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Neu im Team: Aller Anfang ist schwer


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Neu im Team: Aller Anfang ist schwer

Kleine Übersetzungshilfe: Ein joviales »Mischen Sie die Truppe hier mal ordentlich auf« verlangt vom neuen Gruppenleiter zumeist nur wenige, aber bitte in der ganzen Firma sichtbare ablauforganisatorische Umstellungen. Der Hoffungsbekundung: »Ich erwarte von Ihnen eine Menge frischen Wind« ist meist mit einer hörbaren, sich anschließend aber wieder legenden Brise Genüge getan. Und wessen künftiger Chef kategorisch verlangt: »Machen Sie ihren Kollegen deutlich klar, was Vertrieb heute heißt – seien Sie ein Vorbild«, der kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass der Chef selbst unter Druck steht. Auf den höheren Etagen dürfte also sehr genau registriert werden, wie sich der oder die Neue macht: Das ist ein klarer Marschbefehl an denjenigen, der Vorgesetzte und Kollegen für Übergangserscheinungen hält.

Um sicherzugehen, dass man die Botschaft richtig verstanden hat, und um böses Blut im Kollegenkreis zu vermeiden, rät Berufsstratege Schrader, »noch einmal offen und freundlich mit dem Chef darüber zu sprechen, was er damit genau gemeint hat. Es dürfte jedem Vorgesetzten einleuchten, wenn der neue Kollege nicht mit der Tür ins Haus fallen will und zu Beginn eher beobachtend und moderierend auftreten möchte.«

Strategisch – und das heißt hier vor allem: diplomatisch – vorgehen sollte, wem an der Karriere UND dem Klima im Team gelegen ist. »Im Betrieb und in sämtlichen Arbeitsgruppen hat jedes Mitglied eine feste Rolle, die man kennenlernen muss, außerdem gibt es gewisse informelle Regeln, die man als neuer Mitspieler beachten sollte«, weiß Michael Kratzmair, Gründer und Geschäftsführer des geva-instituts in München. »Das zu lernen, braucht seine Zeit. In großen Unternehmen hat man es als Neuling normalerweise leicht: Entweder bekommt man einen Mentor an die Seite gestellt, der einem die Spielregeln erklärt, oder der Personalbereich unterstützt die Integration mit anderen Maßnahmen.« Je kleiner der Betrieb, desto mehr sei der Neue auf sich allein gestellt, meint der gelernte Psychologe: »Da bleibt ihm und ihr nur eines: die Gratwanderung zwischen Profilierung beim Vorgesetzten und Anpassung im Team mit Fingerspitzengefühl zu bewältigen.«

Gemeint ist der »goldene Mittelweg« mit den Etappen Einstand, Small Talk abseits von Religion, Politik und sonstiger gefährlicher Fettnäpfchen, niemals übertreiben, gediegene Kleidung, immer ein Lächeln, immer vergnügt. Und nicht etwa das: Im Gespräch mit dem Chef den Hardliner zu geben, aber beim Mittagessen salatschneckengleich auf die Haltung der Kollegen einzuschwenken. Denn da protestiert Kratzmair scharf: »Davon halte ich gar nichts. Dabei zeigt man keine Konturen, niemandem gegenüber.«

 


  1. Neu im Team: Aller Anfang ist schwer
  2. Neu im Team: Aller Anfang ist schwer
  3. Neu im Team: Aller Anfang ist schwer
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