Eine wettbewerbsfähige Batterieproduktion in Deutschland aufzubauen, ist eines der Ziele der Hightech Agenda. Zu diesem Zweck soll die Batterieforschung vom Material über die Produktion bis hin zu neuen Batterietypen und der Kreislaufwirtschaft weiter ausgebaut werden.
Angesichts der Tatsache, dass sich der globale Batteriemarkt nach einer aktuellen Analyse des Fraunhofer ISI bis 2035 von 1600 GWh (2025) auf potenziell über 6500 GWh (2035) vervierfachen wird, und die Nachfrage in Europa im gleichen Zeitraum wohl von 260 GWh auf voraussichtlich 1300 GWh steigen wird, hat das Bundeskabinett in seiner Ende Mai veröffentlichten Hightech Agenda Deutschland klar gemacht, dass es ihr Ziel ist, eine wettbewerbsfähige Batterieproduktion und -kreislaufführung in Deutschland aufzubauen, die in ein europäisches Produktionsnetzwerk eingebettet ist.
Zu diesem Zweck soll die Batterieforschung vom Material über die Produktion bis hin zu neuen Batterietypen und der Kreislaufwirtschaft weiter ausgebaut werden. Dabei wird verstärkt auf industrielle Impulse für eine starke Forschung und Entwicklung gesetzt. Ziel dieser Anstrengungen ist es, Deutschland zu einem führenden Anbieter in ausgewählten Spezialbatteriemärkten mit hohen Anforderungen an Performanz, Resilienz und Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette zu machen. All das soll Deutschland zu einem zentralen Player für die nächste Batteriegeneration im weltweiten Wettbewerb machen.
Offenbar hat sich in Berlin inzwischen die Einsicht durchgesetzt, dass die Zellfertigung das Herzstück jeder Batterie ist und diese von zentraler Bedeutung im Batterieökosystem ist. Wird diese Zellfertigung, und nicht nur die bisher weitgehend übliche Konfektionierung, in Europa aufgebaut, kann sich auch eine vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette »rund um die Zelle« entwickeln, wie das in der Technologie-Roadmap formuliert wird. Gemeint sind damit beispielsweise der Maschinen- und Anlagenbau, die Materialherstellung, die Batteriesystemintegration und das Recycling. Ohne großskalige, heimische Zellfertigung im Gigafactory-Maßstab, so die Argumentation in der Hightech Agenda Deutschland, »kann ein eigenes und international konkurrenzfähiges Batterieökosystem mit entsprechenden Beschäftigungspotenzialen nicht aufgebaut werden«.
Nach Einschätzung von Roland Berger wird die Wertschöpfung im Batteriebereich in Europa 2035 voraussichtlich bei 1 Billion Euro liegen. Das Fraunhofer ISI wird in der Hightech Agenda Deutschland damit zitiert, dass entlang der gesamten Wertschöpfungskette inklusive direkter, indirekter und induzierter Beschäftigungseffekte bis 2035 voraussichtlich 3 bis 5 Millionen zukunftsgerichteter Arbeitsplätze in Europa entstehen könnten (1 bis 1,5 Millionen davon in Deutschland).
Dass die politischen Entscheidungsträger dieses Mal offenbar bereit waren, von den Erfahrungswerten der asiatischen Batteriebranche zu profitieren, zeigt sich unter anderem daran, dass dieses Mal nicht nur an Sachinvestitionen gedacht wurde, sondern »im Dialog mit Unternehmen, Sozialpartnern und Kammern die Notwendigkeit für ein eigenes Berufsbild für die Batterie erörtert werden soll«. Es ist eben wenig zielführend, wenn vielleicht Milliarden in den Aufbau von Fertigungsstätten investiert werden, man dann aber gezwungen ist, eventuell Mitarbeiter asiatischer Joint-Venture-Partner anzuheuern, um die kostspielig errichtete Anlage dann auch effizient betreiben zu können.
Ein Aspekt, auf den anlässlich der Vorstellung der Bayerischen Batteriestrategie, wenige Tage vor der Veröffentlichung der Hightech Agenda Deutschland, auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hinwies: Dieser Aspekt sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden. Um hier die Batterietalente von morgen auszubilden und zu qualifizieren, seien unter anderem entsprechende Studiengänge im Bereich Batterietechnologie notwendig. Aus diesem Grund sei dieser Aspekt auch ein wichtiger Bestandteil der Hightech Agenda Bayern. Sein Fazit für das Zukunftsthema Batterie: »Ohne Batterien geht gar nichts – ob bei der Mobilität, der Energiewende oder der Digitalisierung. Die Batteriebranche ist in Bayern breit aufgestellt und der Anspruch wächst, daraus nun schneller industrielle Wirkung zu erzeugen.«