Unternehmensfinanzierung

Private Equity in der Krise?

2. April 2009, 12:00 Uhr | Christine Demmer, Markt&Technik

Angesichts der Wirtschaftskrise gerät der Mittelstand in die Klemme: Von oben drücken die Ansprüche der Kapitalgeber auf den Cash-flow, von unten sickern trübe Marktberichte ein. Gut, wer in dieser Lage etwas auf der hohen Kante hat. Denn waren bis vor kurzem noch Fachkräfte die knappste Ressource, so ist es jetzt das Eigenkapital.

Einige der Älteren werden sich noch an den Frühling erinnern. Erst lugen die Schneeglöckchen hervor, dann öffnen sich die Krokusse, und eines Morgens wacht man auf, und rund herum ist Friede, Freude, Sonnenschein. Nach Ansicht der Meteorologen wird es auch in diesem Jahr so kommen. Nur manchem Mittelständler steht die Eiszeit vermutlich erst noch ins Haus.

Fuba, Lamitec Dielektra und Ruwel sind schon in der Insolvenz erstarrt, und das sei erst der Anfang, prophezeien Wirtschaftsforscher und Analysten. Leider könnten sie dieses Mal Recht haben. Betroffen sind vor allem Betriebe, die wegen permanenter Unterfinanzierung am Tropf der Kreditinstitute hängen. Von einer grundsätzlichen Kreditklemme wollen die Bankenverbände zwar nichts wissen. Aber weil die Geldinstitute im Rezessionsmode arbeiten und überdies mit sich selbst genug zu tun haben, sehen sie nun sehr genau hin, wem sie ihr Kapital anvertrauen. Ohnehin unter Generalverdacht stehen die Zulieferer der komatösen Automobilindustrie.

Doch auch anderswo müssen Geschäftsmodell, Kostenstruktur, Management und Marktlage überzeugen. »Wenn es ein richtig tolles Unternehmen ist, dann gibt es keine Probleme«, versichert Finanzierungsexperte Bernd Papenstein von Price Waterhouse Coopers (PwC), »aber sobald auch nur die leisesten Zweifel aufkommen, wird es schwierig«. Von der Private-Equity-Branche können Not leidende Betriebe aktuell nur in Ausnahmefällen Rettung erwarten – weder dann, wenn sie erstmals nach einem professionellen Kapitalverleiher Ausschau halten, noch dann, wenn sie bereits einen an Bord haben und diesen um eine Ausweitung seines Engagements bitten. Geld genug ist zwar noch in den Töpfen der geschmähten »Heuschrecken«. Die Schätzungen reichen von 450 bis 1000 Milliarden Dollar.

Aber viele Investoren erinnern sich im Moment nur schwer an ihre Zusage, Kapital einzulegen. Gutes Geld dem bei längerer Krisendauer womöglich Schlecht Werdenden hinterherwerfen, und das bei schmaleren Gewinnaussichten – nein, das möchte man nicht. Nach Angaben des Branchenverbandes BVK wurden im letzten Quartal 2008 Engagements im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro getätigt, erheblich weniger als in den Monaten zuvor. Damit sind allenfalls kleinere Übernahmen zu finanzieren.

Zeit der dicken Deals vorüber

Für Private Equity scheint die Zeit der dicken Deals vorerst vorüber. Deshalb ist eher zu erwarten, dass die privaten Kapitalgeber künftig sogar noch einen Tick rigoroser mit den von ihren Beteiligungspartnern vorgelegten Zahlenwerken umgehen und penetranter noch als bisher nach Einsparmöglichkeiten suchen werden. Druck macht künftig also nicht nur die Hausbank, sondern auch der private Geldgeber – von den Märkten ganz zu schweigen.

Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG besteht die größte Herausforderung für die Private-Equity-Firmen derzeit darin, ihre Beteiligungsunternehmen durch die Krise zu führen. »Der Fokus wird auf das operative Management der Portfoliofirmen gelegt«, formulierte KPMG-Bereichsdirektor Bernd Diepenseifen anlässlich der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Dabei zeigen sich die PE-Gesellschaften allerdings deutlich optimistischer als die Banken.

Nach einer Umfrage der Investmentbank Jeffries rechnet jede zweite Beteiligungsgesellschaft damit, dass die von ihnen gekauften Unternehmen in diesem Jahr höchstens 10 Prozent Ergebniseinbuße haben werden. Ein Fünftel der Portfoliomanager erwartet gleichbleibende oder sogar steigende Ergebnisse. Die Banken dagegen sehen mehrheitlich schwarz: 90 Prozent der Kreditinstitute rechnen bei ihren Kundenunternehmen mit schlechteren Ergebnissen als im vergangenen Jahr.

 


  1. Private Equity in der Krise?
  2. Sorge der Banker
  3. Übernahmen mit Abschlägen um 50 Prozent