Fab4Micro

X-Fab erhält Förderung für Erfurt

24. Juni 2026, 09:02 Uhr | Iris Stroh
Foto des X-Fab-Eingangs
© X-Fab

Einen Förderbescheid über 127,4 Mio. Euro haben Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John und Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn in Erfurt an X-FAB MEMS Foundry übergeben.

Diesen Artikel anhören

Mit der Förderung von Bund und Freistaat Thüringen wird die Erweiterung der Fertigungskapazität mit dem Bau eines neuen Reinraums am Standort Erfurt unterstützt. Das Vorhaben »Fab4Micro« zählt zu den bedeutendsten Industrieinvestitionen der vergangenen Jahre in Thüringen. Die EU-Kommission hatte im Dezember 2025 grünes Licht für die Förderung gegeben. Das Projekt gilt als wichtiger Baustein des »European Chips Act« (ECA), mit dem Europa seine technologische Unabhängigkeit bei Halbleitern stärken will.

Die neue Produktionsstätte soll bis Ende 2028 die erste Produktion aufnehmen. Damit erweitert X-Fab seine Fertigungskapazität für MEMS (Mikro-Elektro-Mechanische-Systeme), hochintegrierte Mikrosysteme und Photonik. Darüber hinaus entstehen neue Fertigungsmöglichkeiten für besonders leistungsfähige Mikrosysteme, die mithilfe heterogener Integrationstechnologie zahlreiche elektronische und optische Funktionen in einem einzigen Bauteil vereinen, wie sie beispielsweise für Rechenzentren oder optische Systeme benötigt werden. Das Fab4Micro-Projekt trägt auch dazu bei, neue hochqualifizierte Arbeitsplätze im Bereich Mikrosysteme zu schaffen.

»Die bewusste Investitionsentscheidung zu Gunsten des Erfurter Standorts zeigt: Der Freistaat wird als wettbewerbsfähiger Industriestandort wahrgenommen und bietet optimale Investitionsbedingungen. Damit etabliert sich Thüringen weiter als bedeutender Mikroelektronik- und Halbleiterstandort im Herzen Europas und sichert hochwertige Produktion und Arbeitsplätze in Thüringen«, sagte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt. »Zugleich ist Fab4Micro ein Schlüsselprojekt für die technologische Souveränität Deutschlands und Europas. Wer bei den Technologien von morgen unabhängig sein will, muss sie auch selbst entwickeln und produzieren können. Genau dafür steht diese Investition in Erfurt.«

»Wir danken der Bundesregierung und dem Freistaat Thüringen sehr für ihr Engagement, das unser Projekt Fab4Micro möglich macht. Die Förderung ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, unseren Standort Erfurt zum Mikrosystem-Hub von X-Fab auszubauen. Als der Ort, an dem die Geschichte von X-Fab vor mehr als 30 Jahren begann, hat Erfurt für unser Unternehmen eine besondere Bedeutung – und diese Investition ist ein starkes Bekenntnis zu seiner Zukunft«, sagte Damien Macq, CEO der X-Fab-Gruppe. »Sie unterstützt unsere Strategie der Spezialisierung und Diversifizierung und stärkt einen Standort weiter, der bereits heute als Kompetenzzentrum für Mikrosystemtechnik anerkannt ist. Der neue Reinraum ermöglicht es uns, Kapazitäten und Fähigkeiten schrittweise auszubauen – im Einklang mit der Nachfrage und der Beteiligung unserer Kunden. Mit unserer Expertise in heterogener Integration und Wafer-Level-Packaging unterstützt das Fab4Micro-Projekt auch unsere Aktivitäten in Wachstumsmärkten wie der Photonik für Rechenzentren.«

Dr. Gabriel Kittler, Geschäftsführer von X-Fab am Standort Erfurt, ergänzte: »Wir schaffen die Grundlage für die Fertigung innovativer Mikrosystem- und Photoniklösungen im industriellen Maßstab und stärken damit Erfurts Rolle im Halbleiter-Ökosystem in Thüringen, Deutschland und Europa. Mit Zugang zu fortschrittlichen Integrations- und Packaging-Technologien sowie zu entsprechenden Fertigungskapazitäten – auch für kleine und mittlere Unternehmen, die in ihren Märkten häufig Hidden Champions sind – leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Souveränität Europas in der Mikroelektronik.«

Der Weg bis zur heutigen Bescheidübergabe sei lang und anspruchsvoll gewesen, machte Wirtschaftsministerin Colette Boos-John deutlich. X-Fab gehörte zu den ersten deutschen Unternehmen, deren Projekte im Rahmen des European Chips Act im vergangenen Jahr die beihilferechtliche Genehmigung erhalten haben. Der Freistaat Thüringen hat das Projekt von Anfang an intensiv begleitet und engagiert sich auch förderseitig in erheblichem Umfang.« Während der Bund rund 80,3 Millionen Euro bereitstellt, kommen aus Thüringen weitere 47,1 Millionen Euro. Damit hat der Freistaat einen deutlich höheren Förderanteil übernommen als ursprünglich vorgesehen und trägt auf diese Weise maßgeblich dazu bei, dass das Vorhaben umgesetzt wird. »Fab4Micro ist ein Leuchtturmprojekt für Thüringen und Europa«, so Boos-John weiter. »Die Förderung ist gut angelegtes Geld. Die Investition stärkt unsere technologische Unabhängigkeit in einem strategisch entscheidenden Zukunftsmarkt und sichert die langfristige Perspektive des Standorts Erfurt.«

Die heutige Förderbescheidübergabe zeige auch: »Thüringen kann anspruchsvolle Industrieprojekte erfolgreich begleiten – von der ersten Projektidee über die europäischen Genehmigungsprozesse bis zur eigentlichen Investitionsentscheidung. Gemeinsam mit X Fab, dem Bund und den europäischen Institutionen sind in vergleichsweise kurzer Zeit alle Weichen gestellt worden, damit diese Zukunftsinvestition nunmehr in Erfurt realisiert werden kann«, so die Wirtschaftsministerin.

Der Freistaat ist ein traditionsreicher Mikroelektronikstandort in Deutschland. Aktuell sind in Thüringen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg mehr als 70 Unternehmen im Bereich der Halbleiterfertigung ansässig – vom Design und dem Produktprototyping über die Fertigung und das Packaging bis hin zur Volumenproduktion integrierter Schaltkreise. Hinzu kommen enge Verknüpfungen zur Sensorik, Optik und Photonik einschließlich des verbundenen Sondermaschinenbaus sowie zu den Materialwissenschaften und der Werkstofftechnik.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn: »X-Fab gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Industrieunternehmen unserer Stadt. Die Entscheidung für den Ausbau in Erfurt ist ein starkes Signal für den gesamten Wirtschafts- und Technologiestandort. Sie stärkt die industrielle Basis und erhöht die internationale Sichtbarkeit Erfurts als Hightech-Standort. Nun gilt es, auch die Zugkraft dieser Großinvestition für die Stadt zu nutzen.«


Lesen Sie mehr zum Thema