Sommer-Edition: W-Kompakt Medizintechnik

18. August 2026, 8 Bilder
China-Schwäche bremst Carl Zeiss Meditec aus
© Carl Zeiss Meditec

China-Schwäche bremst Carl Zeiss Meditec aus

Während Ottobock von seinem diversifizierten Portfolio profitiert, bekommt der Augenheilkunde- und Neurochirurgie-Spezialist Carl Zeiss Meditec die Schwäche eines einzelnen Marktes deutlich zu spüren: China. Der Grund liegt im tiefgreifenden Umbau des chinesischen Gesundheitssystems – staatliche Ausschreibungen bevorzugen zunehmend heimische Hersteller, während sinkende Erstattungssätze und ein schwaches Investitionsklima im Krankenhaussektor die Nachfrage nach Premiumprodukten wie Intraokularlinsen dämpfen. Nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 musste der Konzern deshalb einen Umsatzrückgang hinnehmen, konnte sich währungsbereinigt aber stabilisieren: Der Umsatz sank um 2,9 Prozent auf 1.553,7 Millionen Euro, währungsbereinigt lag der Rückgang bei nur 0,7 Prozent.

Deutlich stärker traf es die Profitabilität: Das bereinigte EBITA brach um mehr als 40 Millionen Euro auf 124,5 Millionen Euro ein, die bereinigte EBITA-Marge fiel von 11,1 auf 8,0 Prozent. Neben der China-Schwäche belasteten das Ergebnis eine schwächere Bruttomarge sowie außerplanmäßige Abschreibungen infolge der Akquisition des französischen Intraokularlinsen-Herstellers Infinite Vision Optics aus Straßburg, auf dessen Vermögenswerte der Konzern eine Wertminderung vornehmen musste. Zusätzlich belasteten gestiegene Verwaltungsaufwendungen aus Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der 2018 übernommenen Kataraktchirurgie-Spezialistin IanTECH aus Reno, Nevada.

Europa-Geschäft läuft stabil

Die beiden Geschäftsbereiche des Konzerns entwickelten sich entsprechend gegenläufig: Der Bereich »Ophthalmology«, in dem das China-Geschäft mit Intraokularlinsen konzentriert ist, schrumpfte um 4,8 Prozent auf 1.191,4 Millionen Euro, während »Microsurgery« um 3,8 Prozent auf 362,3 Millionen Euro wuchs, getragen von starken Auslieferungen neurochirurgischer Operationsmikroskope. Regional zeigte sich die Region EMEA mit einem Umsatzplus von 5,4 Prozent robust, die Region Americas legte währungsbereinigt um 3,6 Prozent zu, während die Region APAC – neben China auch durch schwächere Umsätze in Japan und Südkorea belastet – um 8,7 Prozent zurückfiel.

Im Zuge seines Restrukturierungsprogramms »ProfitUp« treibt Carl Zeiss Meditec eine stärkere Integration seines ophthalmo-chirurgischen Geschäfts voran und bereitet einen neuen Fertigungsstandort in Indien vor; die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die geplanten Maßnahmen laufen nach Unternehmensangaben konstruktiv. CFO Justus Felix Wehmer kommentierte: »Die Umsatzentwicklung nach neun Monaten hat sich auf währungsbereinigter Basis stabilisiert. Unser Fokus liegt unverändert darauf, die Profitabilität nachhaltig zu verbessern und die eingeleiteten Maßnahmen konsequent umzusetzen.«

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen Umsatz von 2,15 bis 2,20 Milliarden Euro, eine bereinigte EBITA-Marge von 8 bis 10 Prozent sowie im vierten Quartal eine Wertminderung auf den Firmenwert seiner SBU Ophthalmology von rund 150 Millionen Euro.