Trends 2018: Displays

Manfred Sauer: »Wir wollen intelligente Displays schaffen«

8. Januar 2018, 10:00 Uhr | Markus Haller

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Differenzierung durch intelligente Display-Systeme

Elektronik: Die LCD-Technologie ist an sich ausentwickelt. Wo sehen Sie noch Chancen für sinnvolle technische Verbesserungen an heutigen Flüssigkristall-Displays?

Manfred Sauer: Ein Trend, der sich mit Blick auf die jungen Anwendungsfelder Augmented- und Virtual-Reality abzeichnet, ist die steigende Display-Auflösung.
Wenn, wie Sie andeuten, die LCD-Technologie ausentwickelt ist, liegt die Frage nach den OLEDs als LCD-Nachfolger auf der Hand. Hier sehe ich es so, dass eine fortschrittliche TFT-Zelle einer OLED-Zelle in nichts nachsteht, und die Kosten fallen für die meisten Display-Größen bei den LCDs kleiner aus. Darum sehe ich auch keine Notwendigkeit, aktuell in OLEDs zu investieren. Wir schauen momentan vielmehr darauf, was nach den OLEDs kommen könnte.

Anbieter müssen sich aber natürlich heute schon differenzieren. Technisch sinnvoll kann das über die Integration von Zusatzfunktionen ins LC-Display geschehen. Ich kenne aber auch den lang gehegten Wunsch der Automobilhersteller nach einem Display, das sich an die Instrumententafel anpassen lässt. Ob das am Ende auch sinnvoll ist, müssen die Abnehmer natürlich selbst entscheiden.

 

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Gekrümmte Displays für gehobene Anforderungen können heute schon in Serie gefertigt werden. Ein Beispiel ist dieses 12,3-Zoll-Display mit Automotive-Zertifizierung
Bild 2. Gekrümmte Displays für gehobene Anforderungen können heute schon in Serie gefertigt werden. Ein Beispiel ist dieses 12,3-Zoll-Display mit Automotive-Zertifizierung.
© M. Haller - Elektronik

Elektronik: Zu diesem Zwecken stellen einige LCD-Hersteller ihre Fertigung um, damit sie LCDs künftig auf flexiblen Glas- oder Kunststoffsubstraten fertigen können. Wie weit ist die Technik und wo wird sie vermutlich zuerst eingeführt?

Manfred Sauer: Die Technik ist schon da. Das erste gebogene Display haben wir 2005 oder 2006 den Tier-1-Zulieferern und OEMs vorgestellt und die Akzeptanz am Markt über eine Studie abgefragt. Damals gab es sie nicht. Heute haben wir zum Beispiel ein biegsames 12,3-Zoll-Display als Kombiinstrumententafel mit 3D-Effekt, das in Serie verfügbar ist. Auch dafür muss es Anwendungsfälle und Marktakzeptanz geben und das ist zum Teil einfach eine Geschmacksfrage. Das kennen wir ja schon aus anderen Bereichen: Braucht man gekrümmte Displays im Fernseher? Für den Outdoor-Bereich kenne ich zum Beispiel kein einziges Design mit konkavem oder konvexem Display.

Aber wir haben auch erlebt, wie sich die Nachfrage am Markt verändern kann. Zum Beispiel gab es 1989 für das erste digitale Kombiinstrument, das wir damals für den Golf GTI und Opel entwickelt haben, auch keine Akzeptanz. Dieses Kombiinstrument unterscheidet sich nicht großartig von den aktuell weitläufig genutzten Modellen, in denen analoge Instrumente simuliert werden.

Elektronik: Mit der Haptivity-Technologie führen Sie die Entwicklung des Displays zum HMI weiter. Erster Abnehmer dafür ist vermutlich die Automobilindustrie?

Manfred Sauer: Haptivity ist unser eingetragenes Warenzeichen für haptisches Feedback. Darauf richtet sich zurzeit mein Hauptaugenmerk, weil es uns einen großen Schritt weg von der reinen Anzeige und hin zum intelligenten Display mit haptischer Rückkopplung ermöglicht. Abnehmer wird die Automobilindustrie sein, aber definitiv nicht exklusiv.

Wenn Sie diese Technik einmal in einem iPhone ausprobiert haben, dann wollen sie alles andere einfach nicht mehr fühlen. Das haptische Feedback, das Sie heute kennen, ist einfach sehr plump. Als Anwender haben Sie immer das Gefühl: Da fehlt etwas. Unsere Piezo-Technologie dafür ist „state of the art“ und gibt ihnen den besten Tasteindruck zurück, ob es ein Drehen, ein Einrasten oder eine simulierte Einbuchtung in der Oberfläche ist. Hier werden wir den Markt in Zukunft mit Standard-Kits bedienen.

Elektronik: Wie viele Piezos sind für das haptische Feedback im Display nötig?

Manfred Sauer: Wir haben die Anzahl für ein Display zwischen sieben und zehn Zoll mittlerweile auf zwei reduziert.

Elektronik: Wo ist der Unterschied zum haptischen Feedback beispielsweise im MacBook pro?

Manfred Sauer: Im MacBook wird eine andere Technik verwendet, die das gesamte Touchpad über lineare Resonanzaktoren in leichte Schwingung versetzt. Der haptische Eindruck fühlt sich nicht wie der eines mechanischen Tastendrucks an.

Elektronik: Können sie ihre Technik auch preislich so auslegen, dass sie in einen der Massenmärkte eingeführt werden kann?

Manfred Sauer: Auf jeden Fall. Wir halten in Europa über hundert Patente an Technologien für haptisches Feedback, sodass wir sie auf verschiedene Märkte anpassen können. Jeder, der hier mit einer Druckerkennung und gleichzeitiger Rückkopplung über den Finger arbeitet, benutzt in Europa ein Kyocera-Patent. Ohne uns gibt es in Europa keine haptische Rückkopplung. Die ersten Serienprodukte sollten wir im Laufe des Jahres 2018 sehen.

Elektronik: Welche technischen Neuerungen erwarten Sie noch für 2018?

Manfred Sauer: Ich erwarte, dass neben Haptivity eine weitere Technologie von uns auf dem Markt erscheint, der man den Arbeitstitel »Move-Compensation« geben könnte. Sie kann beispielsweise beim autonomen Fahren eingesetzt werden. Die Technologie hilft das Unwohlsein bei vielen Menschen zu reduzieren, wenn sie sich bei bewegter Umgebung längere Zeit auf ein Display konzentrieren.

Ich erwarte auch den Einzug von Fahrerkameras im Display, die erkennen, ob sich ein Fahrer auf dem Fahrersitz befindet, ob er sich gerade auf den Straßenverkehr konzentriert oder müde ist. Jenseits unserer eigenen Entwicklungen schaue ich auf den technischen Fortschritt bei den Micro-LEDs. Ich denke, dass sie gute Chancen als Nachfolgetechnologie zu den OLEDs hätte.

Elektronik: Wenn Sie in die Richtung Datenerhebung gehen, wie sieht es dann mit dem Datenschutz aus?

Manfred Sauer: Das ist eine berechtigte Frage. Um diese Angelegenheit muss sich der Fahrzeughersteller kümmern. Die Frage nach dem Datenschutz betrifft 2018 aber auch weitaus mehr Unternehmen, da die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung im Mai in Kraft treten wird.

 

Manfred Sauer
ist seit April 2017 Präsident von Kyocera Display Europe. Von 1996 bis 2000 war er als Sales Manager bei Data Modul tätig, wechselte anschließend als Head of Automotive Sales zu Optrex, das 2012 von Kyocera übernommen und in die Display-Sparte des Unternehmens eingegliedert wurde.


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