Pandemien, Wetter oder Geopolitik: Die »1st German Health Resilience Conference« öffnet im Rahmen der Medica ihre Tore. Das Programm will aktuelle Belastungsszenarien konkret adressieren und Kliniken, Rettungsdienste und Behörden vorbereiten, handlungsfähig zu bleiben. Die ersten Vorträge stehen.
Krankenhäuser, Rettungsdienste, Pflegeeinrichtungen und Behörden müssen auch unter den zunehmenden jedoch auch unter außergewöhnlichen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Mit der 1st German Health Resilience Conference gibt die Messe Düsseldorf diesem Zukunftsthema im Rahmen der MEDICA 2026 erstmals eine eigene Plattform. Erste Referenten und die Schwerpunkte der Agenda vom 16. bis 19. November stehen bereits fest.
Die neue Konferenz wird gemeinsam mit der German Health Alliance (GHA) kuratiert und organisiert, unterstützt auch durch den Industrieverband Spectaris. Sie widmet sich mit ihrem Bühnenprogramm inmitten der halle 11 auf dem Düsseldorfer Messegelände der Frage, wie sich die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitswesens stärken lässt: von strategischen Grundsatzfragen bis hin zu konkreten Erfahrungen aus der Praxis. Das Zusammenspiel entlang der Versorgungskette bildet den Fokus.
Die Medica-Chefin Carmen Berger.
sagt Carmen Berger, Medica-Verantwortliche bei der Messe Düsseldorf.
Auf der deutschsprachigen Konferenz soll es nicht nur um die Bewältigung akuter Krisenlagen gehen, sondern auch um die langfristige Fähigkeit von Gesundheitssystemen, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen und eine gute Versorgung dauerhaft sicherzustellen.
Das vorläufige Programm spannt dabei einen Bogen von gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen bis hin zu operativen Herausforderungen im Klinikalltag. ‘Wie gut ist Deutschland auf unterschiedliche Gefährdungslagen vorbereitet?’ und ‘Welche Erwartungen haben die Bevölkerung und Institutionen an ein belastbares Gesundheitssystem?’ sind nur zwei der wichtigen Fragestellungen.
Zu den Referenten zählt Prof. Dr. Alexander Fekete von der Technischen Hochschule Köln, der sich seit vielen Jahren mit Risiko- und Resilienzforschung beschäftigt. »Ich verspreche mir von der Konferenz einen Austausch darüber, wie gesundheitliche Resilienz über verschiedene Disziplinen hinweg gelingen kann«, sagt der Wissenschaftler.
Neben der Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft wird die »1st German Health Resilience Conference« auch besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, lokale Unterstützungsnetzwerke und die Rolle der Zivilgesellschaft betrachten. Mehrere Beiträge beschäftigen sich mit gesundheitlicher Anfälligkeit, gemeinschaftlicher Widerstandskraft und der Frage, wie Bürgerinnen und Bürger sowie pflegende Angehörige in Krisensituationen die Versorgungssystemen mit stabilisieren können.
Wie schnell kritische Infrastrukturen unter Druck geraten können, zeigt das Beispiel großflächiger Stromausfälle. Solche Szenarien betreffen längst nicht nur Energieversorger, sondern haben unmittelbare Auswirkungen auf medizinische Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Apotheken und Rettungsdienste.
»Lang andauernde Stromausfälle zählen zu komplexen Herausforderungen für das gesamte Gesundheitswesen; von der ambulanten Versorgung bis hin zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit eines Krankenhauses,« |
sagt der Berliner Leitende Branddirektor Karsten Göwecke und widmet sich in Düsseldorf diesem Themenkomplex anhand eines großflächigen Blackout-Szenarios: »Mein Vortrag zeigt viele Erkenntnisse, wie man auch mit einfachen Maßnahmen die Resilienz deutlich erhöhen und Einschränkungen minimieren kann."
Praxisbeispiele wie dieses stehen exemplarisch für den Anspruch der Konferenz, strategische Diskussionen mit konkreten Handlungsempfehlungen zu verbinden. Neben technischen und organisatorischen Fragestellungen geht es auch um die Alarm- und Einsatzplanung, Notfallkommunikation sowie die Sicherung kritischer Ressourcen.
KRITIS-Schutz, Cyberrisiken und realen Krisen
Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Konferenz liegt auf der Absicherung kritischer Infrastrukturen und der Frage, wie belastbar bestehende Schutzkonzepte tatsächlich sind. Die Agenda greift aktuelle Herausforderungen auf – von IT-Ausfällen und Cyberangriffen bis hin zu Naturkatastrophen oder krisenbedingten Versorgungsengpässen. Besondere Aufmerksamkeit dürfte einer Podiumsdiskussion zukommen, die bewusst den Blick auf reale Ereignisse richtet und Erfahrungen aus tatsächlichen Krisensituationen mit theoretischen Planungen vergleicht.
André Solarek, Leiter der Stabsstelle Krisenmanagement an der Charité (Universitätsmedizin Berlin), wird hierzu die Perspektive eines Universitätsklinikums einbringen: »Wie können wir Krankenhäuser krisensicherer aufstellen? Von der Strom- und Wasserversorgung über IT-Sicherheit bis hin zu Objektschutz und klaren Strukturen für Krisenmanagement. Anhand unserer Erfahrung zeige ich sehr praktische Schritte, die jedes Haus morgen angehen kann.« Das Ziel sei es, dass die Zuhörenden mit einem klaren `Nächste-Schritte-Plan´ die Konferenz verlassen.
Ergänzend kommen hinzu: Beiträge zu Krankenhaus-Alarm- und Einsatzplanung, klinischer Katastrophenmedizin, Ausfallsicherheit digitaler Systeme sowie Anforderungen an resiliente Krankenhausstrukturen.
Die Themen der Konferenz reichen bewusst über klassische Krankenhaus-, Bevölkerungs- und Katastrophenschutzfragen hinaus. So werden auch die ambulante Versorgung, Pflegeeinrichtungen, Apotheken, Labore, öffentliche Verwaltung, Hilfsorganisationen und die Bundeswehr in die Diskussion einbezogen. Dadurch soll im November ein fachübergreifender Austausch entstehen, der unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Erfahrungen zusammenführt.
Die 1st German Health Resilience Conference versteht sich damit als Plattform für diejenigen, die Versorgungssicherheit nicht nur unter Normalbedingungen denken, sondern auch für Situationen, in denen etablierte Abläufe an ihre Grenzen geraten. Sie schafft einen Rahmen, in dem Strategien, Erfahrungen und Lösungsansätze zusammengeführt werden, um die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitswesens langfristig zu stärken. (uh)
Konferenztickets können bereits über den Medica-Ticketshop erworben werden unter: https://www.medica.de.