Kontaktlos berührt

Halbleiterforschung trifft auf Deutsches Meeresmuseum

28. Juni 2022, 10:14 Uhr | Iris Stroh
Außenansicht des OZEANEUM in Stralsund
Außenansicht des OZEANEUM in Stralsund
© Anke Neumeister/Deutsches Meeresmuseum

Nicht nur Industrieunternehmen sollen von der angewandten Forschung der Fraunhofer Gesellschaft profitierten, in Zukunft will das Fraunhofer IPMS seine Forschung verstärkt auch Kultureinrichtungen und damit der öffentlichen Gemeinschaft zur Verfügung stellen.

Entsprechend startete nun ein Pilotprojekt mit dem Deutschen Meeresmuseum. Zukünftig können die Besucher des OZEANEUM Stralsund dank einer Entwicklung des Fraunhofer IPMS kontaktlos virtuelle Pinguine füttern und somit digital »Meer« erleben.

Seit Anfang 2022 arbeiten das Fraunhofer IPMS in Dresden und das Deutsche Meeresmuseum mit seinem Standort OZEANEUM Stralsund zusammen. Innerhalb des Verbundprojekts »museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft« will das Deutsche Meeresmuseum Interaktionsmöglichkeiten mit seinen Besuchern schaffen, um sich sowohl digital als auch kulturell neu zu erfinden.

»Besonders die Pandemie hat die kontaktlose Interaktion mit unserer Ausstellung in den Fokus gerückt. Die plötzlichen Einschränkungen und notwendige permanente Desinfektion aller Bedienelemente im Museum - ob Touchscreen, Hebel oder Knöpfe – machte uns deutlich, wie viele Oberflächen überhaupt angefasst werden«, sagt Anke Neumeister, Projektkoordinatorin am Deutschen Meeresmuseum. Auf der Suche nach kontaktlosen Interaktionsmöglichkeiten wurde sie auf die Arbeiten des Fraunhofer IPMS aufmerksam. Deren Forschende entwickeln mikroskopisch kleine Strukturen zur Erzeugung von Ultraschall, welche bereits in verschiedensten kommerziellen Systemen zur Gestensteuerung eingesetzt werden. »Kontaktlose Steuerungssysteme haben ein hohes Potenzial dafür, die digitale Entwicklung in Museen zu unterstützen«, erklärt Anke Neumeister. Tauglich für den breiteren Einsatz im Museum werden sie jedoch erst durch Steuerungstechnologien, die auch bei schwierigen Lichtverhältnissen oder geringem Raumangebot zuverlässig funktionieren und dabei eine intuitive sowie gleichzeitig hygienische Bedienung ermöglichen. Innerhalb der digitalen Veranstaltung »Kontaktlos berührt« hatten die beiden Partner gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU sowie dem Futurium dieses Thema bereits intensiv diskutiert und einen Einblick in die Gestensteuerung gewährt.

Gestensteuerung lässt Museumsbesucher kontaktlos und digital »Meer« erleben

Innerhalb des Teilprojekts unter dem Namen »(Digital) Meer erleben« entwickelte das Fraunhofer IPMS einen Demonstrator, welcher Museumsbesucher mit einer Handbewegung einen Pinguin steuern lässt. Dabei bewegt der Nutzer ihn auf der Suche nach Sprotten für sein Küken zielgerichtet durchs Wasser. »Die am Institut entwickelte ultraschallbasierte Technologie setzt vertraute Gesten als Steuerungsbefehle ohne Kontakt zu einer Oberfläche um«, erläutert der Projektleiter Marco Kircher.

Am 24.6.2022 fand die offizielle Werkschau des Projekts »museum4punkt0« im Haus Bastian des Zentrums für kulturelle Bildung in Berlin statt. Dabei erfolgte auch die Übergabe des Demonstrators an das Deutsche Meeresmuseum. »Wir freuen uns auf den interdisziplinären Austausch mit den anderen Teilnehmern. Mit dieser Zusammenarbeit präsentieren wir die Machbarkeit des Einsatzes neuartiger angewandter Forschungsergebnisse in kulturellen Einrichtungen und ermöglichen der Öffentlichkeit einen Blick hinter die Kulissen der Forschungslandschaft«, sagt Marco Kircher. »Mit der Übergabe des Demonstrators wurden aktuelle Forschungsergebnisse den Besuchern zur Verfügung gestellt und es kommt zum Schulterschluss zwischen Forschung, Kultur und Wissenschaft«, fährt er fort.

Schon bald können Besucher des OZEANEUM Stralsund dem virtuellen Pinguin helfen, sein Küken zu füttern. Innerhalb des Kooperationsprojekts soll nun ermittelt werden, ob und wie Museumsgäste diese Interaktionsform annehmen. Die Erprobung wird mit Befragungen begleitet. Deren Ergebnisse werden sowohl in die Ergebnispublikation von »museum4punkt0« als auch in die weitere Technologieentwicklung am Fraunhofer IPMS einfließen. Damit können wichtige Informationen für weitere Entwicklungen mit Fokus auf Museen als mögliche Adressaten eines marktreifen Produkts gewonnen werden.


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