Bauelemente: Future Horizons

2011: Business as usual

5. Januar 2011, 15:38 Uhr | Iris Stroh
Penn Malcolm Future Horizons
© Future Horizons

Malcolm Penn, President und CEO von Future Horizons, ver­gleicht die Krise in 2008/2009 mit einem Unfall auf der Auto­bahn: Dieser hätte die Wirtschaft zwar kurzfristig zum Stillstand gebracht, aber nachdem »die Trümmer« aus dem Weg geräumt gewesen wären, sei wieder Normalität eingekehrt. Einziger Un­terschied zu vorher: Die Stimmung in der Industrie sei deutlich gedämpfter.

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Dementsprechend befindet sich auch der Halbleitermarkt seit dem dritten Quartal 2009 eigentlich wieder dort, wo er vor dem Leh­man-Brothers-Crash war. Penn: »Das war ein Pause über die drei Quartale Q4/08, Q1/09 und Q2/09 und keine klassische Rezession im Halbleitermarkt.« Das wieder­um bedeutet, dass auch die vor dem Crash vorherrschenden Be­dingungen heute wieder Bestand haben. Penn: »Die Halbleiterin­dustrie war vor der Krise in er­staunlich guter Verfassung. Heute sind fast die gleichen Vorausset­zungen wieder anzutreffen, nur die Psyche hat sich ins Negative verändert.« Konkret zeichnet sich die Halbleiterindustrie seiner Mei­nung nach durch folgende Eigen­schaften aus – und dies gilt für die Zeit vor dem Lehman-Brothers-Crash und für heute:

  • Die Kunden der Halbleiterin­dustrie fragen weiterhin enorme Stückzahlen nach, ohne dass ir­gendwelche überschüssigen La­gerbestände aufgebaut worden wären;
  • Die Wafer-Fab-Kapazitäten sind begrenzt – es finden keine zu hohen Investitionen in Überkapa­zitäten statt;
  • die ASPs erholen sich (struk­turbedingt);
  • stabile Weltwirtschaftslage (die bewusst verlangsamt wird).

Soweit zum Status-quo in der Halbleiterindustrie. Wie sieht es mit der Weltwirtschaft aus? Gut! Denn für dieses Jahr wird eine Wachstumsrate von 4,2 Prozent für das globale Bruttoinlandspro­dukt vorhergesagt. Jetzt könnten Kritiker anmerken, dass dieser Wert unter dem von 2010 liegt, denn so wie es aussieht, waren es im 2010 rund 4,8 Prozent. Aber hier hält Penn dagegen, dass zum einen die 4,8 Prozent hoch seien und zum anderen die für dieses Jahr prognostizierten 4,2 Prozent immer noch den Durchschnitts­wert übersteigt, der bei 3,4 Pro­zent liegt. Und auch wenn sich weltweit das Wirtschaftswachs­tum verlangsamt hätte, sei das zwar technisch gesehen richtig, Fakt sei aber auch, dass eine Wachstumsrate von 4,8 Prozent nicht haltbar ist.

Der Halbleitermarkt wächst langsamer – aber er wächst!

Für den Halbleitermarkt prog­nostiziert Penn einen weltweiten Umsatzzuwachs von 6 Prozent. Penn mahnt abermals: »Jeder der diese 6 Prozent Wachstum in die­sem Jahr als Abschwung empfin­det, der irrt sich gewaltig. Genau das Gegenteil ist der Fall, wir keh­ren einfach wieder zum Business as usual zurück.« Natürlich seien die 6 Prozent von diesem Jahr deutlich weniger als die 34 Pro­zent vom letzten Jahr, aber das heiße trotzdem nicht, dass ein er­neuter Abschwung eingeläutet wurde. Denn die Wachstumsrate vom letzten Jahr sei nur deshalb so hoch ausgefallen, weil ein enormer Nachholbedarf bestand.

Folgt man Penns Überlegungen und ignoriert die drei Quartale Achterbahnfahrt und legt der Ein­fachheit halber eine direkte Ver­bindung zwischen den Umsätzen in Q3/08 und Q3/09, dann sieht man, dass sich der Markt mehr oder minder wieder auf dem Ni­veau befindet, auf dem er auch vor der Krise war. Das beweist für Penn, dass der Halbleitermarkt sehr stabil ist, und damit seien die 6 Prozent Plus in diesem Jahr durchaus akzeptabel. Penn mahnt: »Es wäre vollkommen falsch, wenn die Unternehmen nach einem Wachstum von über 30 Prozent im letzten Jahr und nur 6 Prozent in diesem Jahr, die Hälfte ihrer Belegschaft entlassen würden, denn ich betone noch einmal: es handelt sich um keinen Abschwung.« Penn fügt sogar noch hinzu, dass die 6 Prozent eigentlich ein Kompromisswert sind. Denn es gäbe vieles, was für ein höheres Wachstum spricht. Aber da sich die Entwicklung bei den Speichern derzeit sehr schlecht vorhersagen ließe (die Entwicklung bei den Speichern kann 20 Mrd. Dollar mehr oder weniger bedeuten), seien die 6 Prozent ein guter Mittelwert. Im schlechtesten Fall hält Penn übri­gens immer noch ein Wachstum von gut 1 Prozent für möglich, und im besten Fall wären auch 10 Prozent drin.


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