Doch bei allen optimistischen Tönen weist Penn dennoch auf ein paar Wolken am Horizont hin, die man zumindest im Auge behalten sollte. So fragt Penn erneut: »Steht eventuell eine wirkliche wirtschaftliche Rezession direkt vor unserer Tür?« Diese Überlegungen hält er für angebracht, weil es seiner Meinung nach diverse Gründe gibt, die dazu führen könnten. In diesem Zusammenhang führt er beispielsweise die hohen Schulden der alteingesessenen Wirtschaftsregionen an. Die müssen zurückgezahlt werden, so seine Forderung. Hinzu kommt noch, dass irgendwann auch die Zinssätze wieder steigen müssen, was unwillkürlich zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums führt. Allerdings fügt Penn gleich hinzu, dass er selbst nicht weiß, wann dies der Fall sein wird.
Penn rät grundsätzlich, dass sich die Industrie mehr an die fundamentalen Dinge halten sollte. Dazu zählt er beispielsweise das Stückzahlwachstum, das seit mehr als 25 Jahren bei zirka 11 Prozent liegt. Dieser Wert stimme zwar kurz und mittelfristig nicht, aber es sei sowieso falsch, aufgrund von kurzfristigen Entwicklungen langfristige Entscheidungen zu fällen. Als fundamental bezeichnet Penn auch die Zeitkonstante, die zwischen der Investition in zusätzliche Kapazitäten und der Nutzung dieser Kapazitäten liegt. Penn: »Die Fab-Kapazitäten sind immer noch knapp und das schon seit sechs Quartalen.« Und das wird wohl auch so bleiben, denn auch wenn die Umsätze der Equipment-Industrie im letzten Jahr um rund 150 Prozent gestiegen sind, befindet sich die Halbleiterindustrie immer noch unter ihrer langfristigen Trendlinie. Penn: »Die erfolgten Kapitalinvestitionen waren zu gering und zu spät.«
Penn weist noch auf eine anderen Punkt hin, den er für fundamental wichtig hält: So sei es zwar richtig, dass laut Marktdaten die ASPs sinken, aber man solle sich hüten, daraus die falschen Rückschlüsse zu ziehen. Das heißt nämlich nicht, dass die ASPs immer nur sinken. Das geht schon deshalb nicht, weil die ASPs irgendwann auch die Nulllinie erreichen würden, und dass ein Halbleiterhersteller beim Verkauf seiner ICs noch einen Obolus zahlen muss, hält Penn doch für sehr unwahrscheinlich. Und außerdem seien die ASPs auch immer mal wieder gestiegen. Penn: »Die ASPs haben im vierten Quartal 2009 aufgehört, zu sinken. Das glaubt nur niemand.«
Und nachdem der Halbleitermarkt schlussendlich auch auf der Psyche seiner Akteure beruht, befürchtet Penn, dass die schlechte Stimmung in der Industrie auch in schlechte Umsatzzahlen umschlagen könnte. »Mathematik und Logik mögen das eine sagen, wenn der Kopf etwas anderes tut, wird es schwierig. Ich kann nur sagen: Meine Herren, bitte mehr Leidenschaft! Die Tage des Wachstums haben erst begonnen.«
Die positive Einschätzung basiert auf dem Wissen, dass der Bedarf an Halbleitern schier unerfüllbar ist – und hier würden wahrscheinlich auch die Pessimisten nicht widersprechen. Die Frage ist nur, was die Industrie daraus macht, Ende des Jahres wissen Malcolm Penn und alle anderen mehr.