Als Spezialist für Hochleistungsstromversorgungen, die vor allem in den Bereichen Energietechnik und Infrastruktur zum Einsatz kommen, hat Oliver Walter, Mitgründer und CEO der Camtec Power Supplies, das Unternehmen zu einer international bekannten Marke entwickelt.
In Zukunft soll die plattformbasierte Produktpalette noch um zwei, drei Produktlinien ausgebaut werden.
Markt&Technik: Herr Walter, was hat die Geschäftsentwicklung der Camtec Power Supplies im Jahr 2025 stärker beeinflusst: Trumps Schutzzölle oder der Antritt einer neuen Bundesregierung? Wie lief das letzte Geschäftsjahr für Sie?
Oliver Walter: Aus unserer Sicht war 2025 schwieriger als 2024. Viele Unternehmen waren verunsichert: erstens durch die von Trump geforderten Schutzzölle und zweitens durch den Regierungswechsel in Berlin, den viele zwar gefordert hatten, aber mit einer anderen Umsetzung gerechnet hatten. Auf weltpolitischer Bühne hatte niemand damit gerechnet, dass Trump in seiner zweiten Amtszeit die USA und die Weltwirtschaft so umgestalten würde, wie er es dann in den ersten Monaten seiner Amtszeit getan hat. Und in Deutschland wurde schnell klar: Die neue Koalition besteht aus zwei Parteien mit sehr unterschiedlichen Ansätzen, was schnell zu verhärteten Fronten führte und zu immer weiter nach hinten verschobenen Reformen. Mit Trumps Schutzzöllen konnten wir vergleichsweise einfach umgehen, da wir kein Massenhersteller von Stromversorgungen sind, sondern projektorientiert arbeiten.
Eigentlich startete das Jahr 2026 ja gut, offenbar hatten sich vielerorts die Lager endgültig aufgelöst, und die Kunden mussten nachbestellen. Was waren Ihre Erwartungen zu Jahresbeginn, und wie beurteilen Sie sie seit dem Irankrieg?
Wir hatten wirklich ein gutes 1. Quartal, dann aber kam ein Einschnitt. Alle sind vorsichtiger geworden, Investitionen werden zurückgehalten, man wartet ab. An den Börsen hatten sich die Reaktionen der verunsicherten Anleger ja schon bemerkbar gemacht. Große Unternehmen reagieren darauf dann anders als der in Deutschland breite Mittelstand, den es in dieser Form ja in anderen Industrieländern kaum gibt. Vor diesem Hintergrund ist 2026 für mich ein Übergangsjahr, dafür werden wir dann 2027 voll durchstarten. Eine wichtige Voraussetzung dafür wird aber sein, dass für die Golfregion eine Regelung gefunden wird, die dieses Gebiet wirklich befriedet, sonst wiederholt sich das aktuelle Szenario wahrscheinlich noch ein paar Mal.
Camtec ist ein hochspezialisiertes Unternehmen mit Marktschwerpunkten vor allem im Bereich Infrastruktur und Teststände. Wenn Sie 2025 mit 2026 vergleichen: Spüren Sie in den Gesprächen mit Ihren Kunden einen Unterschied? Ist wieder ein Investitionswille erkennbar?
Ja, wir stellen fest, dass die Firmen unbedingt nach vorn wollen. Die suchen ihre Lücke im Markt. Hoher Druck führt zu Innovationen. Für mich ist das der Boris-Becker-Effekt: Der spielte auch immer dann besonders gut, wenn er unter hohem Druck stand. Eine der Stärken des deutschen Mittelstands ist es, schnell auf Krisen reagieren zu können. Wobei wir auch eine Veränderung am Markt feststellen: War früher oft die Preissensitivität der Treiber, ist es heute immer stärker die Frage: Ist das zuverlässig lieferbar?
Die USA sind zwar so etwas wie der größte regionale Stromversorgungsmarkt der Welt, allerdings fertigen dort neben einigen Spezialisten wie Vicor und SynQor kaum Stromversorgungshersteller. Haben sich die Schutzzölle für Sie zum Hemmschuh entwickelt, oder greifen amerikanische Kunden gerade jetzt gern zu Stromversorgungen „Made in Germany“?
Es gibt da sicher noch ein paar andere wie Pioneer Magnetics, die im Militärbereich tätig sind, und BK Precision beispielsweise fertigt in den USA Labornetzteile. In den letzten Jahren haben sich einige amerikanische Hersteller mit Zukäufen auch in Europa verstärkt. Im Projektgeschäft sind wir bislang in den USA alternativlos. Um da eine andere Lösung zu finden und einzubauen, bedürfte es großer Anstrengungen. Und ich habe schon den Eindruck, dass »Made in Germany« in den USA immer noch ein gewisses Renommee hat. Aber ich finde es absolut richtig, dass die EU zwischen 27 Nationen Freihandelsabkommen ausgehandelt hat und sich damit die Möglichkeit bietet, unabhängiger vom US-Markt zu werden.
Wie sieht die aktuelle Umsatzverteilung nach Regionen bei Camtec Power Supplies aus?
Europa ist unser dominierender Absatzmarkt. Rund 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Export und davon bleiben etwa 80 Prozent in Europa. Unser US-Umsatz liegt bei etwa 8 Prozent. Er war 2025 sogar gestiegen, dürfte in diesem Jahr aber wieder sinken.
Camtec entwickelt und fertigt ausschließlich in Deutschland. Stromversorgungen aus dem Schwarzwald, so das Branding. Ist das heute ein wichtigerer Softskill als vielleicht noch vor der Pandemie? Was verbinden Ihre Kunden mit dem Framing „Made in Germany“?
Ganz allgemein ist »Made in Germany« im Ausland nach meiner Einschätzung immer noch mit Hightech und Ingenieurkunst verbunden. Man muss feststellen, dass China in vielen Bereichen dank staatlicher Unterstützung aufgeholt hat, teilweise sogar die Marktführerschaft übernommen hat. Wer sich nach Hightech-Lösungen umsieht, landet aber fast zwangsläufig bei deutschen Produkten. Hightech bedeutet ja hier am Standort Deutschland und in unserem Fall im Schwarzwald, dass wir mit unseren Produkten Probleme des Kunden wirklich lösen. Das ist die Form von Kundenzufriedenheit, die von »Made in Germany« erwartet wird.
Sie haben während und nach der Pandemie Ihre Supply-Chain gravierend verändert und kooperieren nun vor allem mit westlichen Herstellern. Welchen konkreten Vorteil haben Sie davon, und wie verargumentieren Sie diese Veränderung gegenüber Ihren Kunden? Welchen Benefit haben die davon?
Die Frage, die ich mir als Unternehmer stellen muss, lautet: Wie werde ich unabhängiger von Faktoren, die ich nur schwer beeinflussen kann. Wie verhindere ich, dass Probleme des Zulieferers an mich weitergegeben werden? Je länger die Lieferkette ist, desto schwieriger wird es, sie wirklich vollumfänglich zu kontrollieren. Natürlich werden nicht alle Produkte, die wir benötigen zu 100 Prozent in Europa gefertigt, aber der Anteil ist deutlich höher als vor der Pandemie, und wir haben uns Alternativen geschaffen. Mit allen diesen Maßnahmen sind wir heute in einem höheren Maße abgesichert als noch vor einigen Jahren – und das gilt dann auch für unsere Kunden.
Sie vertreiben Ihre Produkte sowohl national als auch international vor allem über die Distribution. Seit Kurzem sind sie auch über RS Components erhältlich. Welchen Zusatznutzen bringt dieser neue Distributor für Sie?
Einen weltweiten Vertrieb aufzubauen, das könnten wir als kleiner Mittelständler gar nicht leisten. Aus diesem Grund erzielen wir 90 Prozent unseres Umsatzes über die weltweite Distribution. Alles, was nicht extrem erklärungsbedürftig ist, lässt sich dabei sehr gut über einen Katalogdistributor wie RS Components vertreiben, der diese Produkte auf Lager hat und den Kunden sofort beliefern kann. Spezialdistributoren unterstützen dagegen beim Design-in, sind näher am Kunden dran und sind so deutlich mehr mit dem Thema Problemlösung vertraut.
Camtec verfügt nur über eine relativ kleine Entwicklermannschaft. Trotzdem haben Sie in den letzten Jahren mit ihren Inrush-Current-Limitern, der CPS-Serie und zuletzt der EC2000-Linie kontinuierlich neue Produkte auf den Markt gebracht und arbeiten bereits an weiteren Neuheiten. Was machen Sie anders als andere, und wie stemmen Sie das mit einem kleinen Entwickler-Pool?
Zwei Entwickler und ein Techniker, dieses Team kann man mit Fug und Recht klein nennen. Aber dank unseres Plattformansatzes lassen sich am Ende drei verschiedene Produktlinien auf einem Plattformdesign realisieren. Das machen wir wie die Automobilindustrie. Dabei konzentrieren wir uns in unserer Arbeit in erster Linie auf Applikationen im Bereich Energieversorgung und Infrastruktur, nicht auf einen Massenmarkt. Und diesen Weg werden wir weiter konsequent mit neuen Entwicklungen fortsetzen, vielleicht schon in diesem Jahr.
Sie haben einiges an Entwicklungsanstrengungen in die modulare Stromversorgungs-Reihe CPS investiert. Wie nehmen die Kunden den neuen konzeptionellen Ansatz dieser Baureihe auf?
Positiv! Wir haben von einigen Kunden sogar das Feedback bekommen, dass die Geräte in ihren Applikationen sogar noch effizienter waren, als das beim ersten Durchrechnen der Anlage zu erwarten war. Das freut uns natürlich!
Sie setzen in Ihren Hochleistungsgeräten bereits seit einiger Zeit SiC-MOSFETs ein. Wie sind Ihre Erfahrungen damit? Seit gut einem Jahr gibt es bidirektionale 650-V-GaN-Leistungshalbleiter. Sind das Produkte, für die Sie im Bereich der Industrieelektronik Einsatzmöglichkeiten sehen?
Für uns ist der Einsatz dieser Produkte seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Für mich ist das Teil des Hightech-Versprechens »Made in Germany«. In gewissen Leistungsklassen ist das unumgänglich, um effizient und kompakt arbeiten zu können. Beim Thema bidirektionale 650-V-GaN-Leistungshalbleiter fällt mir als Erstes die Nachhaltigkeit ein. Es ist eine Frage, für welche Wandlertopologie ich mich entscheide. Momentan setzen wir bidirektionale GaN-Leistungshalbleiter in keinem unserer Produkte ein.