Kommentar Cypress und Spansion schließen Fusion ab - die Zukunft bleibt unsicher

Platz 24: Thurman J. ("T.J.") Rodgers (Cypress) Gesamteinkommen 2.996.266 Dollar, 4,1 Prozent vom Umsatz und 19,5 Prozent vom Gewinn.
Cypress' CEO Thurman J. ("T.J.") Rodgers will nach dem Kauf von Spansion jährlich 135 Mio. Dollar einsparen.

Die Mathematik von T.J. Rodgers, CEO von Cypress Semiconductor, hat ihre eigenen Regeln: Den Kauf von Spansion beschreibt Rodgers mit der Gleichung 1+1=3, ob diese aufgehen wird, bleibt allerdings zweifelhaft.

Cypress Semiconductor und Spansion haben vermeldet, dass die Fusion beider Unternehmen abgeschlossen ist. Die Transaktion, die in einem steuerfreien Aktientausch vonstatten ging, hat einen Wert von rund 5 Mrd. Dollar. Durch Synergien soll der Zusammenschluss innerhalb von drei Jahren mehr als 135 Millionen Dollar jährlich an Kosten einsparen. Thurman J. Rodgers, CEO und President von Cypress und im Silicon Valley nur unter der Abkürzung „T.J.“ bekannt, glaubt, die „Marktführerschaft in Embedded Processing und spezialisierten Speicherlösungen“ ausbauen und die Marktpräsenz in den Bereichen Automotive, Industrie, Consumer, Handsets und Wearables für das Internet der Dinge deutlich ausbauen zu können.

Seine Gleichung 1+1=3 begründete er damit, dass Cypress nach der Fusion die weltweite Nummer drei der Chiplieferanten für Speicher und Mikrocontroller im Automotive Segment sei. Die Nummer eins bei SRAMs plus die Nummer eins bei NOR Flash ergebe die Nummer drei insgesamt.

Nimmt man die Situation genauer unter die Lupe, sieht die Sache schon weniger rosig aus, als sie Rodgers nachvollziehbar in leuchtenden Farben beschreibt. Zum einen hat er sich eine Scheibe des Gesamtmarktes (Mikrocontroller PLUS Speicher) ausgesucht, welche die größte Konkurrenz ausblendet, weil die größten Automotive-MCU-Hersteller gar keinen Speicher anbieten und deswegen bei der Betrachtung Mikrocontroller PLUS Speicher aus dem Vergleich herausfallen.

Betrachtet man die Automotive-Mikrocontroller alleine, denen der Marktforscher ICInsights in den nächsten Jahren ein fast zweistelliges Prozent-Wachstum zutraut, hat Cypress im Vergleich zu Infineon, Renesas, Freescale und Texas Instruments einen fast vernachlässigbaren Marktanteil.

Anders sieht es bei SRAM und NOR-Flash aus: Diese beiden Produktkategorien werden laut ICInsights schon 2014 unter Umsatzrückgängen von 13 bzw. sogar 17 Prozent leiden und damit zu den sich am schlechtesten entwickelten Produktkategorien überhaupt zählen. Selbst wenn man wie Cypress in einem schrumpfenden Markt die Nr.1 ist, macht es die Sache nicht besser.

Und last but not least: Wie Rodgers auf die Beschreibung der „Marktführerschaft im Embedded Processing“ kommt, bleibt wohl sein Geheimnis. Ein Gesamtumsatz im Jahr 2014 in Höhe von 725 Mio. Dollar für Cypress sowie 1,25 Mrd. Dollar für Spansion ergeben in Summe 2 Mrd. Dollar, alleine die Embedded-Processing-Sparte von TI erzielte beispielsweise 2,74 Mrd. Dollar Umsatz im gleichen Zeitraum.

Nimmt man die Ergebnisse von Cypress und Spansion zusammen, erzielten sie 2014 einen Verlust von 37 Mio. Dollar, der sich aus minus 55 Mio. Dollar auf Seiten Spansions und 17,9 Mio. Dollar Gewinn auf Seiten Cypress zusammensetzt. Die von T.J. Rodgers und seinen Vorstandskollegen erwirtschaftete Umsatzrendite betrug somit 2,47 Prozent, was deutlich unter der größeren Konkurrenz von Freescale, TI & Co. liegt.

Lassen Sie uns für 2015 ein Best-Case-Szenarion berechnen: Selbst wenn man es schaffen würde, die Umsätze nach dem Merger 1:1 zu retten und tatsächlich 2015 gemeinsam 2 Mrd. Dollar umsetzen würde und unter der mehr als optimistischen Annahme, dass man – vermutlich primär durch Personalabbau – 135 Mio. Dollar einsparen und die Restrukturierungskosten 0 Dollar betragen würden, käme man auf einen Gewinn von unter 100 Mio. Dollar, was einer Umsatzrendite von maximal 5 Prozent entsprechen und damit immer noch deutlich unter dem Wettbewerb liegen würde.

Ob die von T.J. Rodgers beschriebenen blühenden Landschaften Realität werden, erscheint somit zweifelhaft.

Die zu Cypress gewechselten rund 3.700 Mitarbeiter von Ex-Spansion wünschen sich vermutlich, nachdem ja schon 3.000 ihrer Ex-Kollegen im Jahr 2009 im Rahmen des damals gestellten Insolvenzantrages entlassen wurden, tatsächlich die Branchenführerschaft ihres neuen Arbeitgebers. Dass aus dem Wunsch Realität werden könnte, bleibt jedoch zweifelhaft.