KI-Gebrauch nimmt deutlich zu

Fast die Hälfte der Studierenden nutzt KI täglich

22. Juli 2026, 14:48 Uhr | Corinne Schindlbeck
Schmuckbild Fragezeichen
© FR Design/stock.adobe.com

Künstliche Intelligenz wie ChatGPT hat sich im Studium vom gelegentlichen Hilfsmittel zu einem festen Bestandteil entwickelt. Das zeigt eine Befragung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Nur eine kleine Minderheit gibt an, KI im Studium nie zu verwenden.

Diesen Artikel anhören

Künstliche Intelligenz hat sich im Studium vom gelegentlichen Hilfsmittel zu einem festen Bestandteil entwickelt. Nach einer Befragung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung nutzen 46,5 Prozent der Studierenden KI-Anwendungen wie ChatGPT täglich für Studienzwecke. Weitere 34,5 Prozent greifen mindestens einmal pro Woche darauf zurück. Nur 2,4 Prozent geben an, KI im Studium nie zu verwenden.

Im Vergleich zur Vorjahresbefragung hat sich der Anteil der täglichen Nutzer nahezu verdoppelt. Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der befragten Studiengänge weisen die Autorinnen und Autoren der Untersuchung jedoch darauf hin, dass der Vergleich nur eingeschränkt möglich ist.

Recherche und Brainstorming dominieren

Am häufigsten setzen Studierende KI für allgemeine Recherchen und zur ersten Orientierung in einem Thema ein. Ebenfalls verbreitet ist die Nutzung für Brainstorming sowie als Lernpartner oder Tutor. Für die regelmäßige Erstellung von Texten wird KI dagegen vergleichsweise selten eingesetzt.

„Künstliche Intelligenz ist aus dem Studienalltag vieler Studierender kaum noch wegzudenken“, sagt Nina Horstmann, Expertin für empirische Methoden am CHE. „Für Hochschulen stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob KI genutzt wird, sondern wie ihr Einsatz sinnvoll, lernförderlich und verantwortungsvoll gestaltet werden kann.“

Unterschiede zwischen den Studienfächern

Die Nutzung variiert deutlich zwischen den Fächern. In Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspsychologie, Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaftslehre verwenden mehr als 90 Prozent der Studierenden KI mindestens wöchentlich. In der Sozialen Arbeit liegt der Anteil bei rund 69 Prozent, in der Rechtswissenschaft bei etwa 53 Prozent.

Auch die Einsatzgebiete unterscheiden sich. Während KI in der Wirtschaftsinformatik häufig für Programmieraufgaben genutzt wird, dient sie in der Wirtschaftspsychologie besonders oft dem Brainstorming. In der Rechtswissenschaft fallen die Nutzungswerte über nahezu alle Anwendungsbereiche hinweg geringer aus.

Uneinigkeit beim Einsatz in Prüfungen

Beim Einsatz von KI für Prüfungsleistungen zeigt sich ein geteiltes Meinungsbild. 46 Prozent der Befragten befürworten eine Nutzung für Hausarbeiten oder Referate eher oder vollständig. 31 Prozent lehnen dies eher oder vollständig ab, 24 Prozent sind unentschlossen.

Besonders kritisch sehen Studierende der Rechtswissenschaft den KI-Einsatz in Prüfungen. Dort befürwortet ihn nur etwas mehr als ein Viertel der Befragten. In Wirtschaftspsychologie, Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht spricht sich dagegen etwa die Hälfte dafür aus.

Hochschulen sollen KI-Kompetenzen stärker vermitteln

Die Angebote ihrer Hochschulen zum Erwerb von KI-Kompetenzen bewerten die Studierenden im Durchschnitt mit 3,3 von 5 Sternen. Knapp 46 Prozent vergeben vier oder fünf Sterne, rund 30 Prozent dagegen nur ein oder zwei Sterne. Die besten Bewertungen erhält die Wirtschaftsinformatik, während Rechtswissenschaft und Soziale Arbeit deutlich kritischer urteilen.

Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich zusätzliche Lernangebote und eine stärkere Einbindung des Themas in die Lehre. 70 Prozent fordern zudem klare Richtlinien für den ethischen Umgang mit KI sowie zum Schutz persönlicher Daten.

„Die Förderung KI-bezogener Kompetenzen sollte systematisch curricular verankert und in die reguläre Fachlehre integriert werden“, sagt Nina Horstmann. „Entscheidend ist dabei nicht nur die technische Anwendungskompetenz, sondern ein kritisch-reflektierter, verantwortungsvoller und selbstbestimmter Umgang mit KI.“

Grundlage der Untersuchung

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 28.584 Studierenden im Rahmen des CHE Hochschulrankings für das Wintersemester 2025/26. Erfasst wurden Studierende wirtschafts- und rechtswissenschaftlicher Studiengänge an 194 Hochschulen in Deutschland sowie acht Hochschulen in Österreich. Untersucht wurden unter anderem Nutzungshäufigkeit, Einsatzbereiche, hochschulische Angebote und Erwartungen an den Umgang mit Künstlicher Intelligenz.


Lesen Sie mehr zum Thema