Bauelemente: Future Horizons

2011: Business as usual

5. Januar 2011, 15:38 Uhr | Iris Stroh
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Fortsetzung des Artikels von Teil 1

2011: Business as usual

Zahlen zum weltweiten Markt zwischen 2005 und 2011
Zahlen zum weltweiten Markt zwischen 2005 und 2011
© Future Horizonssind

Doch bei allen optimistischen Tönen weist Penn dennoch auf ein paar Wolken am Horizont hin, die man zumindest im Auge be­halten sollte. So fragt Penn erneut: »Steht eventuell eine wirkliche wirtschaftliche Rezession direkt vor unserer Tür?« Diese Überle­gungen hält er für angebracht, weil es seiner Meinung nach di­verse Gründe gibt, die dazu füh­ren könnten. In diesem Zusam­menhang führt er beispielsweise die hohen Schulden der alteinge­sessenen Wirtschaftsregionen an. Die müssen zurückgezahlt wer­den, so seine Forderung. Hinzu kommt noch, dass irgendwann auch die Zinssätze wieder steigen müssen, was unwillkürlich zu ei­ner Verlangsamung des Wirt­schaftswachstums führt. Aller­dings fügt Penn gleich hinzu, dass er selbst nicht weiß, wann dies der Fall sein wird.

Penn rät grundsätzlich, dass sich die Industrie mehr an die fun­damentalen Dinge halten sollte. Dazu zählt er beispielsweise das Stückzahlwachstum, das seit mehr als 25 Jahren bei zirka 11 Prozent liegt. Dieser Wert stimme zwar kurz und mittelfristig nicht, aber es sei sowieso falsch, auf­grund von kurzfristigen Entwick­lungen langfristige Entscheidun­gen zu fällen. Als fundamental bezeichnet Penn auch die Zeit­konstante, die zwischen der In­vestition in zusätzliche Kapazitä­ten und der Nutzung dieser Kapa­zitäten liegt. Penn: »Die Fab-Kapa­zitäten sind immer noch knapp und das schon seit sechs Quarta­len.« Und das wird wohl auch so bleiben, denn auch wenn die Um­sätze der Equipment-Industrie im letzten Jahr um rund 150 Prozent gestiegen sind, befindet sich die Halbleiterindust­rie immer noch unter ihrer langfristigen Trendlinie. Penn: »Die erfolgten Kapi­talinvestitionen waren zu gering und zu spät.«

Penn weist noch auf eine anderen Punkt hin, den er für fundamental wichtig hält: So sei es zwar richtig, dass laut Marktda­ten die ASPs sinken, aber man solle sich hüten, dar­aus die falschen Rück­schlüsse zu ziehen. Das heißt nämlich nicht, dass die ASPs immer nur sin­ken. Das geht schon des­halb nicht, weil die ASPs irgendwann auch die Null­linie erreichen würden, und dass ein Halbleiter­hersteller beim Verkauf sei­ner ICs noch einen Obolus zahlen muss, hält Penn doch für sehr un­wahrscheinlich. Und außerdem seien die ASPs auch immer mal wieder gestiegen. Penn: »Die ASPs haben im vierten Quartal 2009 aufgehört, zu sinken. Das glaubt nur niemand.«

Und nachdem der Halbleiter­markt schlussendlich auch auf der Psyche seiner Akteure beruht, befürchtet Penn, dass die schlech­te Stimmung in der Industrie auch in schlechte Umsatzzahlen um­schlagen könnte. »Mathematik und Logik mögen das eine sagen, wenn der Kopf etwas anderes tut, wird es schwierig. Ich kann nur sagen: Meine Herren, bitte mehr Leidenschaft! Die Tage des Wachs­tums haben erst begonnen.«

Die positive Einschätzung ba­siert auf dem Wissen, dass der Bedarf an Halbleitern schier uner­füllbar ist – und hier würden wahrscheinlich auch die Pessi­misten nicht widersprechen. Die Frage ist nur, was die Industrie daraus macht, Ende des Jahres wissen Malcolm Penn und alle anderen mehr.


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