Schwerpunkte

Corona-Tracing wie in der Schweiz

Helmholtz-Gemeinschaft begrüßt die Entscheidung

27. April 2020, 07:14 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen

Helmholtz-Gemeinschaft begrüßt die Entscheidung
© Adobe Stock

Deutsche Corona-Tracing-App soll auf einen dezentralen Ansatz basieren.

Nach immer lauter gewordener Kritik von Wissenschaftlern und Verbänden hat die deutsche Bundesregierung einen Richtungswechsel beim Corona-Tracing eingeschlagen. Lob kommt nun z.B. von der Helmholtz-Gemeinschaft.

Im Wesentlichen geht es bei der Entscheidung zur Entwicklung der Corona-Tracing-App um verbesserten Datenschutz: Anders als das von der Bundesregierung bislang favorisierte Entwicklungsprojekt auf Basis von PEPP-PT ermöglicht es DP-3T, dass das Smartphone die Begegnungsdaten nur lokal speichert.

Das angestrebte Corona-Tracing basiert auf einer dezentralen Architektur. Es gibt also keinen zentralen Punkt, an dem die personenbezogenen Daten der App-Nutzer, ihre IDs oder ihr Kontaktnetzwerk zusammengeführt und verarbeitet werden. Alle kritischen Verarbeitungen erfolgen lokal auf dem Smartphone. Der Austausch von Daten findet zwar auch über einen Server statt. Dieser ist jedoch weniger attraktiv für kriminelle Hacker, da die dort gespeicherten Daten ohnehin zur Weitergabe an alle App-Nutzer vorgesehen sind.

In der Praxis gestaltet es sich so: Täglich ruft das Smartphone einen Schlüssel für die Bluetooth-IDs der positiv getesteten Bürger ab, die diese freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Das Smartphone der Nutzer berechnet dann lokal, ob Bürger dieser Bluetooth-ID begegnet sind und gibt gegebenenfalls eine Risikowarnung aus.

Helmholtz-Zentrum begrüßt die datenschutzfreundliche Lösung

»Wir sind froh und dankbar, dass diese datenschutzfreundliche Lösung, die von vielen anderen Forschern grenzüberschreitend entwickelt wurde, schnell und ländergreifend verfügbar sein wird«, sagt Michael Backes, CEO und Gründungsdirektor des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit - CISPA. Die Entscheidung der Bundesregierung baut auf Vorarbeiten eines internationalen Konsortiums auf, an denen das Helmholtz Zentrum für Informationssicherheit maßgeblich mitwirkt.

»Das Zentrum arbeitet auf nationaler Ebene mit Partnern zusammen, um schnellstmöglich eine App zu realisieren«, betont Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Der DP-3T-Ansatz wird gemeinsam mit anderen internationalen IT-Sicherheits- und Datenschutzforschern, unter anderem der EPFL, ETH Zürich und KU Leuven entwickelt.

Prototyp der App ist bereits veröffentlicht

DP-3T ist vollständig Open Source und kann auch von externen Experten begutachtet und geprüft werden. Ein Prototyp der App für Android und iOS wurde bereits am 17. April veröffentlicht. Die Schweiz will den dezentralen Ansatz  bis zum 11. Mai im Land einführen. Helmholtz beteiligt sich als deutscher Konsortialpartner gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft und weiteren Partnern aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik aktiv an der Realisierung dieser Lösung in Deutschland.

Statement der Fraunhofer-Gesellschaft: »Tracing-App sichert Datenschutz, Qualität und epidemiologisch relevante Bewertung«

Die Fraunhofer-Gesellschaft stellt die bisherigen Entwicklungen ihrer Tracing-App in den Dienst einer dezentralen Lösung auf Bundesebene. »Der unermüdliche Einsatz der Bundesregierung, der begrüßenswerte gesamtgesellschaftliche Diskurs – national wie international – und die intensive Vorarbeit führender deutscher Forschungsorganisationen wie Fraunhofer und auch Helmholtz haben Wirkung gezeigt«, erklärt Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer. »Für Deutschland können wir unter Federführung der Bundesregierung nun eine App-Lösung weiterverfolgen, die sowohl auf eine dezentrale Lösung bei der Datenspeicherung setzt und zugleich Nutzern ermöglicht, dank Fraunhofer-Technologie epidemiologisch relevante Forschungsdaten freiwillig und unter voller Berücksichtigung des Datenschutzes an das Robert-Koch-Institut zu übermitteln.« Die App werde helfen, die vorhandenen Prozesse im hiesigen Gesundheitssystem sinnvoll und rasch durch digitale Hilfsmittel zu ergänzen.

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