Unter dem Motto »Medizingeräte sicher entwickeln« geht der »Health Electronics Summit« am 22. September in die zweite Runde. In Stuttgart geht es um Cybersicherheit, Hardware-Security, Medical-IT-Systeme und Orientierung im medizintechnischen Compliance-Dschungel. Das Programm und die Sprecher.
Neben der funktionalen Sicherheit ist Cybersecurity ist mit der Digitalisierung der Medizintechnik von der Kür zur Pflicht geworden – MDR, AI Act, Cyber Resilience Act und technische Normen machen sie verbindlich. Und auch wenn gerade die streng regulierte Medtech-Szene seit Jahren mit ihren Auflagen ringt, die Vielzahl der zu beachtenden Regelungen und die technische Evolution Richtung Vernetzung und Künstliche Intelligenz machen das Thema »Medizingeräte sicher entwickeln« komplex und anspruchsvoll.
Genau hier setzt der zweite »Health Electronics Summit« an, der am 22. September 2026 im Mövenpick Hotel Stuttgart Flughafen stattfindet. Nach dem Debüt in Nürnberg widmet sich die Konferenz der »Elektronik medical« in diesem Jahr explizit der sicheren Entwicklung vernetzter Medizinelektronik: Von grundlegender EU-Regulatorik zu Cybersecurity, von »Secure-by-Design« zu handfester Zulassungs-Guidance zur Zulassung, vom sicherem Datenmanagement im OP zur und der Risikobewertung software-definierter Medizinprodukte. Jetzt steht das Programm.
Dr. Georg Heidenreich von Siemens Healthineers spricht zur Eröffnung. In seiner Keynote »Vom Gesetz zur Technik-Norm: Die zweite Ebene der EU-Regulatorik« schlägt der Senior Key Expert für Sofware-, IT- und Datensicherheit und IEC 62304-Fachmann die Brücke vom Einstieg in die EU-Regulatorik über die Standardisierungspolitik der EU-Kommission bis zum technischen Unterbau, der aus Gesetzestexten am Ende prüfbare Normanforderungen und damit technische Anforderungen für den Entwickleralltag macht.
Sie kennen sich gut: Im Anschluss an Dr. Heidenreich übernimmt sein Normungskollege Dominik Kowalski von Brainlab die Bühne. Unter dem Titel »Wer reguliert künftig was?« setzt seinen Schwerpunkt auf KI im Medizinprodukt – und der Abgrenzung zwischen AI Act und MDR. ES geht um die klare Verantwortung in einem lernenden System: Wo endet die MDR-Zuständigkeit, wo beginnt die des AI Act – und was bedeutet das konkret für Klassifizierung, technische Dokumentation und Post-Market Surveillance?
Uhrzeit | Programmpunkt | Speaker |
|---|---|---|
09:00 | Begrüßung | Ute Häußler, EK Medical |
09:05 | Vom Gesetz zur Technik-Norm: Die zweite Ebene der EU-Regulatorik | Dr. Georg Heidenreich, Siemens Healthineers |
09:30 | KI im Medizinprodukt: Wer reguliert künftig was? | Dominik Kowalski, Brainlab |
10:00 | Erkenntnisse eines ethischen Hackers: Your Medical Device Could be Used to Kill | Gerhard Klostermeier, SySS GmbH |
10:30 | Kaffeepause | – |
11:00 | Milliarden Devices, ein CRA-konformer Standard: Healthcare-Automatisierung mit Device Provisioning | Maximilian Krane, btv technologies GmbH |
11:30 | Patientendaten unter Schutz: Cybersecurity und CRA in der Medizintechnik | Rüdiger Kügler, WIBU-SYSTEMS AG |
12:00 | Code heilt nicht – Aber ohne Software heilt nichts mehr. Die Zukunft der Medizintechnik: Software, Daten & KI | Peter Hartung, M&M Software GmbH |
12:30 | Mittagspause | – |
13:30 | Blutzucker durch die Haut – Die lange Reise der Laserphysik in die Patientenversorgung | Thorsten Lubinski, Diamontech |
14:00 | Compliance by Design – der Notified Buddy über die Time-to-Market-optimierte Medtech-Entwicklung | Bernd Schleimer, TÜV Rheinland |
14:30 | Audit-ready by Design: Compliance Execution in der Medizintechnik | Svenja Winkler, BAYOOSOFT GmbH |
15:00 | Kaffeepause | – |
15:30 | Snke OS: Von Datenerfassung hin zu klinischen Erkenntnissen | Ozan Günaydin, Jannai Kolbe, Snke OS GmbH |
16:00 | MedSafe: Automatisiertes Risikomanagement für software-intensive Medizinprodukte | Dr. Rasmus Adler, Sophie Kadel, Fraunhofer IESE |
16:30 | Wertvoller als Kreditkarten: Patientendaten als unendlicher Schatz für Hacker | Prof. Dr. Matthias Spörrle, Privatuniversität Schloss Seeburg |
Der rote Faden des Tages ist keine abstrakte Cybersecurity-Debatte, sondern ein Programm entlang der realen Entwicklungspraxis. Klostermeiers Hacker-Perspektive am Vormittag und Prof. Spörrles Blick auf Patientendaten am Nachmittag rahmen den Tag mit der angemessenen Dringlichkeit. Wer ein vernetztes Medizingerät baut, bekommt handfeste Antworten: BTV zeigt, wie sich Device Provisioning CRA-konform automatisieren lässt, Wibu-Systems übersetzt Cybersecurity- und CRA-Anforderungen in die Praxis der Produktentwicklung.
Ein besonderes Highlight des Nachmittags ist der Vortrag von Thorsten Lubinski. Der CEO von Diamontech schickt sich mit seinem Team an, als weltweit erster Anbieter die Blutzuckermessung nicht-invasiv anzubieten. Er beschreibt in seinem Vortrag »Blutzucker durch die Haut« anhand der patentierten, nicht-invasiven Technik die lange Reise der Laserphysik in die Patientenversorgung. Der TÜV Rheinland und Bayoosoft liefern mit »Compliance by Design« und »Audit-ready by Design« zwei Ansätze, die Zulassungsaufwand nicht als nachgelagerte Hürde, sondern als integrierten Entwicklungsschritt behandeln.
Wie sich aus im OP anfallenden Daten überhaupt klinisch verwertbare Erkenntnisse gewinnen lassen, zeigt danach Snke und führt vor, wie aus roher Datenerfassung strukturierte klinische Insights werden. Damit insbesondere bei software-intensiven Produkten die Prüfung für Dokumentation und Zulassung einfacher wird, stellt das Fraunhofer IESE mit MedSafe anschließend ein konkretes Werkzeug für das automatisierte Risikomanagement vor – also genau die Schnittstelle, an der viele Entwicklungsteams heute noch manuell und fehleranfällig arbeiten.
Der »Health Electronics Summit« richtet sich an Soft- und Hardware-Entwickler in der Medizintechnik, Safety- und Security-Experten sowie Compliance-Profis – kurz: an alle, die Medizinelektronik nachweislich sicher auf den Markt bringen müssen. Zwischen Regulatorik, Technik und Bedrohungslage bleibt genug Raum für den fachlichen und persönlichen Austausch.