Umgekehrt kann auch der OEM die Initiative ergreifen, entsprechende Timing-Ersatz-Modelle der ECUs aus Erfahrungswerten vergleichbarer Projekte ableiten und als Anforderungen an die Zulieferer übergeben. Somit sind Optimierungen auf Systemebene früher im Prozess möglich – schon vor der Vergabe von Entwicklungsaufträgen. Selbst wenn diese Modelle das Zeitverhalten der später zugelieferten Komponente noch nicht exakt erfassen, enthalten sie doch bereits wertvolle Informationen über zu erwartende Engpässe und helfen systematisch, Fehler zu vermeiden, die sonst spät im Prozess auftreten und Kosten verursachen.
In beiden Szenarien werden die Timing-Ersatz-Modelle zu einem wichtigen Bestandteil der Lastenhefte und Leistungsbeschreibungen für die Zusammenarbeit von OEMs und Zulieferern, denn in ihnen sind Kerneigenschaften des Zeitverhaltens formal festgehalten. Anforderungen der Software-Architektur (z.B. Ende-zu-Ende-Timing) können so entwicklungsbegleitend und zulieferer-übergreifend erfasst, in lokale Anforderungen zerlegt, lokal analysiert und später bei der Integration zusammengefügt und überwacht werden, ohne dass vertrauliche Details zwischen den beteiligten Partnern ausgetauscht werden müssen.
Um diesen Austausch in Zukunft auch zu standardisieren, bringt Symtavision seine Expertise als Development Member in das AUTOSAR-Timing-Team ein und wirkt im Rahmen des EU-geförderten TIMMO-Projekts an der Definition einer umfassenden, standardisierten Beschreibungssprache namens „Timing Augmented Description Language“ (TADL) mit.
Timing-Modelle und Scheduling-Analyse-Tools sind gerade dabei, sich als State-of-the-Art Lösung in der Entwicklung von Steuergeräten und bei der Auslegung von Bus-Segmenten zu etablieren. In der Zukunft wird es darum gehen, ganze vernetzte Elektronik-Architekturen hinsichtlich ihrer Echtzeit-Fähigkeit zu analysieren, zu dimensionieren und zu optimieren. Der zweiteilige Artikel hat gezeigt, dass FlexRay allein noch keine allzu scharfe Waffe gegen Integrations- und speziell gegen Echtzeit-Probleme ist. sj
![]() | Dr. Kai Richter |