Keine Energie mehr aus Russland?

„Würde Wirtschaft ins Mark treffen“

9. März 2022, 12:48 Uhr | Karin Zühlke
Flagge Deutschland, Russland
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Die IHK München warnt vor übereilten Schritten in Bezug auf die russischen Energielieferungen. Man habe keine kurzfristigen Alternativen zu russischen Energie-Importen.

In der Debatte um den Stopp von Energielieferungen aus Russland mahnt die IHK München zu Augenmaß und Realitätssinn.

„Ein Stopp der Energielieferungen aus Russland würde die bayerische Wirtschaft ins Mark treffen. Nochmalige Preisexplosionen für Wirtschaft und Verbraucher sowie Rationierungen und damit auch Stilllegungen von industriellen und gewerblichen Produktionen stünden dann unvermeidlich und für unabsehbare Zeit an der Tagesordnung“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Die jetzigen Turbulenzen und Preisschübe auf den Energiemärkten sind erst ein Vorbote der Verwerfungen, die sich etwa durch ein Embargo für russisches Erdgas und Erdöl ergeben würden.“ Beide Energieträger stehen für 60 Prozent des bayerischen Energiebedarfs. Erneuerbare Energien tragen 22 und die Kernenergie aktuell noch 13 Prozent zum bayerischen Primärenergieverbrauch bei. Industrie und Gewerbe stehen für etwa die Hälfte des Erdgasverbrauchs in Deutschland.

„Für energieintensive Branchen wie Chemie, Glas, Keramik, Metallbe- und verarbeitung und Nahrungsmittelindustrie ist die Erdgasversorgung zu bezahlbaren Preisen überlebenswichtig“, so Gößl weiter. „Wir brauchen eine ehrliche Diskussion über die Zukunft unserer Energiesicherheit ohne vorschnellen Ausschluss der noch verbleibenden Optionen. Bundeswirtschaftsminister Habeck sagt richtig, dass im Zweifel kurzfristig Versorgungssicherheit vor Klimaschutz gehen muss. Gleichzeitig muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit auch die stärkere Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen mit Hochdruck vorangetrieben werden – dies wird aber Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern“, sagt der IHK-Chef. Laut IHK-Berechnungen wären in ganz Deutschland 50 Atommeiler oder 35.000 Windkraftanlagen an Land notwendig, um die gleiche Energiemenge zu erzeugen wie mit den russischen Erdgasimporten von zuletzt etwa 480 Terawattstunden pro Jahr.


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