Ein riesiges Gerät, das brummt, laut klopft und bis zu 40 Minuten Stillhalten verlangt. Kein Wunder, dass Kinder Angst vorm MRT haben. Die Folge: Re-Scans, Unterbrechungen, im schlimmsten Fall Narkose. Philips holt jetzt Elsa, Thor und Mickey Mouse zu Hilfe - die Disney-Medizin wirkt nachweislich.
Es war einmal ein sehr großes, sehr lautes Medizingerät, das Mädchen und Jungen sehr viel Angst machte. Wer schon mal ein Kind in eine MRT-Röhre begleitet hat, weiß: Der Moment, in dem die Tür zum Untersuchungsraum aufgeht, ist kein Spaß. Der Apparat atmet, brummt, klopft – ein mechanisches Ungeheuer aus weißem Kunststoff.
Und dann diese Weißkittel, die sagen, das Gerät sei völlig harmlos - dabei sieht es aus wie ein alles verschlingendes Röhrenmonster. Kleine Patienten, die sich eben noch tapfer gezeigt haben, fangen an zu weinen. Manche schreien. Und dann hilft keine noch so nette Krankenschwester mehr. Bis zu 40 Minuten müssen Kinder reglos in Magnetresonanztomographen liegen – kein Wunder, dass 66 Prozent von ihnen dabei Angst haben.
Doch was wäre, wenn der Scanner keine Bedrohung wäre – sondern ein Abenteuer? Philips und Disney haben sich jetzt mit einer auf den ersten Blick simplen, aber umso wirksameren Idee zusammengetan.
Das Konzept heißt »Disney Ambient Experience for MRI« und verwandelt den Untersuchungsraum in eine kleine Wunderwelt. Rund um die Röhre sorgen Licht, Sound und Bildwelten aus dem Disney-Universum für Ablenkung – zur Auswahl stehen Mickey und Minnie Mouse, Marvel-Superhelden, Star-Wars-Welten, Disney-Prinzessinnen und viele mehr. Kinder können vor der Untersuchung mitentscheiden, welches Universum sie begleiten soll. Das ist kein nettes Beiwerk, sondern Kalkül: Kontrollgefühl ist eine der wirksamsten Angstreduktions-Strategien in der Pädiatrie.
Technische Basis ist Philips' Ambient Experience, eine Kombination aus adaptiver Beleuchtung, Sound-Design und visuellen Projektionen, die das Unternehmen bereits in Kliniken weltweit einsetzt. Neu ist: Ab sofort ist die Disney-Integration offiziell in 87 Ländern ausgerollt – und Philips’ MRT-Plattform ist die einzige, die diese Disney-Inhalte nutzen darf.
Zyniker könnten nun von einer sehr schlauen Marketingkampagne zweier Großkonzerne sprechen. Aber die Datenlage gibt den der bunten Märchen-Medizin definitiv recht.
Eine Multicenter-Studie in sechs europäischen Kinderkliniken hat gemessen, was passiert, wenn die Untersuchungsumgebung in eine Disney-Welt verwandelt wird. Das Ergebnis: Bei Kindern zwischen 6 und 10 Jahren sank der gemessene Stresslevel nach dem Scan um 43 Prozent im Vergleich. Noch eindrucksvoller: Die Unterbrechungen während der Scans – weil ein Kind zuckt, weint oder einfach nicht mehr stillhalten kann – gingen um 63 Prozent zurück.
Das klingt nach Wohlfühlstatistik, ist aber handfeste Medizin. Denn wer sich nicht bewegt, muss den Scan nicht wiederholen. Wer keinen Rescan braucht, muss nicht unter Narkose gesetzt werden. Die Sedierung bedeutet Risiko, Aufwand und Kosten – für ein Verfahren, das eigentlich ein nüchterner Routinescan sein sollte. »Die Daten zeigen, dass eine kindergerechte audiovisuelle Begleitung den Stress reduziert und Scan-Unterbrechungen deutlich verringert«, sagt Emilio J. Inarejos Clemente vom Sant Joan de Déu Hospital in Barcelona. »Das hilft dem Team, effizient zu arbeiten und mehr Patienten pro Tag zu versorgen.«
Zu wohltätigen Zwecken
Die Walt Disney Company stellt die Inhalte kostenfrei zur Verfügung – als Charity. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, 100 Millionen US-Dollar in mehr als 1.700 Kinderkliniken und pädiatrische Einrichtungen in 45 Ländern zu investieren. Die Kunst- und Animationsinhalte für die Philips-Kooperation wurden kostenlos bereitgestellt – als Teil dieses laufenden sozialen Engagements, das Tausende Krankenhaus-Mitarbeiter durch Disney-Institute-Programme geschult und Millionen von Artikeln an Kinder in Pflegeeinrichtungen verteilt hat. Frühe Anwender wie das Rady Children's Health in Orange County und das Calderdale Royal Hospital in England berichten bereits von positiver Resonanz – bei Kindern wie beim Personal.
Das Kind liegt in der Röhre. Elsa singt. Der Scanner klopft seinen Rhythmus – aber er klopft jetzt irgendwie zur Melodie. Die Mutter draußen vor der Scheibe schaut durch das Fenster und sieht: Die kleinen Hände, eben noch verkrampft, haben sich geöffnet. Später, auf dem Weg zum Auto, sagt das Kind mit hoffentlich strahlenden Augen: »Das war cool! Ich habe mit Elsa den brummenden, klopfenden Magneten gezähmt.«
Man muss nicht an Märchen glauben. Aber manchmal reicht eine simple Idee und Kooperation, um die Pädiatrie zum Abenteuer für Kinder zu machen.