Mehr als 1.000 Kilometer Reichweite und Tanken in 10 bis 15 Minuten: In Madrid startet ein Brennstoffzellenbus mit Bosch-Technik in den Fahrgastbetrieb. Der mehrwöchige Praxistest soll zeigen, wie sich der Antrieb auf langen Strecken im Alltag bewährt.
Ausgerüstet mit einem Brennstoffzellen-Antriebssystem (Fuel Cell Power Module, kurz: FCPM) von Bosch befördert ein Bus von Irizar mehrere Wochen lang Passagiere durch die spanische Hauptstadt. Das Fahrzeug wird insbesondere auf Strecken fahren, auf denen es mit seiner hohen Reichweite seine Vorteile voll ausspielen kann. Betreiber ist die spanische Busgesellschaft Alsa.
»Die Brennstoffzelle ist die perfekte Ergänzung zum batterieelektrischen Antrieb – auch im Busbetrieb«, sagt Thomas Pauer, Mitglied des Sektorvorstands Bosch Mobility und Vorsitzender des Bosch-Bereichsvorstands Power Solutions. Und weiter: »Die Brennstoffzelle bietet sich insbesondere für Busse an, die täglich längere Strecken fahren und unterwegs kaum die Möglichkeit haben, zu laden. Mit dem Testbetrieb können wir zeigen, dass die Brennstoffzellentechnik von Bosch bereit für den Serieneinsatz im Personenverkehr ist.«
In den vergangenen Wochen hat das Testfahrzeug bereits umfassende Erprobungen sowie die nötige Homologation durchlaufen. Nun soll der Einsatz im regulären Fahrgastbetrieb zeigen, wie robust sich der Brennstoffzellenantrieb im Alltag erweist. Im Testbus kommt das Brennstoffzellensystem FCPM C190 von Bosch zum Einsatz. Das kompakte System basiert auf einem horizontalen Doppelstack und bietet eine Dauerleistung von 190 Kilowatt. Nach Angaben von Bosch sind Reichweiten von über 1000 Kilometern möglich, bei Tankzeiten von nur zehn bis 15 Minuten. Damit kann der Bus auch im Überlandverkehr eingesetzt werden. Neben dem FCPM C190 bietet Bosch mit dem FCPM C300 auch ein System für schwere Reisebusse und Lkw an. Ergänzt wird das Portfolio durch das FCPM C100, das mit 100 Kilowatt Dauerleistung und einer flachen Bauform die richtige Lösung für städtische Busse ist.
Busbetreiber und städtische Verkehrsbetriebe setzen aufgrund EU-Vorgaben zunehmend auf Alternativen zum Dieselantrieb. Neben den Regelungen zur Verbesserung der Luftqualität in Städten erfordern zusätzlich die Regelungen zum Klimaschutz umweltfreundlichere Antriebskonzepte. So müssen die CO2-Emissionen neu zugelassener Stadtbusse bis 2030 um 90 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 sinken, für alle anderen Bustypen gilt dies von 2040 an. Hier können Fahrzeuge mit Brennstoffzellen-Antriebssystem, welche die EU als »Zero-Emission«-Fahrzeuge anerkennt, einen wichtigen Beitrag leisten. 2025 wurden laut dem europäischen Fahrzeugherstellerverband ACEA in der EU gut 38 000 Busse neu zugelassen.
Bosch engagiert sich stark für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft und entwickelt technische Lösungen für die Erzeugung, Infrastruktur und Anwendung von Wasserstoff. So verkündete das Unternehmen 2025 den Markteintritt seines Hybrion PEM-Elektrolyse-Stacks zur Produktion von Wasserstoff. Darüber hinaus arbeitet Bosch an der Technik für Wasserstoffmotoren und bietet entsprechende Komponenten für die Saugrohr- und Direkteinblasung an. Für die Entwicklung der mobilen Brennstoffzelle wurde ein Entwicklerteam von Bosch Ende 2025 mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation ausgezeichnet.