Über Jahre hinweg war die Mobilitätswende, das Aus des Verbrennungsmotors, treibende Kraft hinter dem Wachstum bei programmierbaren Stromversorgungen sowie elektronischen Lasten in Deutschland. Inzwischen gewinnen Anwendungsfälle im Bereich Elektrifizierung und Energiewende deutlich an Bedeutung.
Es wäre wohl etwas überzogen, die jeweiligen Bemühungen der Ampel-Koalition und der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung gleichzusetzen, wenn es darum geht, der deutschen Wirtschaft wieder neuen Schwung zu verleihen. Aber es gibt offenbar, wie Oliver Walter, CEO der Camtec Power Supplies berichtet, „durchaus Gesprächspartner, die beide Regierungen gleichsetzen, weil man sich ganz offenbar mehr Umbruch versprochen hatte, als dann bisher kam“.
Jeanne Lheureux, Product Marketing Manager EMEA for Programmable Power Supplies bei TDK-Lambda, sieht gegenüber 2025 aktuell eine moderate Verbesserung, aber keine deutliche Trendwende. „Tatsächlich konnten wir ab dem 3. Quartal einen spürbar bessern Auftragstrend beobachten, der sich insbesondere im Oktober und November verstärkt hat. Dieser Trend hat sich im 1. Quartal 2026 stabilisiert, was ein wichtiges Zeichen für eine gewisse Markterholung ist“.
Die Aussage zum Jahresende 2025 unterstützt auch Markus Wintermeier, Head of Sales Department bei Höcherl & Hackl: „Bei uns war der Auftragseingang für November und Dezember höher als der Jahresdurchschnitt 2025. Dieser Trend hat sich aber nicht fortgesetzt, so dass das 1. Quartal 2026 sehr schwach ausfiel“. Es gäbe zwar viele Anfragen, so Wintermeier, „aber bei den meisten Kunden ist nicht mit einer zeitnahen Entscheidung zu rechnen. Viele Entscheidungen werden wohl erst in der zweiten Jahreshälfte getroffen“.
Oliver Walter, Camtec Power Supplies: "Die Automobil-Zulieferbranche zieht um. Haben unsere Kunden aus dieser Branche früher in Deutschland bestellt, bestellen sie nun immer häufiger aus dem Ausland und auch das System-Engineering findet immer mehr an den neuen Standorten statt."
Aus Sicht von Walter hat sich die Situation im 1. Quartal entspannt, „aber eine Rückkehr zur Normalität – davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt!“ Er vermutet, dass im 1. Quartal 2026 ein gewisser Investitionsstau abgebaut worden sei, „das geschah also eher gezwungener Maßen als dass es ein Zeichen für einen beginnenden Aufschwung gewesen wäre“. Die Chance wäre da gewesen, dass sich daraus eine Dynamik entwickelt, „aber die massive militärische Auseinandersetzung mit dem Iran, welche kurzfristig weite Teile des Nahen Ostens mit hineinzog, hat dem ein jähes Ende gesetzt“.
In Deutschland und Europa selbst sind es nach Einschätzung von Wintermeier vor allem auch die Sparmaßnahmen bei den Automobilzulieferern, die sich bemerkbar machen. „Da kommt dann eine neue Anfrage über eine größere Stückzahl vom Einkauf. Auf Nachfrage erfährt man dann die Anfrage sei zur technischen Prüfung in der Fachabteilung, in ein bis zwei Wochen erhalte man eine Rückmeldung. Nach diesen zwei Wochen bekommt man dann die Auskunft, das Projekt um das es geht wurde aus Sparmaßnahmen komplett eingestampft“. Wie verhalten Kunden aktuell reagieren, zeigt eine andere Beobachtung von Wintermeier: „Wir sehen Fälle, da reaktivieren Kunden alte Geräte, die sie noch im Keller stehen haben, um einer Neuanschaffung aus dem Weg zu gehen“.
Die schwache Performance des Automobilmarktes äußert sich aber auch noch auf andere Weise, wie Walter berichtet. „Die deutschen Automobilbauer investieren weiter, folgen aber nun der Strategie „Local for Local“. Damit muss die Zulieferbranche mit in die Regionalmärkte. Unsere Kunden, die früher in Deutschland bestellt haben, bestellen nun immer häufiger im Ausland und auch das System-Engineering findet immer mehr an den neuen Standorten statt“.
Jeanne Lheureux, TDK-Lambda: "Unser Auftragsbestand füllt sich, und auch die Prognosen unserer Kunden werden wieder positiver. In dieser Hinsicht sehe ich erste Anzeichen dafür, dass die Erwartungen für 2026 zumindest teilweise erfüllt werden."
Vor diesem Hintergrund sieht Lheureux aktuell eine teilweise Neugewichtung des Marktes für programmierbare Laborstromversorgungen, statt eines strukturellen Rückgangs: „Das Wachstum verlagert sich zunehmend von einem einzigen dominanten Treiber, dem Hochlauf der Elektrofahrzeuge, hin zu einem breiteren Spektrum von Anwendungsfällen im Bereich Elektrifizierung und Energiewende, und das wirkt sich strukturell positiv auf fortschrittliche programmierbare Stromversorgungslösungen aus“.
Da ist es schon fast tröstlich, dass Trumps Schutzzölle dem Geschäft mit Programmierbaren Laborstromversorgungen offenbar nur wenig anhaben konnten. Nein, die Zölle hatten keinen besonderen Einfluss auf Geschäftsentwicklung, so das Feedback des Marktes. Was sich stattdessen viel stärker auswirkt ist das durch die Zölle mitverursachte angespannte wirtschaftliche Klima weltweit. Viele Projekte seien 2025 geschoben, oder langsamer umgesetzt worden, das habe sich indirekt auf die Geschäftsentwicklung niedergeschlagen.
Und wie sieht es mit dem „New Rising Star“ der Elektronikbranche, der Wehrtechnik aus? Wie wichtig könnte dieser Anwendungsbereich werden? „Für uns als kleines Unternehmen spielen die Anfragen für elektronische Lasten aus dem Verteidigungsbereich eine große Rolle“, so Wintermeier, „es laufen ein paar Projekte in dieser Richtung“. Auch Lheureux beobachtet derzeit zunehmende Aktivität im Sicherheits- und Verteidigungsbereich. „Der Bereich gewinnt an Bedeutung und generiert zusätzliche Projekte“. „Defense ist einer der Märkte, bei denen eine Vorwärtsbewegung zu beobachten ist“, bestätigt auch Walter, „allerdings sind neue Projekte zeitintensiv. Davon profitieren wir d man erst in der Zukunft“.
Markus Wintermeier, Höcherl & Hackl: "Wir haben zwar viele Anfragen im Haus, aber bei den meisten Kunden ist nicht mit einer zeitnahen Entscheidung zu rechnen. Viele Entscheidungen werden wohl erst in der zweiten Jahreshälfte getroffen werden."
Programmierbare Labornetzteile, aber auch elektronische Lasten werden häufig in Unternehmensnetzwerke integriert. In Labor- und Prüfstandsumgebungen hat sich Ethernet/LAN zur dominierenden Schnittstelle entwickelt, im Prinzip handelt es sich um einen De-facto-Standard. Ein weiterer wichtiger Treiber für das Ökosystem ist der weit verbreitete Einsatz von LabView in Testumgebungen. Dadurch hat sich die Verfügbarkeit einsatzbereiter LavView-Treiber und -Bibliotheken am Markt als wichtiges Unterscheidungsmerkmal etabliert. Im Bereich der Batterietest-Anwendungen beobachtet Lheureux eine zunehmende Verbreitung von EtherCAT-basierter Kommunikation.
Ziemlich eindeutig fallen auch die Antworten auf die Frage aus, ob der Einsatz bidirektionaler Lasten sowie programmierbarer Laborstromversorgungen an Bedeutung gewinnt? „Viele Kunden haben anstatt einer konventionellen luftgekühlten elektronischen Last eine bidirektionale regenerative Stromversorgung im Einsatz“, so Wintermeier, „das bedeutet keine oder eine geringere Kühlung des Prüfraums und damit Energieeinsparungen“. Ähnlich sieht das Lheureux, „über die Energieeffizienz hinaus bringt die Netzrückkopplung auch sehr konkrete Vorteile mit sich, wie niedrigere Betriebskosten und kompaktere Systeme, da nicht mehr die gesamte Energie über große Luft- oder Wasserkühlsystem abgeführt werden muss“.
„Je leistungshungriger die Anwendung“, so Walter, „umso eher wird nach einer Quelle-Senke verlangt“. Getrieben werde das vor allem aus der Automotive Branche in der Forschung betreffend Batteriesimulation und Test. „Für die Anwendungen unserer Kunden spielt es nicht so häufig eine Rolle“.