ISO 13485, MDR, IVDR, Cybersecurity und Traceability: Regulatorik muss nicht nur dokumentiert, sondern täglich wirksam umgesetzt werden. Svenja Winkler von Bayoosoft zeigt in ihrem Vortrag in Stuttgart, wie Unternehmen Compliance-Anforderungen direkt mit ihren operativen Prozessen verknüpfen können.
Die regulatorischen Anforderungen an Hersteller von Medizinprodukten wachsen kontinuierlich. Neben ISO 13485, MDR und IVDR rücken auch Cybersecurity, lückenlose Nachverfolgbarkeit und Auditierbarkeit stärker in den Mittelpunkt. Für Unternehmen reicht es deshalb nicht mehr aus, Compliance punktuell nachzuweisen: Sie muss entlang des gesamten Produkt- und Systemlebenszyklus verlässlich im operativen Alltag funktionieren.
In der Praxis klafft jedoch häufig eine Lücke zwischen regulatorischen Vorgaben und den Prozessen in Entwicklung, Qualitätssicherung und IT. Rollen, Berechtigungen, Freigaben und Änderungen werden oft in unterschiedlichen Systemen oder sogar manuell verwaltet. Das führt zu Medienbrüchen, hohem Abstimmungsaufwand und einer eingeschränkten Nachvollziehbarkeit; mit entsprechenden Risiken für die Auditfähigkeit.
Svenja Winkler von Bayoosoft zeigt in ihrem Vortrag in Stuttgart anhand konkreter Beispiele aus regulierten Umgebungen, wie sich Compliance-Anforderungen strukturiert modellieren und unmittelbar mit operativen Abläufen verbinden lassen. Im Fokus stehen dabei unter anderem
Rollenbasierte Zugriffskontrollen für klar definierte Verantwortlichkeiten,
Least-Privilege-Ansätze, bei denen Beschäftigte nur die tatsächlich erforderlichen Berechtigungen erhalten,
Audit-Trails zur nachvollziehbaren Dokumentation von Änderungen und Freigaben sowie
eine konsistente Umsetzung regulatorischer Anforderungen über den gesamten Lebenszyklus.
Klassische, dokumentenzentrierte Compliance-Modelle geraten zunehmend an ihre Grenzen – insbesondere dort, wo komplexe Produktlandschaften, verteilte Teams und zahlreiche IT-Systeme zusammenkommen. Der Ansatz der »Compliance Execution« setzt deshalb auf die laufende Verankerung regulatorischer Regeln in den operativen Prozessen und soll so verhindern, dass regulatorische Vorgaben allein in Dokumenten bestehen, während die gelebten Prozesse davon abweichen. Stattdessen werden Anforderungen so in Systeme und Workflows überführt, dass sie fortlaufend durchgesetzt und ihre Einhaltung nachvollziehbar belegt werden kann.
Der Vortrag von Svenja Winkler macht deutlich, wie Hersteller Compliance nicht als isolierte Aufgabe vor einem Audit behandeln, sondern als kontinuierlichen Bestandteil ihrer Qualitäts-, Entwicklungs- und IT-Prozesse gestalten können. Damit kann Auditfähigkeit von einer reaktiven Pflicht zu einer planbaren Eigenschaft der Organisation werden.
22. September in Stuttgart, Mövenpick Airport
Wer sollte teilnehmen? Alle, die vernetzte Medizinprodukte entwickeln, betreiben oder deren Sicherheit verantworten.