KI und 5G werden immer wichtiger

»Nachhaltigkeit wird im Vordergrund stehen«

19. Januar 2023, 16:53 Uhr | Andreas Knoll
Fernando Colás, CEO von Omron Europe
Fernando Colás, Omron Europe: »Harmonisierte Automatisierungslösungen, die die Produktivität verbessern und gleichzeitig den CO2-Fußabdruck reduzieren, werden der Weg in die Zukunft sein.«
© Omron Europe

Welche Trends zeigen sich derzeit in der industriellen Automatisierung? Wie können sich Unternehmen vor Unterbrechungen der Lieferkette schützen? Wird Automatisierung Menschen ersetzen? Fernando Colás, CEO von Omron Europe, gibt Antworten.

Markt&Technik: Was unternimmt Omron gegen Engpässe und Störungen in der Lieferkette?

Fernando Colás: Probleme in der Lieferkette waren in den letzten 18 Monaten immer wieder ein Thema, und wir haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Kunden zu schützen, indem wir unser Unternehmen, unsere Lösungen und unsere Lieferketten widerstandsfähiger gemacht haben. So haben wir beispielsweise über 1000 Produkte umgestaltet, um sie hinsichtlich der Komponenten universell kompatibel zu machen. Das war ein gewaltiges Unterfangen, aber es ermöglicht, Komponenten bei Engpässen einfacher zu ersetzen. Außerdem haben wir unsere Produktionsstandorte dezentralisiert, um flexibler und reaktionsfähiger zu sein.


Behindert die Inflation Investitionen in die Automatisierung?

Inflation geht immer einher mit Zinsanstiegen. Das bedeutet, dass es länger dauert, bis sich ein Projekt rentiert. Wie wir derzeit beobachten können, steht die Inflation aber meist in einem umgekehrten Verhältnis zur Arbeitslosigkeit: Wenn die Inflation steigt, sinkt die Arbeitslosigkeit.

Produzierende Unternehmen wollen vor allem ihre Abläufe aufrechterhalten – und das trotz fortschreitenden Fachkräftemangels. Automatisierung kann hier Abhilfe schaffen, und deshalb werden Investitionen in diesen Bereich nicht durch die Inflation beeinträchtigt. Natürlich wird die Inflation dazu führen, dass die Kosten für Anlagen und Komponenten steigen. Deshalb bieten wir Lösungen an, die Kostensteigerungen durch Wertschöpfung neutralisieren.


Verlieren Mitarbeiter durch Automatisierung ihre Jobs?

Kurz gesagt: Nein! Als Roboter und Automatisierungslösungen erstmals Einzug in Produktionsstätten fanden, wurde gemunkelt, dass Maschinen irgendwann menschliche Mitarbeiter ablösen würden. Investitionsprojekte wurden auf Grundlage von Berechnungen genehmigt, die zeigten, wie viele Arbeiter sie ersetzen würden. Mit fortschreitender Automatisierung haben sich aber auch die Ansätze zur Automatisierung weiterentwickelt. Seit einigen Jahren geht es vermehrt um kollaborative Automatisierung. Innovationen zielen darauf ab, die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen sicher zu gestalten, so dass Roboter alltägliche, sich wiederholende Routineaufgaben übernehmen können.

Heute, in Anbetracht des Fachkräftemangels, wäre es einfach, Automatisierung lediglich als Strategie zum Ersatz von Menschen zu nutzen, aber das wäre eine verpasste Chance. Unser Leitgedanke als Unternehmen war schon immer, soziale Probleme durch industrielle Automatisierung zu lösen. In Übereinstimmung mit dieser Philosophie glauben wir, dass es sich lohnt, zu einem harmonisierten Automatisierungsansatz überzugehen, um das Problem des Fachkräftemangels kreativer und innovativer zu lösen und auch umfassendere soziale Probleme anzugehen. Die Schaffung harmonischer und stärkerer Beziehungen zwischen Menschen, Maschinen und Umwelt sollte unser Hauptziel bei der Automatisierung sein. Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen, um das Beste in ihnen hervorzubringen.


Was sind für Sie die zentralen Trends der industriellen Automatisierung?

Wir sind im Moment Zeugen eines interessanten und weitreichenden Wandels in unserer Einstellung zur Produktion. Vor einem Jahrzehnt war China die Produktionsstätte der Welt, der Massenkonsum war die Hauptantriebskraft, und Rohstoffverbrauch und Umwelt wurde nur wenig Beachtung geschenkt. Heute lösen wir uns peu à peu von dieser Denkweise und gehen zu einem „autonomen“ Ansatz über, bei dem Nachhaltigkeit, die Entwicklung und das Wohlergehen des Einzelnen sowie Qualität vor Quantität im Vordergrund stehen. Als Unternehmen passen wir unser eigenes Modell und die von uns angebotenen Automatisierungslösungen an, um diesen Trend zu reflektieren. Harmonisierte Automatisierungslösungen, die die Produktivität verbessern und gleichzeitig den CO2-Fußabdruck reduzieren, werden der Weg in die Zukunft sein.


Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für die verarbeitende Industrie in Europa?

Als Unternehmen haben wir drei Makro-Themen identifiziert, die soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben werden und Herausforderungen für alle Branchen darstellen: der Klimawandel, eine alternde Bevölkerung und die Digitalisierung. Zusätzlich zum Fachkräftemangel stehen viele Menschen mit jahrzehntelanger Erfahrung in Automatisierung und Produktion derzeit kurz vor der Rente, und es mangelt an jüngeren Menschen mit den entsprechenden Fähigkeiten, die ihre Nachfolge antreten können. Angesichts der alternden Bevölkerung müssen wir die Lebensarbeitszeit der Menschen verlängern und gleichzeitig ihre Lebensqualität, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden fördern. Zweitens ist es im Zuge des Übergangs zu einer digitalen Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, dass die Menschen nicht zurückbleiben – sei es aufgrund wirtschaftlicher Ungleichheit oder wegen des Alters. Drittens wird die sich verschärfende Klimakrise technologiegestützte nachhaltige Lösungen erfordern.


Wie wird Omron diese Herausforderungen angehen?

Im Rahmen unserer Vision und Strategie „Shaping the Future 2030“ werden wir unsere Technologien nutzen, um verschiedenen Branchen zu helfen, den Fachkräftemangel anzugehen, die Produktivität zu steigern und CO2-Neutralität zu erreichen. Ein Beispiel hierfür sind harmonisierte Automatisierungslösungen, die auf die Unterstützung von Berufsanfängern ausgerichtet sind. Das könnten Tools sein, die Training und Weiterbildung beschleunigen, oder High-Speed-Steuerungssysteme, die Mitarbeitern helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, ohne dass sie 20 Jahre Erfahrung in der Fertigung haben müssen. Letztendlich ist es unser Ziel, eine effiziente Produktion zu schaffen, die sowohl mit der Umwelt harmoniert als auch die Mitarbeiterzufriedenheit steigert. Die Beschleunigung datengesteuerter Abläufe durch Digitalisierung wird der Schlüssel zu dieser Geschäftstransformation und zur Befähigung der Mitarbeiter sein.


Welche Technologien werden bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine Rolle spielen?

Neben den Kerntechnologien der Automatisierung wie Robotik, Steuerung, Sensorik und Bildverarbeitung werden neue Technologien wie KI und 5G in unseren Lösungen künftig immer wichtiger werden. Wir haben einen einzigartigen KI-Ansatz gewählt und in unsere Steuerungen eingebaut. Das hat den Vorteil, dass wir sehr schnelle Entscheidungen für die Maschine treffen können, weil wir nicht viel Zeit mit Analyse und Datentransfer verbringen müssen. Außerdem nutzen wir die 5G-Infrastruktur für den Betrieb unserer mobilen Roboterflotte, was eine blitzschnelle Datenübertragung und -verarbeitung ermöglicht. Das Schöne an unserer Plattform ist, dass sie alle Technologien, die die Automatisierung erleichtern, integriert und so konzipiert ist, dass sich neue Technologien problemlos andocken lassen.

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