Analyse und Optimierung der Echtzeit-Fähigkeit von verteilten FlexRay-Systemen

Potential von FlexRay optimal nutzen (Teil 2)

24. März 2009, 9:59 Uhr | Dr. Kai Richter
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Potential von FlexRay optimal nutzen (Teil 2)

Umgekehrt kann auch der OEM die Initiative ergreifen, entsprechende Timing-Ersatz-Modelle der ECUs aus Erfahrungswerten vergleichbarer Projekte ableiten und als Anforderungen an die Zulieferer übergeben. Somit sind Optimierungen auf Systemebene früher im Prozess möglich – schon vor der Vergabe von Entwicklungsaufträgen. Selbst wenn diese Modelle das Zeitverhalten der später zugelieferten Komponente noch nicht exakt erfassen, enthalten sie doch bereits wertvolle Informationen über zu erwartende Engpässe und helfen systematisch, Fehler zu vermeiden, die sonst spät im Prozess auftreten und Kosten verursachen.

In beiden Szenarien werden die Timing-Ersatz-Modelle zu einem wichtigen Bestandteil der Lastenhefte und Leistungsbeschreibungen für die Zusammenarbeit von OEMs und Zulieferern, denn in ihnen sind Kerneigenschaften des Zeitverhaltens formal festgehalten. Anforderungen der Software-Architektur (z.B. Ende-zu-Ende-Timing) können so entwicklungsbegleitend und zulieferer-übergreifend erfasst, in lokale Anforderungen zerlegt, lokal analysiert und später bei der Integration zusammengefügt und überwacht werden, ohne dass vertrauliche Details zwischen den beteiligten Partnern ausgetauscht werden müssen.

Um diesen Austausch in Zukunft auch zu standardisieren, bringt Symtavision seine Expertise als Development Member in das AUTOSAR-Timing-Team ein und wirkt im Rahmen des EU-geförderten TIMMO-Projekts an der Definition einer umfassenden, standardisierten Beschreibungssprache namens „Timing Augmented Description Language“ (TADL) mit.

Timing-Modelle und Scheduling-Analyse-Tools sind gerade dabei, sich als State-of-the-Art Lösung in der Entwicklung von Steuergeräten und bei der Auslegung von Bus-Segmenten zu etablieren. In der Zukunft wird es darum gehen, ganze vernetzte Elektronik-Architekturen hinsichtlich ihrer Echtzeit-Fähigkeit zu analysieren, zu dimensionieren und zu optimieren. Der zweiteilige Artikel hat gezeigt, dass FlexRay allein noch keine allzu scharfe Waffe gegen Integrations- und speziell gegen Echtzeit-Probleme ist. sj

Dr. Kai Richter
hat Elektrotechnik an der Technischen Universität Braunschweig studiert und promoviert (2004). Als anerkannter Experte im Bereich der Timing- und Performance-Analyse verteilter, eingebetteter Systeme hat er mehr als 50 Veröffentlichungen für international renommierte Zeitschriften und Konferenzen verfasst und weitaus mehr Vorträge zu diesem Thema gehalten. Seit 2005 ist er in der von ihm mit gegründeten Symtavision GmbH als Geschäftsführer und Chief Technical Officer (CTO) für Technologie und Forschung verantwortlich.
info@symtavision.com


  1. Potential von FlexRay optimal nutzen (Teil 2)
  2. Potential von FlexRay optimal nutzen (Teil 2)
  3. Timing-Analyse im Entwicklungsprozess
  4. Potential von FlexRay optimal nutzen (Teil 2)
  5. Timing-Modelle erfassen Echtzeit-Verhalten

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