe Taiwan und Südchinesisches Meer. Wie sehr beunruhigen Sie diese Entwicklungen?

Für Traco Power kann ich sagen, dass wir unsere Produkte zum größten Teil in Taiwan produzieren. Aus diesem Grund sind die politischen Spannungen zwischen China und Taiwan und die daraus resultierenden möglichen Auswirkungen auf unsere Versorgungssicherheit elementarer Bestandteil unseres Risk Managements.

Es gibt erste Warnungen für eine Stagflation. Halten Sie das für realistisch? Welche Gefahr stellt das für den Fertigungsstandort Deutschland/Europa dar?

Persönlich halte ich die Gefahr, dass eine Stagflation eintritt, für groß. Zudem ist ja auch nach heutigem Stand die Versorgungssicherheit der Industrie mit Energie im kommenden Winter alles andere als gesichert. Ich persönlich halte deshalb einen deutlichen Konjunkturrückgang ab dem 3. Quartal dieses Jahres für wahrscheinlich. Wenn wir eines aus den Krisen der Vergangenheit lernen können, dann, wie schnell sich ein positiver Trend ins Gegenteil verkehren kann!

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

  1. »Alle Zutaten für einen Konjunktureinbruch sind vorhanden«
  2. "Bei erneuerbaren Energien steppt der Bär!"


Lesen Sie mehr zum Thema


Das könnte Sie auch interessieren

Branchenindex Strom

Gebremste Wachstumserwartungen für 2023

Auftragsbestand sorgt für Planungssicherheit

AdobeStock_569462440

Markt&Technik-Umfrage: Stromversorgungen

MOSFETs bleiben das Sorgenkind

Stromversorgungen.jpg

Stromversorgungsbranche

Von Normalzustand kann keine Rede sein

TDK-Lambda

Neuvorstellungen von TDK-Lambda

Nicht nur für Bahntechnik und Industrieapplikationen

Cosel

Cosel erweitert Produktspektrum

Ausbau des DIN-Schienen- und Open-Frame-Programms

Fokussiert/stock.adobe.com

Markt&Technik-Umfrage

(Noch) keine Spur von konjunktureller Abkühlung

Mean Well

AC/DC-Stromversorgungen

Mehr Kurzzeit-Energie, Scotty!

AdobeStock_90115316_luchschenF

Deutsche Laborstromversorgungs-Branche

Bitte keine Lohn-Preis-Spirale!

PULS

Stromversorgungen im Anlagenbereich

Risiken auf der DC-Seite minimieren

Höcherl & Hackl

Schulz-Electronic und Höcherl & Hackl

Drei neue Produktreihen

Bilderstrecke Stromversorgungsneuheiten

Belieferung mit kritischen Bauelementen

Stimmungswechsel am Markt

Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) in der Automatisierung. Dafür eignen sich dezentrale DCUSV-Systeme besser, um SPS-Steuerungen vor Stromausfall zu schützen. Diese lassen sich mit auf der Hutschiene in den Schaltschrank integrieren

DC-USV für die Hutschiene

Gegen Unterbrechungen gewappnet

PULS

Puls Expands Production Site

Manufacturing in Europe: More important Than Ever Before

Distrelec

19-Zoll-Schränke

Rack-Stromversorgungen auswählen

Ralf Higgelke, Hermann Püthe, inpotron, Uwe Daro, Emtron, Bernhard Erdl, Puls, Engelbert Hopf

PowerTalk 2022 (Teil 4)

Was nach der Pandemie bleibt

Ralf Higgelke, Hermann Püthe, inpotron, Uwe Daro, Emtron, Bernhard Erdl, Puls, Engelbert Hopf

PowerTalk 2022 (Teil 3)

Globalisierung vs. Regionalisierung

Ralf Higgelke, Hermann Püthe, inpotron, Uwe Daro, Emtron, Bernhard Erdl, Puls, Engelbert Hopf

PowerTalk 2022 (Teil 2)

Steigende Kosten und Chancen für neue Lieferanten

Ralf Higgelke, Hermann Püthe, inpotron, Uwe Daro, Emtron, Bernhard Erdl, Puls, Engelbert Hopf

PowerTalk 2022 (Teil 1)

Herausforderungen in der Lieferkette

EA-Elektro Automation

EA-Elektro Automatik

Erweiterung der EA-10000er-Serie

Power Supplies

Online-Themenwoche „Stromversorgung“

Optimismus in der Power-Branche

Erweiterte Serie EA-10000: Bidirektional, regenerativ, effizient

Advertorial

Erweiterte Serie EA-10000: Bidirektional, regenerativ, effizient

Grau Elektronik

Versteckte Kosten von Stromversorgungen

Wenn billig am Ende teuer kommt

sodawhiskey/stock.adobe.com

Stromversorgungen

Advanced Energy übernimmt SL Power

PULS

Puls baut Werk in Tschechien aus

Fertigung in Europa – wichtiger denn je

Leistungs-MOSFETs von Taiwan Semiconductor.

Volle Auftragsbücher, lange Lieferzeiten

»Von Entspannung keine Spur«

Hermann Püthe

inpotron Schaltnetzteile

»Wir kaufen alle Komponenten, die wir kriegen können«

IdW Bernhard Erdl

Umsatz von Puls steigt und steigt

»Wir sind inzwischen im Modus der Warenzuteilung«

Open-Frame-Netzteile sind Standardkomponenten, die in OEM-Systeme sind und die STeckdose versorgt

Open-Frame-Netzteile

Design-in optimal gestalten

Viele Induktivitäten für DC-DC-Wandler haben eine Markierung. Es sollte bei einigen Kondensatoren gleichgültig sein, wie herum Spulen angeschlossen werden. Das ist jedoch ein Trugschluss

Platinenlayout von DC-DC-Wandlern

Spulenorientierung und EMV

XP Power, Gavin Griggs

Verstärkung bei Hochspannung

XP Power übernimmt FuG Elektronik und Guth Hochspannungstechnik

Vicor

Prognosen von Vicor für 2022

Covid-19 beschleunigt die Elektrifizierung

USV für erneuerbare Energien

Lebensversicherung für Windräder

WAWT

Umsatz des DIN-Schienen-Markts steigt

Wachstumsmarkt Stromversorgungen

Bicker Elektronik

Bicker Elektronik

Modulare 24-V-Notstromversorgung