Nach Übernahme von Elna

Taiyo Yuden bietet MLCCs und Elektrolytkondensatoren an

5. Mai 2026, 08:36 Uhr | Engelbert Hopf
Harald Sauer von Taiyo Yuden
Harald Sauer, Taiyo Yuden: »MLCCs und Aluminium-Elektrolytkondensatoren repräsentieren rund 90 Prozent des weltweiten Kondensatorbedarfs. Wir können beides nun aus einer Hand anbieten und haben in Europa dabei vor allem das Automotive-Segment im Auge. «
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Vor knapp sieben Jahren hat Taiyo Yuden den japanischen Kondensatorhersteller Elna komplett übernommen. Seit Ende 2025 ist das gemeinsame Produktportfolio nun über die Vertriebskanäle von Taiyo Yuden erhältlich.

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Wie die Übernahme die Marktposition und das Technologieportfolio von Taiyo Yuden stärkt, erklärt Harald Sauer, Director Taiyo Yuden Europe.

Markt&Technik: Herr Sauer, Taiyo Yuden hat bereits 2019 den japanischen Kondensatorhersteller Elna übernommen. Aber erst jetzt wird dessen Produktprogramm über die Taiyo-Yuden-Vertriebsschiene in Deutschland angeboten. Warum diese Verzögerung?

Harald Sauer: Vorhandene kommerzielle Gründe und auch die nötigen Systemintegrierungen haben deutlich mehr Zeit beansprucht, als das ursprünglich angenommen wurde. Seit dem Jahresende 2024 konnten wir dann das volle Synergiepotenzial dieser Übernahme für uns nutzbar machen.

Können Sie noch einmal kurz die Beweggründe für diese Übernahme nennen? Gab es Angaben zur Höhe des Kaufpreises?

MLCCs und Aluminium-Elektrolytkondensatoren stehen für rund 90 Prozent des weltweiten Kondensatorbedarfs. Taiyo Yuden war traditionell ein MLCC-Spezialist mit einem marginalen Footprint im Bereich Elektrolytkondensatoren. Durch die Übernahme von Elna sind wir zu einem führenden Anbieter für Kondensatoren geworden, weil wir nun in der Lage sind, bis zu 90 Prozent des potenziellen Kondensatorbedarfs eines Kunden abzudecken. Mit den Aluminium-Polymer-Kondensatoren ist es uns zudem gelungen, unsere Position im Automotive-Bereich deutlich weiter auszubauen.

Zuvor vor allem als MLCC-Spezialist bekannt, hat sich Taiyo Yuden durch die Elna-Übernahme zu einem Kondensator-Haus entwickelt. Gibt es derzeit weitere Akquisitionspläne, um das Kondensatorportfolio weiter auszubauen?

Aktuell gibt es keine weiteren Akquisitionspläne, um das Portfolio von Taiyo Yuden noch weiter auszubauen.

Bis zur Übernahme waren die Produkte von Elna in Deutschland und Europa über die Distribution erhältlich. Gilt das auch weiterhin? Konzentriert sich Taiyo Yuden in Zukunft vor allem auf den Direktvertrieb, oder werden die Kondensatoren nach wie vor auch über die Distribution erhältlich sein?

Wir haben Elna eins zu eins in unsere Vertriebsnetz integriert. Direktkunden von Taiyo Yuden können nun auch direkt Produkte von Elna über unseren Vertrieb beziehen. Gleichzeitig kann nun unser gesamtes europäisches Distributionsnetz, dem mehr als ein Dutzend Distributoren angehören, beide Produktportfolios anbieten. Wir wollen nun die Synergiepotenziale nutzen, um unseren Verkauf sowohl von MLCCs als auch von Elektrolytkondensatoren über die gemeinsame Vertriebsschiene, im Direktgeschäft wie in der Distribution, nachhaltig zu steigern.

Worin liegen aus Ihrer Sicht die Vorteile, beide Technologien aus einer Hand anbieten zu können? Gibt es stark wachsende Überschneidungen zwischen den jeweiligen Anwendungsbereichen?

Nein, da es weder von der technischen Seite noch von den Applikationen her nennenswerte Überschneidungen zwischen den beiden Kondensatortechnologien gibt, sind wir nun in der Lage, dem Kunden in unserer Beratung für seine jeweilige Anwendung die technisch und kommerziell am besten passende Kondensatortechnologie anbieten zu können.

Sie sind traditionell, vor allem in Europa, mit Ihrem MLCC-Programm stark im Automotive-Bereich vertreten. Wie sehr hat sich da durch die Elna-Übernahme ihre Position im Wettbewerb verbessert?

Da auch Elna in Europa traditionell stark im Automotive-Geschäft vertreten war, hat das unsere Position im Automotive-Bereich in Europa noch einmal deutlich verbessert. Durch die Portfolio-Erweiterung ergeben sich nun für uns neue Ansatzmöglichkeiten im Gespräch mit führenden europäischen Automotive-Kunden, die zuvor nur Key-Kunden eines der beiden Unternehmen waren und denen wir nun beide Technologien aus einer Hand anbieten können.

Wie hoch ist eigentlich der Automotive-Umsatz von Taiyo Yuden weltweit? In Asien profitieren Sie derzeit vor allem vom AI-Boom. Wie wichtig könnte dieses neue Marktsegment in Zukunft für Sie werden?

Weltweit erzielen wir rund 30 Prozent unseres Unternehmensumsatzes im Automotive-Bereich. In Europa liegt unser Schwerpunkt ganz eindeutig auf dem Automotive-Geschäft, und damit ist unser Umsatz in diesem Bereich in Europa signifikant höher als die oben erwähnten 30 Prozent auf Unternehmensbasis. AI weisen wir bislang in unseren Umsätzen nicht gesondert aus. Umsätze aus diesem Bereich subsumieren wir bislang im Marktsegments „Information, Infrastructure and Industrial Equipment“. Dessen Umsatzanteil liegt bei etwa 20 Prozent. Wir gehen aber davon aus, dass sich AI in Zukunft wirklich zu einem der Schlüsselmärkte für Taiyo Yuden entwickeln könnte.

In den letzten Jahren hat Taiyo Yuden mit leitfähigen Polymer-Hybrid-Aluminium-Elektrolytkondensatoren von sich reden gemacht. Wie wichtig ist diese Produktfamilie für Sie heute bereits, und welchem Trend im Automotive-Bereich kommen diese Kondensatoren besonders entgegen?

Diese Kondensatoren sind für höhere Spannungen geeignet. Mit dem Übergang zur 48-V-Bordnetzspannung hat ihre Bedeutung deutlich zugenommen. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung der Fahrzeuge, speziell im Bereich der Elektrofahrzeuge mit 400- und 800-V-Architekturen, hat die Bedeutung dieser für höhere Spannungen geeigneten Hybridkondensatoren für Zonen- und Domaincontroller aber auch im Powermanagement noch einmal einen deutlichen Push erhalten.

Im letzten Geschäftsjahr lag der Umsatz von Taiyo Yuden bei etwa 2,2 Milliarden Dollar. Wie hoch war der Anteil der MLCCs und der Aluminium-Elektrolytkondensatoren daran?

Momentan machen MLCCs rund zwei Drittel des von Ihnen genannten Umsatzes aus. Der Umsatzanteil der Elna-Produkte bewegt sich im hohen einstelligen Prozentbereich. Zu den weiteren wichtigen Produktkategorien von Taiyo Yuden zählen aber unter anderem noch Induktivitäten und SAW- und Keramik-Filter.

Vor allem im MLCC-Bereich schreitet die Miniaturisierung weiter voran. Fuji hat vor kurzem einen Bestückungsautomaten für passive Bauelemente der Baugröße 006003 vorgestellt. Werden solche Bauteile in Zukunft auch von Ihnen erhältlich sein?

Wir treiben bei Taiyo Yuden die Miniaturisierung von MLCCs weiter kontinuierlich voran und können bei entsprechenden Kundennachfragen Produktmuster der genannten Baugröße zur Verfügung stellen.

Auch im neuen Jahr setzen sich die Zoll-Kapriolen der Trump-Regierung fort. Ist vor diesem Hintergrund auch im laufenden Geschäftsjahr mit einer Umsatzsteigerung wie in den letzten Jahren bei Taiyo Yuden zu rechnen?

Es ist schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen die fast täglich neu entstehenden geopolitischen Risiken haben werden. Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich viele Märkte im Jahr 2026 seitwärts bewegen werden. Angetrieben durch den rasant wachsenden KI-Markt und die zunehmende Elektrifizierung des Automobilmarktes erwarten wir jedoch für das Geschäftsjahr 2026 ein Wachstum sowohl unseres Umsatzes als auch unseres Betriebsergebnisses.

Wenn Sie die geographische Umsatzverteilung von Taiyo Yuden betrachten, hat sich der Anteil Europas in den letzten Jahren verändert? Rechnen Sie damit, dass das in Zukunft geschehen könnte?

Aktuell erleben wir in Europa so etwas wie eine Seitwärtsbewegung, die Marktentwicklung ist flach. Traditionell liegt der Europaumsatz bei Taiyo Yuden zwischen 7 und 8 Prozent. Steigern könnten wir diesen Anteil, wenn es gelänge, das Automotive-Geschäft in Europa noch weiter auszubauen. Es gibt aber auch eine Gefahr: Sollten Tier-1-Lieferanten die Produktion unter dem Eindruck von Trumps Zollpolitik in die USA verlagern, würde das auf unsere Kosten geschehen.

 

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