Digitale Neurologie | Blut-Hirn-Schranke

Snke und Precision NeuroMed greifen Hirntumore an

16. Juni 2026, 15:24 Uhr | Elektronik medical (uh)
Snke liefert das digitale Rückgrat, PNM die Therapiemethode: Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen die Behandlung von Hirntumoren wie dem Glioblastom neu definieren.
© Componeers

Die Brainlab-Tochter Snke und das US-Biotechunternehmen Precision NeuroMed wollen die digitale Infrastruktur für eine neuartige Methode der direkten Wirkstoffabgabe im Gehirn aufbauen – und damit die Präzisionstherapie für bisher nicht behandelbare Hirntumore grundlegend verändern.

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Das Glioblastom gilt als aggressivster hirneigener Tumor beim Erwachsenen. Die Krebsart ist trotz Operation, Bestrahlung und Chemotherapie bis heute nicht heilbar. Das Hauptproblem der Therapie ist die Blut-Hirn-Schranke. Die natürliche Barriere schützt eigentlich das Gehirn, verhindert in diesem Fall aber, dass die meisten Wirkstoffe überhaupt ans Ziel gelangen. Genau hier setzt Precision NeuroMed (PNM) an – mit der sogenannten Convection-Enhanced Delivery (CED), bei der Wirkstoffe über einen computergeführtem Mikrokatheter direkt in das erkrankte Hirngewebe infundiert werden und die Schranke damit umgangen wird.

Wirkstoff direkt zum Tumor

Snke und PNM haben nun eine Technologiepartnerschaft vereinbart, die auf die Optimierung und Skalierung dieser CED-Methode abzielt. Kern der Zusammenarbeit ist die Plattformlogik, die Snke mitbringt: Cockpits heißt das cloudbasierte Werkzeug, das PNM nun für die CED-Behandlungsplanung einsetzt – Fallkoordination, Datenaustausch und institutionsübergreifende Zusammenarbeit in einer Oberfläche. Für seinen Therapieansatz PNM-201 hat das Unternehmen bereits den FDA-Orphan-Drug-Status erhalten.

Darüber hinaus bauen beide Unternehmen gemeinsam ein klinisches Register auf, das Bildgebungs-, Planungs-, Behandlungs- und Outcome-Daten systematisch zusammenführt. Die Kombination aus Workflow-Orchestrierung und strukturierter Real-World-Datenerfassung soll die Lernzyklen bei der präzisen Wirkstoffabgabe deutlich verkürzen und eine skalierbare Grundlage für künftige Therapien des Zentralen Nervensystems (ZNS) schaffen.

Vom Datenpunkt zur Therapie

»Präzisionstherapien erfordern präzise Workflows«, sagt Stefan Vilsmeier, Gründer und CEO von Snke. »Mit Snke Cockpits schaffen wir das digitale Rückgrat, das Kliniker, Experten sowie Daten miteinander verbindet – stets mit dem Patient im Mittelpunkt.« Sandeep Kunwar, MD, Gründer und CEO von PNM, ergänzt: »Fortschrittliche ZNS-Therapien zu entwickeln, ist nicht nur eine Frage der Anatomie – entscheidend sind auch Koordination, Daten und kontinuierliche Verbesserung.«

Es ist nicht die erste strategische Partnerschaft für PNM auf diesem Feld: Bereits im Februar 2026 hatte das Unternehmen mit Snks Muttergesellschaft Brainlab eine Kooperation zur Entwicklung eine KI-gestützten CED-Behandlungsplanung bekannt gegeben. Die neue Zusammenarbeit mit Snke ergänzt diese Infrastruktur nun um die klinische Workflow- und Datenebene – und baut damit Schritt für Schritt ein digitales Ökosystem rund um die Präzisionstherapie des Gehirns auf. (uh)


Die Partner im Portrait

Snke ist ein Münchner Healthtech-Unternehmen. Die 2025 ausgegliederte Brainlab-Tochter entwickelt digitale Infrastruktur für die datengetriebene Gesundheitsversorgung. Mehr als 350 Spezialistinnen und Spezialisten aus Healthcare-IT, Visualisierung, Simulation, Data Science und Machine Learning arbeiten an Digitalprodukten für Kliniken, Fachgesellschaften und Healthtech-Unternehmen. Neben dem Hauptsitz in München ist Snke auch in Chicago, Heidelberg und Tel Aviv vertreten. www.snke.com

Precision NeuroMed ist ein klinisches Biotechnologieunternehmen mit Sitz in Redwood City, Kalifornien. Das Unternehmen entwickelt krankheitsmodifizierende Therapien für schwere neurologische Erkrankungen – darunter Glioblastom, den aggressivsten hirneigenen Tumor beim Erwachsenen. Im Mittelpunkt steht die Convection-Enhanced Delivery (CED): eine Methode, bei der Wirkstoffe per Mikrokatheter direkt in erkranktes Hirngewebe infundiert werden und so die Blut-Hirn-Schranke umgehen. Für seinen führenden Therapiekandidaten PNM-201 erhielt das Unternehmen den FDA-Orphan-Drug-Status. www.precisionneuromed.com

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