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Interesse an eigenen Mobilfunknetzen steigt

21. September 2020, 08:51 Uhr   |  dpa, Newsdesk st

Interesse an eigenen Mobilfunknetzen steigt
© Vodafone

Vodafone kooperiert mit Telefónica Deutschland und Deutsche Telekom beim Netzausbau.

Geht es um die Beschleunigung von Arbeitsabläufen, dann verbindet die Wirtschaft große Hoffnungen mit 5G. Deshalb bot der Staat den Firmen ein eigenes Spektrum an. Waren die so genannten Campusnetze zunächst Ladenhüter, ändert sich das nun.

Die Nachfrage nach eigenen 5G-Mobilfunknetzen kommt unter deutschen Firmen allmählich in Schwung. Inzwischen hätten 74 Unternehmen ein lokales Spektrum zur Eigennutzung bekommen, teilte die Bundesnetzagentur auf Anfrage mit. Das sind deutlich mehr als im Juni, als es 46 waren. Zudem lägen noch vier Anträge vor. »Wir verzeichnen ein großes Interesse an den Frequenzen und rechnen weiterhin mit zahlreichen Anträgen«, sagte ein Sprecher der Netzagentur.

In Campusnetzen werden Funksignale nur lokal in einer Fabrik, einer Lagerhalle oder auf einem Feld gesendet. Dank der schnellen Übertragung mit hoher Kapazität bei 5G kann die Datennutzung verbessert werden, beispielsweise indem Maschinen vernetzt werden, der Lagerbestand erfasst wird oder Transportfahrzeuge eigenständig umherfahren können.

Die Bundesnetzagentur hatte im Frühjahr 2019 5G-Frequenzen an die Mobilfunkkonzerne Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und United Internet versteigert. Ein Teil des Spektrums hielt sie zurück und stellte dies ab November der Industrie zur Eigennutzung bereit. Das Interesse war zunächst gering, inzwischen hat es aber zugenommen. Eigene Netze haben etwa BASF, der Hamburger Hafen und die Lufthansa. Die Gebühren, die die Firmen für das 5G-Spektrum zahlen, sind gering. Inzwischen ist die Liste der Unternehmen deutlich länger geworden, auch Audi, Daimler und Evonik gehören dazu sowie einige Hochschulen mit technischem Schwerpunkt.

Die Mobilfunk-Unternehmen waren zunächst wenig begeistert, als die Bundesnetzagentur erstmals lokale Frequenzen für Firmen anbot - aus Sicht der Deutschen Telekom und Vodafone wurde ihnen dadurch ein Teil des wertvollen Spektrums vorenthalten, das sie gern selbst benutzt hätten. Inzwischen haben sich die Telekommunikationsunternehmen aber mit der Situation arrangiert und bieten Dienstleistungen an.

»Es gibt durchaus einige Unternehmen, die solche Campusnetze eigenständig aufbauen wollen«, sagt ein Vodafone-Sprecher. Allerdings wollten die allermeisten Konzerne doch lieber mit einem Telekommunikationsunternehmen zusammenarbeiten, um solche Netze an einzelnen Standorten zu errichten. Derzeit sei Vodafone mit 200 Unternehmen im Austausch, die Interesse an einem gemeinsamen Campusnetz-Ausbau haben. Hierbei nutzen die Firmen entweder Frequenzen vom Netzbetreiber - oder sie greifen auf das lokale Spektrum zurück, das die Netzagentur für sie gewissermaßen reserviert hat. Eine Sprecherin der Deutschen Telekom berichtete ebenfalls von eigenem Campusnetz-Geschäft.

Bisher liegen die Campusnetze im Frequenzbereich 3,6 und 3,7 Gigahertz. Am Jahresende will die Bonner Behörde zudem ungenutztes Spektrum auf 26 Gigahertz bereitstellen - die Reichweite ist hier gering, die Datenkapazität aber riesig. Aus der Telekommunikationsbranche hieß es, dieses Spektrum wäre nur eine Ergänzung zu einem bestehenden Netz.

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