Kommentar 5G-Infrastruktur: Bitte ohne Huawei

Die Entscheidung der Bundesregierung, den chinesischen Telekom-Riesen Huawei nicht generell von der deutschen 5G-Infrastruktur auszuschließen, ist aus Sicht von Elektronik-Chefredakteur Frank Riemenschneider ein großer Fehler. Die Gründe finden Sie in diesem Kommentar.

Dass in Deutschland gerade eine lebhafte Diskussion geführt wird, ob man für unsere zukünftige 5G-Infrastruktur Komponenten des chinesischen Telco-Riesen Huawei nutzen dürfe, ohne die nationale Sicherheit zu kompromittieren, zeigt einmal mehr die Mikroelektronik-Abhängigkeit Deutschlands vom Silicon Valley und Asien. Tatsächlich können wir – auch dank der Mikroelektronik-unfreundlichen deutschen Politik der letzten Dekaden – de-facto nur zwischen dem teureren US-Anbieter Cisco (und NSA-Backdoor?) und dem billigeren Chinesen Huawei (mit Standleitung zur KP?) wählen, statt eigene deutsche Produkte einsetzen zu können.

Warum ich für Cisco und gegen Huawei plädiere, das hat mehrere Gründe: Unabhängig davon, wer was abhört, sind die USA mmerhin ein demokratischer Staat, in dem die Regierung für ihre Handlungen zumindest theoretisch zur Verantwortung gezogen werden kann. China hat hingegen ein autokratisches Regime, das niemals von seinem Volk oder anderen Staaten zur Verantwortung gezogen werden kann.

Zweitens unterhält Huawei beste Beziehungen zu Regierung und Armee. Konzerngründer Ren Zhengfei ist Mitglied der KP und trat während der Kulturrevolution in die Armee ein. Bis zur Gründung von Huawei im Jahr 1987 arbeitete er beim Militär als Technologieexperte.

Das chinesische Gesetz zur Cybersicherheit verpflichtet sowohl lokale als auch ausländische Firmen, „Daten auf lokalen Servern nach chinesischem Recht zu speichern und auf Anfrage mit den nationalen Sicherheitsbehörden Chinas zusammenzuarbeiten“. So ist es sogar denkbar, dass auch die Huawei-Niederlassungen in Deutschland und anderen europäischen Staaten ihre Daten an chinesische Behörden übermitteln müssen.

Natürlich kann man immer argumentieren, dass letztendlich nicht bewiesen ist, dass diese Möglichkeiten auch tatsächlich genutzt werden. Sie können aber benutzt werden. Wenn das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nach Ansicht der Politik die Sicherheit der Huawei-Komponenten überprüfen soll, möge man mir erklären, welcher BSI-Mitarbeiter Milliarden Transistoren auf den verbauten SoCs und FPGAs reengineeren soll, um deren Funktionalität gegen die Spezifikation zu validieren.

Das Vertrauen in US-Chips ist in China im Gegensatz zu Deutschland übrigens limitiert: Intel kam mit seinen Server-Prozessoren Xeon erst dann für sicherheitssensitive Rechenzentren ins Geschäft, als man zustimmte, die Spezifikationen so offenzulegen, dass man in China eine Hardware darumbauen konnte, welche die CPU in Echtzeit überwacht (https://bit.ly/2luNFIz).

Huawei hat beim Thema 5G große Kompetenz und bietet zudem den niedrigsten Preis. Kein Huawei heißt, es wird teurer und es gibt zeitliche Verzögerungen. Die mindestens seit zwei Jahren andauernde Kampagne, bei der über gehackte Websites eine Spionagesoftware auf den iPhones der Besucher installiert wurde, und die einseitige Aufkündigung der chinesisch-britischen „Gemeinsamen Erklärung“ von 1984 sind aber nur zwei aktuelle Beispiele, was im Zweifel von der Regierung in Peking zu erwarten ist. 5G ist kritisch für die deutsche Industrie und für Huawai darf dort aus meiner Überzeugung kein Platz sein.