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Halbleiter-Fabs

Buhlen um Milliarden

Arbeiter in einer Intel-Fab
Arbeiter in einer Intel-Fab
© Intel

Intel erwägt die Errichtung einer Halbleiterfabrik in Europa. Im Ringen um Subventionen liegt jetzt eine Studie auf dem Tisch, die beziffert, wie viel die EU zuschießen müsste.

Die Studie hat Intel beim Marktforschungsunternehmen Kearney in Auftrag gegeben. Sie trägt den Titel »Europa muss dringend in ein modernes Halbleiter-Ökosystem investieren«. Wenig überraschend prognostiziert die Studie einen stark steigenden Halbleiterbedarf in der Dekade von 2020 bis 2030. Im Bereich größerer Strukturbreiten, die z.B. für Leistungshalbleiter benötigt werden, ist Europa dabei sogar recht gut aufgestellt. Laut der Studie wird der Bedarf aber besonders stark bei den neuesten Prozessknoten steigen, sprich: den Strukturbreiten unter 10 nm. In diesem Bereich ist Europa kein Mitspieler mehr auf den globalen Märkten.

»Die Chipkrise hat gezeigt, wie problematisch es für Europa ist, von nur drei Ländern abhängig zu sein: USA, China und Korea. Deshalb ist es nicht nur ökonomisch, sondern auch strategisch bedeutend, dass sich Europa hier unabhängiger macht,« sagt Johan Aurik, emeritierter Vorsitzender von Kearney.

Das soll die Studie untermauern: Demnach Europa gute Voraussetzungen bei der Infrastruktur, der Forschung und den Fachkräften. Defizite bestehen aber beim Chipdesign und bei den Fabriken. Europa hat keine Halbleiterfabrik mit »Leading-edge«-Technologie. Die Investitionen für eine 5-nm-Fab betragen etwa 18 Milliarden Euro. Sie steigen um ca. 30 Prozent von Prozessknoten zu Prozessknoten.

Ökonomisch würde sich eine Fabrik der Studie zufolge rechnen, weil neben ca. 3000 Arbeitsplätzen in der Fab weitere 14.000 bis 17.000 Arbeitsplätze in der Umgebung entstehen würden.

Relevante Anbieter

Amortisationszeit: 11 Jahre

Kearney-Studie: Kosten und Subventionen von Halbleiter-Fabs
Zwischen 5,3 und 9,5 Milliarden Euro schießen die Länder Asiens zu, wenn eine neue Halbleiterfabrik gebaut wird.
© Kearney


Ein staatliches Investment in eine Fab würde sich laut der Studie innerhalb von 11 Jahren amortisieren, denn – und jetzt wird es interessant – innerhalb dieser Zeit würden die Fab und Zulieferer bzw. Umfeld Steuereinnahmen von 7 bis 9 Milliarden Euro generieren. Das wäre also der Subventionsbedarf, mit dem die Studie kalkuliert.

In diese Größenordnung geht auch ein internationaler Vergleich der Gesamtbetriebskosten über eine Dauer von 10 Jahren (Bild). Demnach betragen diese für eine 5-nm-Fab in der EU 29 Milliarden Euro. In Südkorea, Taiwan und China liegen die Kosten niedriger, zwischen 17,8 und 21,8 Milliarden. Die dortigen Regierungen schießen 5 und 9,5 Milliarden zu. Nachdem die Kosten eine EU-Fab am höchsten sind, wird sich also auch die Erwartung von Subventionen eher am oberen Limit bewegen.


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