KI in der Medizintechnik

Künstliche Nase soll Spezialisten entlasten

16. Mai 2022, 07:09 Uhr | Ute Häußler
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Lübecker Forscher wollen mit KI eine bessere Versorgung auf dem Land erreichen, wo die Wege zu Fachärzten weit sind.

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Beim Erkennen von Augenkrankheiten oder Gefahren, bei der Steuerung mittels Gesten - Künstliche Intelligenz (KI) kommt schon heute oft unbemerkt zum Einsatz. Weniger unauffällig ist eine künstliche Nase aus Kunststoff. Der Lübecker Wissenschaftler Horst Hellbrück hält sie zur Demonstration über ein Glas irischen Whiskey. Binnen Sekunden leuchtet auf der Rückseite ein grüner Smiley auf.

Die KI in dem Einplatinen-Computer hat den Geruch als Whiskey identifiziert, gibt die Wahrscheinlichkeit dafür auf einem kleinen Bildschirm mit 99 Prozent an. «Wir sind aber noch nicht so gut wie ein Spürhund», sagt Hellbrück. Eine Unterscheidung zwischen Scotch und Bourbon, geschweige denn einzelner Whiskey-Sorten sei dem Gerät - noch - nicht möglich.

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Der Klein-Computer mit Schweinsnase verfügt über vier Sensoren. Sie messen unter anderem die Kohlenmonoxid-Konzentration, um Stoffe in der Umgebungsluft zu unterscheiden. »Wir wollen damit zeigen, wie sich KI anwenden lässt. Man benötigt dafür keine Großrechner mehr«, sagt Hellbrück. Die einzelnen Bauteile kosten keine 100 Euro. Die Schweinsnase kann Kaffee, Whiskey und Raumluft problemlos auseinanderhalten. Die KI könnte auch warnen, wenn beispielsweise an einem Industrie-Arbeitsplatz die Konzentration von Gefahrstoffen zu hoch ist. «Und zwar bevor der Mensch mit den Problemen kämpft», sagt Hellbrück.
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Praxis-Einsatz in der Medizin

Fokus der Forscher ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz als Medizintechnik.

Mitarbeiter des Instituts arbeiten an einer Technik, um per Smartphone in der Hausarzt-Praxis Augenuntersuchungen zu machen und mittels KI-Hilfe erste Diagnosen zu stellen. Das von der Joachim Hertz Stiftung geförderte Projekt soll für Menschen auf dem Land eine bessere Versorgung bedeuten, die weite Wege zu Fachärzten zurücklegen müssten.

»Wir wollen damit jetzt aber nicht den Augenarzt ersetzen«, sagt Hellbrück. Beispielsweise Diabetes-Patienten sollen es künftig leichter haben, indem Kontroll-Untersuchungen beim Hausarzt erfolgen und sie nicht immer zu Spezialisten müssen. »Ich kann mir vorstellen, dass einige Mediziner denken: Das ist meine Expertise, die lasse ich mir nicht von einem Computer wegnehmen.« Allgemeinmediziner seien vielleicht offener, weil sie die Hilfsfunktion bei Routineaufgaben sähen.

Krankenkassen sehen Zusatznutzen

»Künstliche Intelligenz kann in der Medizin eine Hilfe sein«, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Vor dem Einsatz müsse ein Praxistest zeigen, ob die Technologie Ärzte bei der Diagnosestellung oder der Behandlung unterstützen kann. »Sie muss den Alltag der Ärzte erleichtern und einen Zusatznutzen für die Patienten bringen. KI wird in der Medizin noch lange ein Add-on sein, denn der Kern des ärztlichen Verständnisses einer guten Versorgung bleibt das Arzt-Patienten-Verhältnis – auch im digitalen Zeitalter.« Die Vereinigung beobachte die Entwicklung aber mit hohem Interesse.

»Ich bin Ingenieur, der das Leben der Menschen verbessern will«, sagt Hellbrück. »Ich will Krankheiten besser erkennen können.« In einem weiteren Forschungsprojekt entwickeln Wissenschaftler in Lübeck mit Kooperationspartnern eine Technik, um Hochseekabel im Sediment am Meeresgrund leichter zu finden. »KI kann dabei helfen, die Tiefe der Kabel im Meeresboden zu erkennen«, sagt Mitarbeiter Sven Ole Schmidt. Und damit die Arbeiten am Meeresgrund beschleunigen.

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Für Schleswig-Holsteins Landesregierung hat der Forschungsbereich große Bedeutung. Im Februar kündigte sie an, neun Millionen Euro für zwölf neue KI-Professoren an den Hochschulen Flensburg, Kiel, Heide und Lübeck bereitzustellen. Sie sollen bereits zum Wintersemester im Norden lehren. »Daten sind der Rohstoff für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz«, sagt Staatskanzleichef Dirk Schrödter.

Unumstritten ist KI-Einsatz nicht. Die Lübecker Forscher haben Verständnis für Ängste vor zuviel künstlicher Intelligenz. »Man muss die KI erklären«, sagt Hellbrück. »Und gerade Science-Fiction-Filme helfen da nicht.« Bereits heute lebten die Menschen in vielen Bereichen wie der Bildverarbeitung oder Computer-Hotlines mit KI, in zehn Jahren werde diese aus vielen Lebensbereichen nicht wegzudenken sein. »Oft merken die Menschen gar nicht, dass sie es mit einer KI zu tun haben. Wenn man den Nutzen spürt, verliert man auch die Angst davor.« (uh)

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