Interview mit Josef Pfeil

Dynamis Batterien steigert die Produktion um 60 Prozent

14. Juli 2026, 08:00 Uhr | Engelbert Hopf
Josef Pfeil von Dynamis Batterien im Gespräch mit Engelbert Hopf, Markt&Technik
Josef Pfeil, Dynamis Batterien: »Wir erzielen bis zu 50 Prozent unseres Umsatzes mit Medizintechnik. Kommt es hier zu deutlichen Einschnitten im Rahmen der Gesundheitsreform, werden wir unsere anderen Zielmärkte ausbauen müssen.«
© Componeers GmbH

Auch wenn sich geopolitische Auswirkungen nicht leugnen lassen, sieht Josef Pfeil, Vertriebsleiter Dynamis Batterien, sein Unternehmen für die aktuellen Herausforderungen gut gerüstet. Als Spezialist mit zweistelligem Millionenumsatz konnte das Unternehmen 2025 sogar noch einmal kräftig zulegen.

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Markt&Technik: Herr Pfeil, Dynamis Batterien ist ein hochspezialisierter Mittelständler im Bereich Batterie- und Akku-Technik. Wie ist denn das Geschäftsjahr 2025, das erste Jahr der Trump-Regierung, für Sie verlaufen?

Josef Pfeil: Ehrlich gesagt sehr gut! Wir konnten unseren Umsatz um über 20 Prozent steigern. Das hat aber nicht in erster Linie mit Trump und seiner Wirtschaftspolitik zu tun, sondern mit unseren erweiterten Produktionskapazitäten am neuen Standort Steißlingen am Bodensee, in der Nähe von Singen. Gegenüber unserem alten Standort konnten wir dort die Produktion um rund 60 Prozent steigern. Der neue Standort ermöglichte uns eine nachhaltige Optimierung der Produktionsabläufe. Auch der vorgezogene Produkt-Launch eines Kunden hat sich im letzten Jahr positiv für uns ausgewirkt.

Ich würde davon ausgehen, dass sich Ihr Umsatz vor allem auf die DACH-Region verteilt? Hat sich die Umsatzverteilung in den letzten Jahren regional verändert?

Sie liegen richtig. Gut 70 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir in der DACH-Region. Auf Skandinavien und Großbritannien entfallen jeweils rund 12 Prozent. Dort hat sich in den letzten Jahren einiges geändert, Skandinavien trug vor vier bis fünf Jahren gerade mal 1 Prozent zu unserem Umsatz bei. Und dann wären da noch die USA mit etwa 4 bis 5 Prozent. Unser umsatzstärkster Markt außerhalb Deutschlands ist die Schweiz.

Kommen wir auf Trump zurück: Haben sich seine Importzölle direkt oder indirekt auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Wie lange müsste diese Situation anhalten, um direkte Folgen auf Ihr Geschäft zu verursachen?

Wir selbst haben das insofern gemerkt, als in einigen Fällen Produkte von europäischen Anbietern statt von chinesischen Herstellern in bestimmten Applikationen eingesetzt wurden, nachdem die Importeinschränkungen in Kraft getreten waren. Auswirkungen der Importzölle auf unsere deutschen und europäischen Kunden merken wir noch nicht. Ich gehe aber davon aus, dass das nur eine Frage der Zeit sein wird.

Bleiben wir noch beim Jahr 2025. Panasonic hatte zum Jahresende die Branche mit der Abkündigung beliebter Batterietypen geschockt. Wie haben Sie reagiert und welche Konsequenzen hat das für Ihre Kunden?

Was die Branche geschockt hat, war weniger die Kurzfristigkeit der Abkündigung, da gab es in der Vergangenheit schon ganz andere Fälle, sondern die Tatsache, dass da bei den Kunden sehr beliebte Zellen abgekündigt wurden. Im Wesentlichen geht es um 18650er-Zellen mit über 3000 mAh Kapazität. Wir haben umgehend auf die Last-Buy-Aufforderung reagiert und konnten so sicherstellen, dass unsere Kunden diese Zellen noch bis Ende 2028 erhalten. Das Problem besteht vor allem in der Medizintechnik darin, dass das sehr lange laufende Produkte sind. Kommt es dann zu Abkündigungen bei Zellen, ist im schlimmsten Fall ein Redesign nötig, auf jeden Fall aber eine neue Zertifizierung des Produkts. Was bei diesem Abkündigungsfall auch eher ungewöhnlich ist: Normalerweise hat der Hersteller bereits das Nachfolgeprodukt entwickelt, und man kann zum Zeitpunkt des Abkündigungstermins schon mit den neuen Zellen entwickeln und testen. Das ist dieses Mal nicht der Fall, die Nachfolgezellen sollen erst ab Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen.

Eigentlich startete das Jahr 2026 sehr gut. Einige hoffen sogar auf einen wirklichen konjunkturellen Aufschwung. Dann begann der Irankrieg. Wie hat sich das Jahr seither für Sie entwickelt? Haben Sie ihre Geschäftserwartungen für 2026 angepasst?

Aus unserer Sicht war der Beginn des Irankriegs keine direkte Umsatzbremse. Wir hatten zuvor bereits hohe Energiepreise und hohe See- und Luftfrachtkosten. Konkret schlägt sich die Krise in der Straße von Hormus für uns in längeren Durchlaufzeiten nieder. Wir werden die dadurch entstehenden Mehrkosten von 5 bis 10 Prozent auch irgendwann weitergeben müssen. Ich hoffe, wir können es bei einer Erhöhung von 5 Prozent belassen. Die Krise in der Straße von Hormus trifft uns durchaus und sie drückt auf die Marge.

Einer Ihrer wichtigsten Absatzmärkte ist die Medizintechnik. Rechnen Sie in Zukunft durch die „Gesundheitsreform“ mit Einbußen für ihr Unternehmen, oder treffen Sie die Sparvorgaben der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nicht?

Etwa 40 bis 50 Prozent unseres Jahresumsatzes entfallen auf den Bereich Medizintechnik. Rund 15 Prozent des Umsatzes machen Applikationen im Bereich der Industrieelektronik aus, dazu kommen noch einmal 15 Prozent durch Lösungen für Trackingsysteme. Sicherheitssysteme tragen momentan weniger als 10 Prozent zu unserem Umsatz bei. Der Rest verteilt sich auf verschiedene Applikationsbereiche, zu denen unter anderem die Robotik gehört. Medizintechnik ist also unser wichtigster Markt. Es ist aber so, dass wir für diesen Anwendungsbereich eher kleine Batteriesysteme entwickeln und fertigen, die in der entsprechenden Applikation bei Bedarf kaskadiert werden. Entscheidend wir darum im Rahmen der angestrebten Gesundheitsreform sein, wie sich die Kostenträger in Deutschland verhalten. Welche Lösungen aus dem Leistungskatalog gestrichen oder eingeschränkt werden. In den USA und Japan haben wir dagegen eine ganz andere Situation, da führen wir solche Diskussionen nicht.

In den letzten Jahren wurden Batterie- und Akku-Alternativen aus dem Reich der Mitte für viele offenbar immer interessanter. Wie sieht es hier im Bereich Medizintechnik aus – legen die Kunden Wert auf Zellen, die aus Japan, Korea oder Taiwan kommen, oder sind sie offen für alternative Hersteller aus China?

Da ist die Prämisse unserer Kunden völlig klar: Sie setzen auf renommierte Hersteller. Wir verwenden aktuell nur in einem Produkt, das wir in Stückzahlen fertigen, Zellen eines chinesischen Herstellers. Es ist nach wie vor so, dass zum Beispiel die Kapazitätswerte chinesischer Hersteller deutlicher streuen als die bekannter nicht-chinesischer Hersteller. Das kann man in einer Applikation tolerieren, die eine Einzelzelle nutzt, aber nicht dann, wenn in einem Batteriepack 10, 15 oder mehr Zellen eingesetzt werden. Aus diesem Grund priorisieren unseren Kunden Panasonic, Samsung, LG und Sony/Murata. Im Medizintechnikbereich setzen unsere Kunden zu 80 Prozent auf Panasonic.

Ich gehe davon aus, dass Lithium-Ionen-Systeme die bestimmenden elektrochemischen Systeme für Dynamis Batterien sind. Gab es daran zuletzt Veränderungen? Setzen Sie auch Lithium-Eisenphosphat ein? Würden Sie auch über eine Natrium-Ionen-Zelle nachdenken?

Im Medizinbereich kommen von uns verwendete Zellen nur außerhalb des Körpers zum Einsatz. In 90 bis 95 Prozent der Fälle handelt es sich um Lithium-Ionen-Systeme, wobei auf NMC etwa 60 Prozent entfallen. In Nischenapplikationen setzen wir auch Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen ein, und in einigen wenigen Fällen NiMH. NiMH-Systeme haben den Vorteil, nicht nach Gefahrengutklasse 9 transportiert werden zu müssen. Natrium-Ionen-Zellen sind nach heutigem Stand für unsere Zwecke aufgrund ihrer Energiedichte ungeeignet.

Welches sind heute die von Ihnen am häufigsten eingesetzten Zellen-Typen? Kommt 18650 noch eine große Bedeutung zu? Hat 21700 für Sie eine Bedeutung? Sehen Sie eine Veränderung bei den Zellwünschen Ihrer Kunden?

Mit Abstand das beliebteste Zellenformat bei unseren Kunden ist die 18650, darauf entfallen gut 80 Prozent unserer Applikationen. Unsere Kunden mögen es möglichst flach, aus diesem Grund präferieren sie beispielsweise prismatische Zellen wie die 103450.

Sie haben den Standort der Dynamis Batterien 2024 verlagert. Was waren die Gründe dafür, und welche Vorteile bietet der neue Standort nach Ihren bisherigen Erfahrungen?

Wie anfangs erwähnt, erlaubte der Grundriss des neuen Gebäudes eine deutliche Optimierung unserer Produktionsabläufe, was zu einer Produktionssteigerung von 60 Prozent führt. Zu den weiteren Pluspunkten zählt, dass wir unseren CO2-Fußabdruck dramatisch verkleinern konnten. Und das Gebäude ist vollklimatisiert. Das mag nach Luxus klingen, hält aber die Umweltbedingungen in allen Abteilungen konstant. So spielt beispielsweise beim Aushärten von Klebstoffen die Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. In dem neuen Gebäude hat sich auch die Größe unseres Testlabors verdoppelt. Und durch die Nähe zu Singen fällt es uns deutlich leichter, Kräfte mit technischem Background zu rekrutieren. Das war früher in der Nähe von Konstanz schwieriger.

Der neue Standort ist nicht die einzige Veränderung bei Dynamis Batterien. Sie haben seit dem 1. Mai einen neuen Geschäftsführer.

Ja, wir haben einen Generationswechsel vollzogen. Unser neuer Geschäftsführer Mario Reichmann kennt das Unternehmen aber aus dem Effeff. Er ist seit 12 Jahren im Unternehmen und bestens mit den Prozessen vertraut und kennt die Stellschrauben, mit denen sie sich noch verbessern lassen.

Zum Abschluss: Halten Sie es für möglich, dass im Herbst, zum Jahresende wieder eine angespannte Situation im Bereich Supply Chain und Versorgungssicherheit auftreten könnte? Falls nicht, was macht Sie so sicher, dass es nicht wieder zu einem überhitzen Markt kommen wird?

Man sollte nach den unvorhersehbaren Ereignissen der letzten Jahre nie etwas ausschließen. Wir werden uns sicher im Laufe des Jahres noch operativen Herausforderungen gegenübersehen; der Logistikaufwand zum Beispiel hat sich in den letzten Jahren fast verdoppelt, aber Stand heute kann ich mir nicht vorstellen, warum es in den nächsten Monaten zu massiven Beeinträchtigungen der Lieferketten kommen soll.

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