Der Kampf der Digital-Health-Messen

Smart Health Europe: Schon vor der Premiere ein Neustart

26. Mai 2026, 11:54 Uhr | Ute Häußler
Die Smart Health Europe will die DMEA als Leitmesse für Digital Health verdrängen - nun hat sie sich erstmal einen neuen Termin im Herbst ausgesucht.
© Componeers

DMEA vs. SHE: Die Messe Berlin und Bitkom haben den Startschuss für ihre neue Digital-Health-Messe nun offiziell in den Oktober gelegt. Die Branche und Community darf zunächst aufatmen, doch das Kräftemessen mit der nun in München stattfindenden DMEA geht damit erst richtig los.

Diesen Artikel anhören

Sagen wir es mal so: Hätte die Messe Berlin und Bitkom an ihrem ursprünglichen Termin für die »Smart Health Europe« vom 13. bis 15. April 2027 festgehalten, dann hätten sie wahrscheinlich gar nicht erst aufsperren müssen. Bei allem Kopfschütteln über diese unsäglich unprofessionelle Messe-Posse war auf den Messefluren der letzten DMEA unter dem Funkturm sehr deutlich rauszuhören, dass ein Großteil der Aussteller den Umzug nach München mitträgt. »Von der Spree an die Isar« ist, wie in den Gesprächen herauszuhören war, nicht nur ein Bekenntnis zur gewachsenen DMEA und deren Neustart, sondern irgendwie auch gegen die beleidigt wirkenden Berliner.

Das ist wohl auch der Messe Berlin und dem Digitalverband Bitkom zu Ohren gekommen - oder schlicht an der Vorbuchungssituation ersichtlich. Daher haben die beiden Organisatoren an der Spree nun die Reißleine gezogen bzw. einen Rettungsanker für ihr Format geworfen: Die »Smart Health Europe« feiert ihre Premiere nun vom 26. bis 28. Oktober 2027 auf dem Berliner Messegelände.

Die Vorgeschichte

Im Januar 2026 hatten die Messe Berlin und der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) als Markeninhaber der DMEA bekannt gegeben, ihre Zusammenarbeit ab 2027 nicht fortzuführen. Für die Branche recht überraschend hatte es seit dem Weggang von Ursula Baumann im Jahr 2024, die die DMEA bei der Messe Berlin seit 2008 aufgebaut und von der damaligen conhIT zu Europas größter Fachmesse für Health-IT entwickelt hatte, wohl ordentliche Auseinandersetzungen um die weitere Ausgestaltung des Messeformats gegeben.

Ohne Einigung und der für beide Seiten zunächst unschönen Konsequenz, dass die DMEA am 21. bis 23. April diesen Jahres zum letzten Mal auf dem Berliner Messegelände stattfand. Der offizielle Grund laut bvitg-Vorstand Ecky Oesterhoff: Der Standort sei »an seine Grenzen gestoßen«. Inoffiziell wollte die Messe Berlin wohl die alleinigen Markenrechte.

Und obwohl zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Messe-Aus’ in Berlin noch nichts weiter feststand, ließ die Messe Berlin keine Zeit verstreichen: Noch am selben Tag, quasi Minuten später, wurde die Smart Health Europe als Nachfolgeformat angekündigt - diesmal mit Bitkom als neuem Verbandspartner und einem sauren Unterton à la »die Nummer eins geht zur Nummer eins«. Ein Partnerwechsel mit Ansage: Die Bitkom steht für breitere Digitalwirtschaft, weniger für die eng gefasste Health-IT-Community. Das neue Format soll explizit europäisch und internationaler sein.

Der Inhalt: SHE vs. DMEA

Inhaltlich setzt die Smart Health Europe auf fünf thematische Ausstellungs-Cluster: Ankerkrankenhäuser, Gesundheitsdatenwirtschaft, Gesundheitskonvergenz, Resilienz des Gesundheitssystems und Prävention. Das Kongressprogramm verantwortet Bitkom und führt erstmals seine Digital Health Conference im Rahmen der Smart Health Europe durch. Das Mix aus Messe, Kongress und Networking soll den Unterschied zur alten DMEA markieren - die zumindest noch 2025 als zu kleinteilig und zu wenig zukunftsorientiert galt.

2026 sah das Bild schon anders aus, Digital Health kommt Stück für Stück in der Versorgung an und daraus zieht auch die DMEA eine neue Stärke. Mit dem Neuanfang in München in Aussicht durchwehte ein sehr positiver Spirit die letzte Messe in Berlin, die DMEA 2026 schloss mit einem neuen Rekord: 22.000 Teilnehmende, 900 Aussteller sowie 550 Speaker. Und daran will München mit dem Rückenwind der loyalen Aussteller und einem neuen Konzept anknüpfen:

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat 2027 wieder die Schirmherrschaft übernommen und wird die Eröffnungs-Keynote dann auf dem Riemer Messegelände halten. Matthias Meierhofer, Vorstandsvorsitzender des bvitg, formuliert den Standortwechsel offensiv: »Mit diesem Standort schaffen wir nichts weniger als das Epizentrum der digitalen Gesundheitsversorgung in Europa«. Der bvitg will die DMEA stärker auf klinische Anwender und Versorgungsrealität fokussieren - weg vom Technologie-Schaufenster, hin zu konkreten Implementierungsfragen. Und natürlich auch mehr Europa, mehr internationaler Austausch. Und da kann der Standort München mithalten.

Die Isar-Metropole punktet mit ihrer internationalen Erreichbarkeit, einem dicht verwobenen Ökosystem aus Kliniken, Forschungseinrichtungen und Health-Tech-Unternehmen sowie schlicht mehr Platz zum Wachsen. Die Digital-Health-Messe auf dem Bauma-erprobten Gelände am alten Münchner Flughafen (Fun Fact: im Tower sitzt heute Brainlab) versteht sich auch als Signal: Die DMEA will sich neu erfinden - und nimmt dafür bewusst den Bruch mit ihrer Berliner Geschichte in Kauf.

Berlin oder München?

Weiße oder Weißbier, Schrippen oder Brezn? Jetzt muss das Konzept liefern. Ob die Smart Health Europe tatsächlich der DMEA den Rang als Leitveranstaltung ablaufen wird? Die Terminverschiebung in den Herbst darf als Eingeständnis und Kampfansage zugleich gewertet werden. Denn Platz für zwei inhaltlich ähnliche Veranstaltungen mit einer nahezu identischen Zielgruppe wird es so oder so nicht geben. Wer das Rennen macht, entscheidet sich im Herbst 2027 an genau zwei Kriterien: wer kommt und wer wieder kommen will.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Lesen Sie mehr zum Thema