Herz-Verkalkungen nicht-invasiv korrekt einschätzen? Die sehr hochauflösende Photon-Counting-Computertomografie kann Herzkrankheiten sehr präzise diagnostizieren - und Hochrisikopatienten einen Eingriff ersparen.
Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Freiburg zeigt, dass die neue Generation an Computertomografen, die sogenannten Photon-Counting-CTs, die Diagnose und Bildqualität bei akuten Herzerkrankungen deutlich verbessert. Bei Hochrisikopatienten, bei denen bisher schnell ein invasiver Herzkatheter nötig war, reicht in den meisten Fällen ein CT-Scan, um das Ausmaß und den Umfang der koronaren Erkrankung vollständig einzuschätzen.
»Unsere Ergebnisse zeigen, dass mit der neuen CT-Technologie deutlich mehr Patienten von einer nicht-invasiven Herz-Untersuchung profitieren«, sagt Prof. Dr. Fabian Bamberg, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Freiburg.
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Koronare Herzerkrankung oder Veränderungen der Herzkranzgefäße via CT auszuschließen, war bisher nur bei Menschen mit einem niedrigen oder mittleren Risiko sinnvoll - Hochrisikopatienten haben oft bereits koronare Verkalkungen oder Stents. »In klassischen CT-Bildern erscheinen Verkalkungen der Herzkranzgefäße oft größer als sie tatsächlich sind. Dieser Effekt ist umso stärker, je größer die Verkalkung ist,« sagt Muhammad Taha Hagar, Erstautor der Studie und Arzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Freiburg. Um Überbewertungen von Verengungen und Plaques zu vermeiden, wurde diesen Patienten daher oft ein Herzkatheter gesetzt: Bei dem minimal-invasiven und dennoch respektvollen Eingriff wird ein feiner, biegsamer Schlauch unter Röntgenkontrolle von der Leiste oder dem Arm aus durch ein Blutgefäß bis zum Herzen vorgeschoben und liefert von dort Bilder.
In der jetzt veröffentlichten Studie wurden 68 Patienten mit einer schweren Aortenklappenstenose mittels Photon-Counting-CT und einer invasiven Koronarangiografie als Referenzstandard untersucht. Die ernsthafte Herzerkrankung tritt häufig auf, dabei ist der Blutfluss vom Herzen zur Aorta reduziert oder blockiert. Die Photon-Counting-CT-Untersuchung konnte eine koronare Herzerkrankung sehr genau erkennen oder ausschließen. Die Bildqualität wurde in fast 80 Prozent der Fälle als gut oder hervorragend bewertet.
Das Photon-Counting-CT ist deutlich sensibler als klassische CT-Geräte und benötigt eigentlich weniger Strahlung für vergleichbare Bilder. Um die in der Studie erreichte Bildqualität zu erhalten, war jedoch eine etwas höhere Strahlenexposition als bei klassischen CT-Verfahren notwendig. Darum ist die Methode zunächst vor allem für Hochrisikopatienten geeignet, die von den hochauflösenden Bildern besonders profitieren.
Noch sind Photon-Counting-CT-Geräte wie das am Universitätsklinikum Freiburg sehr teuer und weltweit relativ selten. Experten rechnen allerdings damit, dass sich die Technologie aufgrund ihrer Vorteile (und damit auch des klinischen Einsparpotenzials) zunehmend verbreitet und die CT-Diagnostik maßgeblich verändern wird. Das Forschungsteam untersucht nun das diagnostische Potenzial der photonenzählenden CT-Technologie in anderen klinischen Szenarien, wie beispielsweise in der Onkologie. Weiterhin möchte es seine Studien auf Untergruppen erweitern, für die eine CT-Bildgebung derzeit nicht realisierbar ist, beispielsweise Patienten mit koronaren Stents oder die Beurteilung des Herzmuskels mit dem Photon-Counting CT. (uh)