Schwerpunkte

Große Umfrage der Markt&Technik

So kämpft die Elektronikbranche gegen das Coronavirus

05. März 2020, 16:03 Uhr   |  Engelbert Hopf

So kämpft die Elektronikbranche gegen das Coronavirus
© TeamDaf/stock.adobe.com

Mit teils drastischen Maßnahmen bis zum Aussetzen aller Flug- und Bahnreisen auch in Deutschland versuchen die Elektronikunternehmen, eine weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen und ihre Mitarbeiter zu schützen. Manche Firmen verweisen aber auch nur auf allgemeine Hygieneregeln.

Wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik unter Elektronikunternehmen in Deutschland zeigt, kommunizieren alle Befragten ihren Mitarbeitern inzwischen die Verhaltensregeln, die das Robert-Koch-Institut zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus ausgegeben hat: Verzicht auf Händeschütteln, regelmäßiges Händewaschen, wo nicht möglich, sollen die Mitarbeiter Desinfektionsmittel nutzen, und in Armbeugen, nicht in die Hände husten.

Über diese Grundregeln hinausgehend lassen sich aber doch teilweise sehr unterschiedliche Vorgehensweisen feststellen. So wird deutlich, dass internationale Unternehmen mit Sitz in Asien oder den USA zum Teil deutlich restriktivere Maßnahmen ergriffen haben als einige mittelständische deutsche Unternehmen. Doch auch unter den deutschen Mittelständlern gibt es drastischere Ausnahmen, die sehr restriktiv agieren. Die ausführlichen Statements aller Befragten finden Sie in der folgenden Bilderstrecke:

Statements zu Corona-Gefahr

Georg Steinberger, Avnet
Hermann Püthe, Inpotron
Klaus-Dieter Walter, SSV Software Systems

Alle Bilder anzeigen (30)

Bei TDK etwa herrscht ein Reiseverbot nach und aus der chinesischen Provinz Hubei, dem Epizentrum der Coronavirus-Pneumonie. Für alle anderen Gebiete Chinas sowie nach Südkorea, Japan und Italien, die derzeit von TDK als Risikoländer eingestuft werden, gilt: Reisen sind grundsätzlich zu unterlassen und erfordern im Fall äußerster Dringlichkeit die Genehmigung durch Führungskräfte. Bis auf Weiteres sind zudem alle reisenden Mitarbeiter, egal ob geschäftlich oder privat, bei denen sich ein Aufenthalt oder ein Zwischenstopp in Risikoländern nicht vermeiden ließ, angewiesen, für einen Zeitraum von zwei Wochen nach ihrer Rückkehr im Home Office zu arbeiten.

Darüber hinaus müssen Besucher von Standorten angeben, ob sie zuvor in einem Risikoland waren. In diesem Fall können sie Standorte und Büros erst dann besuchen, wenn sie zwei Wochen nach diesem Aufenthalt keine Symptome des Coronavirus aufweisen. TDK-Lambda agiert nach Auskunft von Ulrich Schwarz, Sales Director, in enger Abstimmung mit TDK in Europa und dem Headquarter in Japan: „Es gibt kein generelles Reiseverbot in Europa, ausgenommen einige Risikobereiche in Italien.“ Er weist aber auch darauf hin, „dass interne europäische Meetings soweit möglich als Telefonkonferenzen durchgeführt werden“.

Ähnlich restriktiv sind die Vorgaben bei Panasonic. Wie Oliver Sonnemann, Department Head Sales, Battery Sales bei Panasonic Industrial Europe,  bestätigt, sind ab sofort alle Reisen nach Japan und Südkorea neben China und Italien untersagt. Auch sollten Reisen aus diesen Ländern an die deutschen Standorte unterbleiben. Bereits gebuchte Reisen seien zu stornieren. Einsätze bei Kunden und Partnern werden weiterhin durchgeführt, mit Ausnahme der betroffenen Gebiete, die entweder von offizieller Stelle als gefährdet deklariert wurden oder sich selbst als solche deklariert haben. Mitarbeitern, die kürzlich in die betroffenen Gebiete gereist sind und nun in ihre Heimatländer zurückkehren, wird empfohlen, auf freiwilliger Basis und nach Rücksprache mit dem jeweiligen Vorgesetzen wenn möglich zwei Wochen von Zuhause aus zu arbeiten, um sicherzustellen, dass es keine Infektion gibt.

Bei Avnet gelten laut Georg Steinberger, Vice President Marketing & Communications, folgende Regeln: Alle Office Employees sind technisch so eingerichtet und instruiert, dass sie jederzeit auf Zuruf von Zuhause arbeiten können. Nur Reisen, die unbedingt als notwendig erachtet werden und nicht in betroffene Gebiete führen, sind zulässig, erfordern jedoch die Zustimmung der Presidents. Meetings sollen wo immer möglich über Webex, Skype oder Teams abgehalten werden.

Bei Nexperia erfolgen nach Auskunft von Dr. Dirk Wittorf, Strategic Marketing Manager, Geschäftsreisen nur noch mit Sondergenehmigung. Anstelle von persönlichen Treffen sollen E-Mail-Kommunikation, Telefonanrufe sowie Telefon- und Videokonferenzen genutzt werden. Mitarbeiter mit flexibler Arbeitszeit werden gebeten, möglichst die Stoßzeiten im öffentlichen Nahverkehr zu vermeiden. Zudem wurden die Reinigungsintervalle am Standort erhöht, und das Essen in den Kantinen wird nun in Schichten eingenommen, getrennt in Produktion und Nicht-Produktion.

Bei Power Integrations sind die Mitarbeiter angehalten, Dienstreisen und auch Besuche im Haus auf Sinnhaftigkeit zu prüfen und eventuell Videokonferenzen zu machen. Reisen in betroffene Gebiete sind möglichst zu unterbinden. Wie Michael Hornkamp, Senior Marketing Manager High Power bei Power Integrations, erläutert, müssen Mitarbeiter, die aus betroffenen Gebieten kommen, 14 Tage im Home Office arbeiten und sich testen lassen, um eine Infektion auszuschließen. Power Integrations wird aus heutiger Sicht an anstehenden Messen wie der APEC in den USA und der PCIM in Nürnberg teilnehmen.

Bei Zollner Elektronik wurde bereits Ende Januar eine interne Reisegruppe gebildet, die sich laufend mit der Entwicklung des Coronavirus auseinandersetzt. Zu den konkreten Maßnahmen gehören laut CEO Johann Weber u.a. Reisebeschränkungen und der Einsatz von Video-/Webkonferenzen. Zudem setzt er auf eine enge Abstimmung mit Lieferanten und Kunden, um die Liefersituation zu überwachen. 

Bei Vishay sind in Deutschland nach Auskunft von Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Vishay Passives, „keine Einschränkungen der operativen In-House-Tätigkeit vorgesehen“. Lediglich Geschäftsreisen werden auf das Nötigste reduziert, soweit diese außerhalb bekannter Gefährdungsgebiete liegen, „auch die Teilnahme an Messen und Großveranstaltungen wird auf ein notwendiges Minimum reduziert“.

„Wir haben für Europa zwar keine Travel-Verbote“, bestätigt Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales bei Yageo Europe, „aber es gibt eine Richtlinie, Face-to-Face-Meetings durch Webex oder Calls zu ersetzen, soweit möglich“. Zudem würden aktuell auch keine Interkontinentalflüge nach Asien wahrgenommen, „wenn sie nicht wirklich zwingend notwendig sind“.

Bei STMicroelectronics wurden im Rahmen der Pläne des Unternehmens zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs, und um sowohl die Infektionsprävention zu maximieren als auch die Mitarbeiter und ihre Familien zu unterstützen, Hilfsmittel verteilt und spezifische Anweisungen zur persönlichen Hygiene sowie Reisehinweise gegeben, die sich an den Empfehlungen lokaler Behörden und den von der WHO erlassenen Richtlinien orientieren.

Bei Infineon gelten neben umfassenden Präventionsmaßnahmen und medizinischen Beratungsangeboten umfassende Reiserichtlinien für China, Korea und Teile Italiens. In China arbeiten nach Auskunft des Unternehmens derzeit mehr als 500 Mitarbeiter überwiegend von zu Hause aus.

Bei Rohde & Schwarz werden Reisen in Risikogebiete verschoben. Auch nicht dringend erforderliche Dienstreisen in andere Länder werden bis auf Weiteres zurückgestellt oder notwendige Besprechungen mittels Audio-/Videokonferenzen durchgeführt. Darüber hinaus wurden besondere Vorsichtsmaßnahmen für die anstehenden Messen zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden getroffen.

Bei der Vacuumschmelze gilt ein Reiseverbot für jene Länder, für die das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat. Stand heute wird die VAC zudem an anstehenden Messen mit einer reduzierten Mannschaft teilnehmen. Würth Elektronik eiSos hat ein Reiseverbot in und aus verschiedenen Regionen und Ländern ausgesprochen und internationale Meetings am Standort Deutschland verschoben oder per Video- und Telefonkonferenz anberaumt. Jedem Mitarbeiter stehe es frei, Reisen nicht anzutreten oder Meetings abzusagen.

Nach Auskunft von Karsten Bier, CEO von Recom, gibt es bei dem österreichischen Stromversorgungsspezialisten Reiseverbote nach und innerhalb Chinas, Italiens und Koreas. Ansonsten würden Großveranstaltungen gemieden. Die EMV-Seminare des Unternehmens wurden auf spätere Zeitpunkte verschoben. Home Office werde derzeit nur in den Standorten des Unternehmens in Asien praktiziert.

„Bis auf Weiteres meiden wir Großveranstaltungen wie Messen und schränken unsere Reisetätigkeit ein und nutzen verstärkt Online-Meeting-Plattformen“, erläutert Florian Haidn, Geschäftsführer der Aaronn Electronic. Geschäftsreisen nach Asien würden derzeit unterlassen. „Wir haben ein Reiseverbot nach Asien und treten aktuell auch keine Reisen nach Italien in die Risikobereiche an“, gibt Thilo Hack, Director Industrial Solution bei Ansmann, zu Protokoll „Auch empfangen wir aktuell keine Gäste von dort, wenn diese nicht eine zweiwöchige Quarantänezeit nachweisen können.“ - „Ein generelles Reiseverbot für unsere Mitarbeiter gibt es nicht“, beantwortet Jürgen Steinert, Geschäftsführer der Solectrix, die Frage nach dem Umgang mit dem Thema Coronavirus. „Die Möglichkeit, Home Office zu machen, gehört generell zu unserem Arbeitszeitmodell, sie wird derzeit aber von unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nicht häufiger genutzt als sonst.“

Bei Emtron gibt es nach Auskunft von Geschäftsführer Jörg Traum derzeit kein explizites Reiseverbot für Mitarbeiter, „wir haben aber Mitarbeiter gebeten, die in Krisengebieten im Urlaub waren oder Kontakt zu Personen aus Krisengebieten hatten, vorsorglich, wenn möglich, im Home Office zu arbeiten“. Wie er bestätigt, haben alle asiatischen Lieferanten in China, Taiwan und Japan Travel Bans auf unbestimmte Zeit ausgesprochen. „Mean Well hat sogar sein für Mai angesetztes Europa-Meeting abgesagt“, so Traum. Kein Reiseverbot und keinen Rat zum Home Office gibt es nach Angaben von Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter von inpotron Schaltnetzteile, in seinem Unternehmen. „Wir haben die empfohlenen Verhaltensregeln kommuniziert. Da die nächste für uns relevante Messe die InnoTrans im September ist, gehen wir davon aus, dass sich die Lage bis dahin wieder beruhigt hat.“ Oliver Walter, Geschäftsführer der Camtec, untersagt hingegen Mitarbeitern derzeit den Besuch von Messen. „Wir haben externe Termine ausnahmslos abgesagt“, so Walter. „Bestehende Termine im Haus wurden auf die absolute Notwendigkeit beschränkt, und unsere Mitarbeiter sollen Termine in anderen Unternehmen nach Möglichkeit vermeiden.“

(Mitarbeit: Andreas Knoll, Ingo Kuss, Hagen Lang, Iris Stroh, Nicole Wörner, Anja Zierler, Karin Zühlke)

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