Ebnet Corona den Weg zu 'New Work'?

»Homeoffice wird für viele zum normalen Arbeitsmodell werden«

17. März 2020, 12:08 Uhr | Corinne Schindlbeck
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© Florian Michalik

Florian Michalik ist Experte für New Work, Zusammenarbeit auf Distanz und Future Leadership und Gründer der Plattform newWork.me. Unternehmen werden wegen Corona plötzlich mit Homeoffice konfrontiert – wie klappt das?

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Markt&Technik: Herr Michalik, viele Unternehmen und deren Mitarbeiter gehen in Sachen Homeoffive gerade von Null auf Hundert – gezwungenermaßen.   
Florian Michalik: Ja, besonders im deutschsprachigen Raum herrschte in der Vergangenheit Skepsis gegenüber dem Homeoffice. In vielen Fällen wurde die Arbeit von Zuhause eher toleriert als akzeptiert. Besonders Führungskräfte hatten Sorge, ob die Mitarbeiter*innen auch wirklich arbeiten, wenn sie nicht im Büro sind. Dahinter steckte Angst vor Kontrollverlust. Das hat sich mit Beginn der Corona-Krise schlagartig geändert. Die Angst vor einer Ansteckung weckte bei vielem Unternehmen den Mut, mehr Homeoffice zu wagen.

Und wie klappt das?
Ich sehe, dass viele Teams sehr erfolgreich mit den geänderten Bedingungen, die Arbeit im verteilten Team mit sich bringt, umgehen. Homeoffice kann man lernen. Arbeitet ein Team verteilt, müssen sind einige – jedoch entscheidende –  Arbeitsweisen ändern. Denn weder die Produktivität, noch Kommunikation oder Teamgeist sollen leiden. Auf LinkedIn habe ich einen Beitrag dazu geschrieben.

Bekommen Sie gerade verstärkt Anfragen nach Beratung zu New Work?
Seit etwa zwei Wochen bekommen wir verstärkt Anfragen, um Teams und Führungskräfte so schnell wie möglich fit für das Homeoffice zu machen. Während bis vor kurzem ganztägige Präsenzseminare angefragt wurden, erleben wir seit knapp zwei Wochen einen Ansturm auf unsere kürzeren Online Seminare – quasi den Crash-Kurs für das Homeoffice. Bislang können wir der Nachfrage gerecht werden, aber treffen bereits Vorkehrungen, falls die Zahl der Anfragen noch weiter wächst.

Was davon glauben Sie, wird uns auch nach der Coronakrise erhalten bleiben?
Viele Teams und ihre Führungskräfte sind derzeit gezwungen ihre Ängste vor Homeoffice und Zusammenarbeit auf Distanz zu überwinden. Sie wagen das Experiment und erkennen, dass es möglich ist. Ich bin überzeugt davon, dass Unternehmen nach der Corona-Krise von diesen Erfahrungen zehren und die Arbeit im Homeoffice für noch mehr Menschen ein normales Arbeitsmodell werden wird. Dabei spreche ich nicht von einem Homeoffice-Tag der hin und wieder eingelegt wird, sondern zwei bis drei Tagen pro Woche und mehr. Unternehmen können dann sehr einfach hochqualifizierte Fachkräfte einstellen, auch wenn sie nicht umzugsbereit sind.

(Fragen: Corinne Schindlbeck)


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