Gehälter in der Elektronikbranche weiter auf hohem Niveau

21. Oktober 2008, 11:57 Uhr | Gudrun Kosche, freie Wirtschaftsjournalistin

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Angststarre in Deutschland

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Angststarre in Deutschland

Deutsche Elektronikunternehmen reagieren bislang noch nicht so überreizt, doch Analysten warnen immer wieder davor: »Wenn die USA husten, bekommt Europa eine Grippe.« Der Verzögerungseffekt dauert meist vier bis sechs Monate. »In einem solchen Umfeld wartet jeder ängstlich ab. Die Branche schaut wie das Kaninchen auf die Schlange«, so Graf von Reischach.

Jetzt werden keine Entscheidungen getroffen, sondern verzögert. »Das große Warten auf die electronica hat begonnen«, meint Graf von Reischach, der vor dem ersten Quartal 2009 keine Besserung sieht: »Für den Arbeitsmarkt heißt das Stagnation, obwohl 20.000 Ingenieure fehlen.« Deutsche Elektronikfirmen hätten nach wie vor großen Bedarf an Ingenieuren, suchten auch weiterhin, doch rekrutierten sie derzeit nicht, so seine Beobachtung. Man warte ab, um im geeigneten Moment die Trümpfe auszuspielen – also die am besten passenden Bewerber dann einzustellen, wenn die Konjunktur wieder Rückenwind hat.

Welche Konsequenzen hat diese abwartende Stimmung auf die Gehälter? »Auch die Einkommen stagnieren«, sagt Graf von Reischach. Das sieht auch Tim Böger so, Geschäftsführer der Personalmarkt Services GmbH in Hamburg, der jedoch eine Einschränkung macht: »Die Gehälter von Geschäftsführern und Führungskräften werden weiterhin steigen, wenn auch in geringerem Ausmaß. Still stehen werden hingegen die Gehälter der Fachkräfte.«

Ab welcher Hierarchieebene die Stagnation auch beginnen mag – das Ausgangsniveau ist so schlecht wiederum nicht. Das gilt vor allem für Ingenieure im Bereich ASICs. Ingenieure, die Full-Custom-, Semicustom-ICs, FPGAs, PALs, PLDs oder Gatearrays entwickeln – also Design-ingenieure –, beim Kunden einsetzen (Field-Application-Ingenieure) oder verkaufen, sind besonders begehrt. »Bereits die Einstiegsgehälter liegen zwischen 48.000 und 53.000 Euro jährlich und schnellen innerhalb weniger Jahre in entsprechenden leitenden Außendienstpositionen, zum Beispiel für den Application Manager mit vier Jahren Produkterfahrung, auf 145.000 Euro«, erklärt Graf von Reischach. 

Die auf die Elektronikbranche spezialisierte Beratungsgesellschaft, die 2008 das 30-jährige Firmenjubiläum begeht, veröffentlicht jährlich den einzigen, sehr detaillierten »Gehaltsvergleich in der Hi-Tech-Industrie«. Dabei schlüsselt Interconsult die Elektronikbranche in 15 Branchen-Bereiche auf, darunter aktive, passive und elektromechanische Bauelemente, Distribution für elektronische Bauelemente, ASICs, Mikroprozessorsysteme, Netzwerktechnologie, Automatisierungstechnik, EDA (Electronic Design Automation) oder ATE (Automatic Test Equipment).


  1. Gehälter in der Elektronikbranche weiter auf hohem Niveau
  2. Angststarre in Deutschland
  3. Variable Vergütung liegt weiterhin im Trend
  4. Wer bekommt die Boni?